Wohnen 30.03.2012

Gartenleben: Im Paradies des Prinzen

So frei: Barock-Gärtnerin Elisabeth Zach lässt jeder Pflanze ausreichend Platz © Bild: Kurier

Mit den Experten des Barockgartens Schloss Hof in die neue Blühsaison. Heute: Ein Spaziergang zwischen historischen Beeten.

So schön: Kunsthistorikerin Harter vor der originalgetreu renovierten Orangerie
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Rot und Blau, die Farben von Klatschmohn und Kornblumen, zierten einst die Blumenrabatte von Schloss Hof. "Nicht etwa zur Zeit seines Verfalls nach dem Tod Prinz Eugens 1763, sondern während seiner Hochblüte", sagt die Gartenleiterin des Barockensembles, Elisabeth Zach. Die Gstetten-Pflanzen waren einst gern gesehene Gäste in Schlossgärten. "Kaum zu glauben, oder? Mit dem Barock würde man eher üppige Blütenpracht verbinden." Zach hat die Sonnenbrille hinaufgeschoben, sitzt auf dem Sonnenbankerl am Fuße der Schlossanlage und genießt die Vorfrühlingssonne. Die Märzenbecher im Beet zu ihren Füßen sind in großen Abständen gesetzt, "auch das ist typisch Barock".

 

 

Auflockerungsübung

So zahm: Schloss-Fasan im Dickicht
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Zach lockert die Erde auf, wässert und düngt die gleichen Beete wie ihre Vorgänger im Dienste des französisch-stämmigen Feldherrn. Dass der historische Garten noch existiert, ist Zufall. "Hätte Eugen dynamischere Nachfolger gehabt, wäre das Schloss um 1800 wohl in einen englischen Landschaftsgarten verwandelt worden, der Mode der Zeit folgend", erläutert die Kunsthistorikerin Katrin Harter.

Ein Gärtner in dieser elitären Umgebung weiß um seinen Status, "die Kollegen beneiden uns", meint Erich Muhr, Spezialist für Sommerblumen in Schloss Hof. Der außerdem zugibt: "Im Frühling kribbelt es mich in den Fingern".

Des Wandelns Lust

So frisch: Schloss-Gärtner Erich Muhr ist ein fantastischer Salat-Experte
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Der Besucher lustwandelt über sieben Terrassen vorbei an Blumenbeeten, historischen Weinstöcken, Laubengängen und Brunnen. Tulpen, Narzissen, Violen und Kaiserkronen (Fritillarien) schieben ihre Blütenknospen nach oben, im Orangerie-Parterre warten Hyazinthen, Anemonen und Krokusse auf die ersten warmen Apriltage.

Was für ein Mensch war der Schlosshof-Erbauer? "Eugen von Savoyen war der Frank Stronach seiner Zeit", meint Harter, er verfügte über ein Jahreseinkommen von 600.000 Gulden, 15 Millionen Euro. Aus Wien reiste der Stratege mit dem Jagdschiff an. "Eugen war ein Mal pro Monat zum Ausspannen da", sagt Harter, die Nachbesitzer kamen immer seltener. Fragt sich, wofür die Diener den Garten eigentlich in Schuss hielten. Die Antwort: nur für ihn. Eugen war "ein Einzelgänger. Er stieg auf Baugerüste, einmal fiel er sogar herunter und verletzte sich am Bein."

Tipp des Gärtners: Der Buchs-Schädling

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Der Buchsbaumzünsler ist eine neue Plage im österreichischen Gartenland. Die schwarz gestreiften grünlichen Raupen des Kleinschmetterlings überwintern und beginnen ab Mitte März zu fressen. Mit Gespinsten schützt sich die vor wenigen Jahren zugewanderte japanische Schmetterlingsart vor potenziellen Feinden. Die gibt es aber in der europäischen Fauna noch gar nicht. Bekämpfung mit Nützlingen fällt daher aus. Wenn Schlossgärtner Erich Muhr seine Zwergbuchshecken kontrolliert, drückt er den "ganzen Buschen" auseinander und schneidet den befallenen Teil heraus. Das Schnittgut wird verbrannt. Der Schmetterling , den man am besten an den weiß-braunen Rändern der Flügel erkennt, bildet bis zu vier Generationen im Jahr. Die Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit AGES empfiehlt bei starkem Befall Spritzbehandlung mit folgenden Mitteln: Spruzit Konzentrat, Calypso Schädlingsfrei oder Xentari.

Leitfaden: Überleben in der Gärtnerei

So grau-blau: Wasser des Neptun
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1. Das Etikett lesen

Auf dem Pflanzenetikett stehen wichtige Informationen: Name, Wachstumsbedingungen (Sonne, Schatten), Farbe, Größe und Wuchsform (winterhart, ein-, mehrjährig).

2. Den Fachjargon verstehen

Selbstaussaat bedeutet: Die Pflanze ist schön, wächst aber auch an unerwünschten Stellen. Invasiv heißt, die Pflanze breitet sich über Kriechwurzeln aus. Empfindlich meint frostunverträglich.

3. Der Gesundheits-Check

Die Blätter sollen ein gesundes Grün besitzen, ohne braune Spitzen oder Fraßlöcher. Die Pflanze darf keine geknickten Triebe aufweisen, die Erde muss frei von Lebermoos sein.

4. Größe und Platz

Wenn mehrere Jungpflanzen in einen Topf gequetscht wurden, kann man sie zu Hause trennen und jede einzeln einsetzen.

5. Schnäppchenjagd

Bei Pflanzen und Saatgut lohnt der Preisvergleich zwischen den Gärtnereien.

( Kurier ) Erstellt am 30.03.2012