Wohnen
01.06.2017

Ein Möbel für alle

Architektur erfüllt eine Funktion, die Kunst aber ist frei: Wie es Didier Fiúza Faustino gelungen ist, beide Welten zu verbinden, zeigt eine temporäre Installation am Kunstplatz Graben.

Er ist gebürtiger Franzose, bewegt sich an der Schnittstelle zwischen Kunst und Architektur und stellt seine mit Preisen ausgezeichneten Arbeiten in Sammel- und Einzelausstellungen aus – aber nicht nur. Sie erobern auch den öffentlichen Raum, wo sie zum Anfassen und Mitmachen auffordern. Wie etwa den Wiener Graben, wo Didier Fiúza Faustino als Gast des Kollektivs Kunst im öffentlichen Raum (KÖR) vor Kurzem sein jüngstes Projekt "Domestic Landscape 2.0" enthüllte. Aus blau lackierten, ineinander verschachtelten Stahlrahmen bilden sich Raumteiler, Tische und Stühle heraus.

Das Kunstwerk besteht aus acht Sitzmodulen, komponiert aus zwei unterschiedlichen Stühlen und zwei unterschiedlich hohen Tischen, aus Raumteilern sowie einer Beleuchtung. Die blaue Lackierung bildet einen Kontrast zur Patina von Kupfer und Bronze als omnipräsente Farbigkeit in der historischen Altstadt. Die farbige Leichtigkeit bildet auch einen Kontrapunkt zur Schwere des Materials Stahl.

So wie bei vielen seiner Werke verfolgt Faustino auch in Wien einen gesellschaftlichen Ansatz. Ziel der Aktion ist es, den privaten Bereich auf die Straße zu verlagern. "Ich habe in den vergangenen Monaten an einem neuen ,Stuhl’ gearbeitet, der eine Art Artefakt und Matrix ist", erklärt der Künstler. Diesen Sessel hat er für den Kunstplatz Graben weiterentwickelt. "Der Zweck dieses Stuhls ist es, die Beziehung zwischen dem Körper und dem ,Anderen’ in Frage zu stellen. Durch die Arbeit an einer Serie wandelt sich der Stuhl für den individuellen Gebrauch in einen kollektiven Apparat."

Die Möblierung lässt die Grenzen zwischen Öffentlichkeit und Privatsphäre verschwimmen und lädt zum Verweilen und zur Interaktion ein. Faustino schuf damit einen Innenraum im Außenraum, einen Platz an dem man sich tatsächlich aufhalten kann, ein "Zuhause" in der Stadt. Noch bis 1. November lädt das Werk zur Interaktion ein – mit anderen Benutzern, aber auch mit der Struktur an sich.

Zur Person

Didier Faustino begann nach Abschluss seines Architekturstudiums an der Schnittstelle von Kunst und Architektur zu arbeiten. Seine ersten ikonischen Arbeiten waren unter anderem „Body in Transit“, ein auf ein Minimum reduzierter Container, der den Transport illegaler Migranten kritisiert. Oder „Stairway to Heaven“, ein öffentlicher Raum zur individuellen Nutzung, der 2001 in Castelo Branco entstand. Zudem war er 2015 und 2016 Chefredakteur des französischen Architektur- und Designmagazins CREE.didierfaustino.com