Glanzstücke: Das Revival der Fliese

Fliesen sind mehr als ein hübscher Aufputz. Moderne Modelle sind facettenreich und trumpfen mit Größe, knalligen Farben und mutigen Mustern auf.

Das Opernhaus in Sydney ist eines der spektakulärsten Bauwerke der Welt. Nicht allein wegen der extravaganten Wölbungen, die das Haus wie ein Schiff aus dem Hafen ragen lassen. Weltberühmt ist es auch wegen der mehr als einer Million weißen, glasierten Keramikfliesen, die das australische Opernhaus zum Strahlen bringen. Architekt Jørn Utzon hat erkannt – an Fliesen führt kein Weg vorbei. Das gilt für die australische Oper wie für Einfamilienhäuser.

Im Bild: Botschaften in Mosaik-Form (im Bild von Bisazza) sind sowohl an Wänden als auch Böden ein Blickfang Sogar einer der erfolgreichsten Jungmusiker Österreichs macht sich Gedanken über Fliesen. Hip-Hopper Skero hat seine eigenen Kacheln mit Gras-Print entworfen (siehe Link unten). "Ich kam auf die Idee eine Fliese zu designen, weil ich das Gefühl hatte, dass es keine leiwanden Fliesen gibt", erzählt der Musiker. Er hat lange nach einem Teil gesucht, das eng verlegt werden kann und keine abgerundeten Kanten hat. "So bin ich auf die großformatigen Feinsteinfliesen gestoßen", erklärt er.

Im Bild: Brillante Mosaik-Kunst: Die italienische Fliesenmanufaktur Sicis lässt Skylines an Wohnzimmerwänden hochgehen Bei der Wahl des Musters ließ er sich von der Natur inspirieren. Grashalme breiten sich wie ein grüner – oder grauer – Teppich aus oder klettern in den Kanten die Wände hoch. "Auf den Grashalm bin ich gestoßen, weil mich das Thema 'Ornament' interessiert", erklärt Skero. "Ich glaube, dass Ornamente wieder im Kommen sind. In letzter Zeit hat sich in dieser Richtung viel getan."

Im Bild: Ideal für einzelne Fliesen: "Macchine Volanti" von Piero Fornasetti für Ceramica Bardelli. Der Künstler liegt damit nicht falsch. "Mosaike aus Glassteinen sind ein Dauerbrenner", erklärt Kurt Herzog, Filialleiter bei Keramikwelt Felbermair. "Bordüren werden hingegen immer weniger nachgefragt und sind zunehmend am verschwinden", weiß der Experte. Die Vielfalt von Fliesen ist unüberschaubar. 

Im Bild: Fische, Trompeten und mehr tummeln sich im Mosaik "Silhouette" von Bisazza. Auf der einen Seite imponieren dreieinhalb Millimeter dünne Platten mit einer Größe von ein mal drei Meter. Damit lässt sich eine komplette Duschrückwand nahtlos verkleiden – ohne einzige Fuge. Das Pendant dazu sind Glasmosaiksteine, die mit Perlmutt, echtem Gold oder Platin verarbeitet sind. Beim derzeitigen Goldkurs ist der Kauf von besonders exklusiven Fliesen allerdings eine teure Angelegenheit. 

Im Bild: Sternförmiges Muster von VIA Für Terrassen-Platten gibt es eine neue Verlegetechnik. Zwei Zentimeter dicke Fliesen werden auf erhöhte Plastikstützen am Unterboden gelegt. Der Vorteil: Der Boden ist frostbeständig und sehr stabil. In dem entstandenen Hohlraum können Kabel verlegt werden.

Im Bild: Historische Ornamente – dieses stammt von VIA – kommen gut zur Geltung, wenn Möbel und Wandfarbe reduziert sind Fliesen verschönern mittlerweile den gesamten Wohnbereich: Von der Küche bis zum Bad hin zu Schlaf- und Wohnzimmer. "Wie in südlichen Ländern halten Bodenfliesen auch hierzulande Einzug in Wohnräume. Oft werden gleich ganze Etagen verkauft", erklärt Herzog.

Im Bild: "Snowflake Oro" zaubert Eiskristalle an die Wand (von Bisazza). Wer mehr als rotbraunes Terrakotta will, kann zu historischen Fliesen greifen. Einige Hersteller haben ihre Produktion darauf spezialisiert. Mit gutem Grund. Denn richtig inszeniert passen die Ornamente genauso gut in ein Wiener Zinshaus wie in ein modernes Loft.

Im Bild: Das Korallen-Mosaik passt gut in Schwimmbäder (ebenfalls von Bisazza). Etwas Ursprünglicheres haben Fliesen, die Parkett imitieren. Mit freiem Auge sind sie von Dielen fast nicht auseinanderzuhalten. Aber man spürt den Unterschied, denn die Haptik von Fliesen ist kühler und glatter als Holz. Trotzdem werden sie beim Barfußgehen zum Fußschmeichler – vorausgesetzt, man besitzt eine Bodenheizung. Das Material gibt Wärme optimal weiter und speichert sie. 

Im Bild: Zementmosaikfliesen, wie sie VIA produziert, erleben im Neubau eine Renaissance Neue Technologien sorgen im Nassbereich dafür, dass Oberflächen leicht zu reinigen sind. Hersteller haben sich den Effekt der Lotusblüte abgeschaut. Die Pflanze taucht selbst aus unreinem Wasser sauber auf. Genauso weist der "Lotusblüteneffekt" Schmutz ab. Spezielle Lasuren sorgen dafür, dass Verunreinigungen fast von alleine weggehen.

Im Bild: Mosaike in Schwarz-Gold sorgen für mehr Glanz (von Sicis). Muster und Texturen liegen im Trend – sie sind aber auch schneller aus der Mode als schlichte Elemente. "Das sollte man bei der Planung bedenken. Schließlich wechselt man Fliesen nicht alle paar Jahre. Durchschnittlich werden Badezimmer nach 18 bis 20 Jahren renoviert", sagt Herzog. In kleinen Räumen können Muster außerdem viel Aufmerksamkeit auf sich ziehen. Gerade dort sollte man sie eher zurückhaltend einsetzen. "Man kann in ein kleines Zimmer große Formate legen." empfiehlt Herzog. "Die bringen Ruhe in den Raum."

Im Bild: An den Stil der Sixties erinnert der schwarz-weiße Mosaikboden (von Sicis). Akzente im minimalistischen Sinn setzt man etwa mit Farbe. Dies kann ein Patchwork aus Mosaiksteinen, ein Fliesenstreifen in einem anderen Ton oder ein kontrastreicher Wandbereich sein. 

Im Bild: Ornament von Bisazza Abgesehen von bunten Experimenten, können unterschiedliche Größen zum Einsatz kommen. Diese Variante verbindet zwei Trends: größere Formate und Mosaike. Die Kombination aus kleinen Steinen und großen Platten lockern das Gesamtbild auf. Im selben Farbton wirkt das Mosaik-Band zeitlos und harmonisch. 

Im Bild: Blumen-Mosaik von Buchtal Spannende Kontraste erzielt man mit dem Mix verschiedener Texturen. Das bringt Abwechslung in eintönig gestaltete Räume. So können etwa raue Fliesen mit glatten kombiniert werden: Grauer Schiefer passt gut zu weißer Sanitärkeramik. Bei einem Bodenbelag ist es abgesehen von ästhetischen Gründen auch in puncto Sicherheit ratsam, nicht nur glatte Fliesen auszusuchen. "Man muss darauf achten, dass es rutschfest ist", sagt Herzog. Fußböden, die nass werden und auf denen man sich barfuß bewegt, sollten möglichst griffig sein. 

Im Bild: blühende Tulpen für Wand und Augen, entworfen von Van der Hilst für Ceramica Bardelli In Räumen, wo kühle Oberflächen dominieren, kann ein Möbelstück aus Holz – sei es der Waschtisch oder eine Kommode – zusätzliche Wärme und ein angenehmes Gefühl schaffen. Generell geben Accessoires und Möbel aus Naturmaterialien wie Holz oder Schiefer modernen Räumen einen eleganten Touch. Der Purismus der letzten Jahre hat ohnehin ausgedient. "Kantige Modelle sind am verschwinden", sagt Kurt Herzog. „Im Sanitärbereich kehren sanfte, runde Formen zurück. Hersteller stimmen ihr Angebot aufeinander ab, so dass der Waschtisch perfekt zur Armatur passt.“ Ob beiger Naturstein oder glanzvolles Mosaik: Die Auswahl von Fliesen und die Zusammenstellung zu einem harmonischen Gesamtbild kann einen ins Schwitzen bringen. Wofür man sich auch entscheidet, auf Qualität zu achten lohnt sich. Und auf die Verarbeitung durch den Fachmann. Denn die schönste Fliese nützt nichts, wenn sie schlampig verlegt wird. Interview: Kurt Herzog von Keramikwelt Felbermair über Trends und Gestaltungsideen

KURIER: Wie die Mode wird auch das Fliesendesign von Trends bestimmt. Welche sind jetzt gerade aktuell?

Kurt Herzog: Am auffälligsten ist der Wandel der Formate. Während in den 1990er-Jahren Fliesen im Maß von 25 x 20 Zentimeter im Trend waren, werden heute großformatige Fliesen mit einer Größe von bis zu 100 x 300 Zentimeter verlegt. Wenn es dann überhaupt noch Fugen gibt, werden diese sehr eng gehalten. Farbe ist zwar auf dem Vormarsch, trotzdem wird nach wie vor oft zu neutralen Tönen wie Weiß, Beige oder Grau gegriffen. Generell kann man beobachten, dass sich die Größe der Badezimmer – vor allem bei Neubauten – ändert: Sie sind heute geräumiger und nehmen einen höheren Stellenwert ein. Wie schafft man es, kleine Bäder großzügiger aussehen zu lassen?

Der Mythos, dass man in einem kleinen Bad nur kleine Fliesen legt, ist überholt. Auch auf kleinen Flächen kann es große Fliesen geben. Das geometrische Muster, das die Fuge mit sich bringt, wirkt beruhigend und weitet den Raum. Gibt es einfache Mittel, um einen Raum zu verschönern, wenn man sich an alten Fliesen oder Dielen sattgesehen hat?

Herkömmliche Keramik kann man leicht überfliesen, ohne den Altbestand abschlagen zu müssen. Das spart Zeit und der Schmutz hält sich in Grenzen. Neue Fliesen
werden mit einem speziellen Klebstoff über den alten Kacheln angebracht. Das funktioniert auch bei einem Holzboden. Wenn dieser verklebt ist, kann man darüberfliesen, ohne den Untergrund entfernen zu müssen.
(KURIER) Erstellt am
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