Werknutzungsrecht für Hertl Architekten ZT GmbH Steyr

© Walter Ebenhofer

Bauernschlau
03/31/2013

Ein Loft in der Scheune

Vom Wohnen im Bauernhaus träumen viele. Doch traditionelle Höfe verlangen viel Geschick, um sie an heutige Wohnansprüche anzupassen.

von Claudia Elmer

Glaubt man diversen Umfragen, sehnen sich viele Österreicher nach einem Wohnsitz auf dem Land. Demnach ist ein Bauernhof mit Swimmingpool und einer großen Küche eine der meistgewünschten Wohnformen. Traditionelle Höfe aber, mit ihren Scheunen, Ställen und Nebenräumen, sind komplexe Gebäude und in ihrer ursprünglichen Form nicht immer einfach zu bewohnen. Schwierig ist das zum einen, weil der Grundriss den Bedürfnissen einer Großfamilie entspricht. Meist sind viele, aber kleine Zimmer vorhanden und die Küche ist der einzige Ort von nennenswerter Größe. Ställe und Scheunen sind heute aufgelassen und stehen leer. Das mag ein Vorteil für jene sein, die sich eine Werkstatt, eine Praxis oder ein Atelier einrichten möchten. Für Kleinfamilien kann das reiche Platzangebot aber ein Problem darstellen. Nicht zuletzt steht die Fenstergröße im Widerspruch zum modernen Wohntraum. Wer denkt, das Leben auf dem Land bedeute ein Wohnen mit der Natur, wird vom Gegenteil überrascht. Die Öffnungen, oft nur so groß wie Schießscharten, lassen wenig Tageslicht ins Innere und versperren den Blick nach draußen. Kurz gesagt: Den Wunsch nach lichtdurchfluteten, offenen Räumen erfüllt ein ursprüngliches Bauernhaus nicht.

Ein grosszügiger Grundriss, fließende Übergänge und ausreichend Tageslicht können aber geschaffen werden – wie diese Beispiele in Ober- und Niederösterreich zeigen. Dort haben sich zwei historische Höfe in ein modernes Zuhause verwandelt. Unterhält man sich mit Architekt Gernot Hertl über die Schwierigkeit einer solchen Bauaufgabe, spricht er zuerst ein Dilemma an, unter dem viele dieser Häuser zu leiden haben. Die meisten seien nämlich zu groß und damit in der Erhaltung teuer. „Kernaufgabe ist es, für das vorhandene Volumen eine Nutzung zu finden“, sagt er. Umgekehrt stellte sich die Ausgangslage bei seinem Auftrag in Garsten bei Steyr dar.
Der ehemalige Vierkanthof, der von zwei Generationen bewohnt wird, bot zu wenig Platz. „Um für die junge Familie Wohnraum zu schaffen, sollte ausgebaut werden“, sagt Hertl. Im Zuge dessen wurde das komplette Gebäude saniert. Eine neue Dämmung, eine Pelletsheizung und eine Solarthermiefassade an der Südseite versetzen den heute L-förmigen Hof in Niedrigenergiestandard. Von moderner Architektur zeugt der Heuboden, der sich vertikal über der Hofdurchfahrt erstreckt. Wie Hertl sagt, lassen sich dort besonders gut zeitgemäße Wohnräume errichten. „Das Gute an Stadeln ist, dass sie viel Platz bieten und nur aus der Decke und den Außenwänden bestehen. Man kann sehr leicht einen neuen Grundriss einfügen“, so der Planer. So ist ein offener Wohnraum entstanden, dessen Seitenwände verglast sind. Trotzdem bietet er eine behagliche Atmosphäre: „Die Holzlamellen an der Fassade schützen vor Einblicken und geben zugleich einen uneingeschränkten Blick nach draußen frei“, sagt Hertl.
In Schönberg am Kamp hat Burkard Kreppel einen Hof aus dem 17. Jahrhundert saniert. „Viele Bauherren trauen sich einen solchen Umbau nicht zu“, sagt der Architekt. Seine Auftraggeber ließen sich von der historischen Substanz aber nicht abschrecken. Der ehemalige Stall wurde zum Wohnraum umfunktioniert und ist über einen Durchbruch und einige Treppen mit der Küche verbunden. Angesichts der wenigen kleinen Fensteröffnungen war der Umgang mit Licht eine besondere Herausforderung. „Im Wohnraum bringen zwei doppelflügelige Glastüren ausreichend Helligkeit ins Innere. An den restlichen Wänden wurde die Laibung rund um die Fenster ausgeweitet, sodass sie von innen größer wirken als von außen“, sagt Kreppel. Das Faszinierende an einem solchen Bauauftrag ist aber, wie er selbst sagt, das Weiterbauen an der Geschichte: „Man knüpft an eine lange Tradition an und gestaltet sie weiter.“

Garsten bei Steyr

Nach einem Brand waren vom früheren Vierkanthof nur zwei Seitentrakte übrig. Die Viehhaltung wurde aufgelassen, sodass der Stall und der Heuboden frei standen. Der Stadel dient heute als loftartiger Wohnraum und wurde, abgesehen vom Dach, komplett neu gebaut. Er erstreckt sich über die gesamte Breite und öffnet sich in den Dachraum. Die Fassade besteht aus Tannenholz und Eternitplatten. An der schönsten Ecke des Hauses liegt der Misthaufenplatz. Er wurde mit einer Holzterrasse überbaut und als Schwimmbad umfunktioniert.

www.hertl-architekten.com

Schönberg am Kamp

Das Bauernhaus aus dem 17. Jahrhundert wurde so umgebaut, dass es nun die Komfortansprüche unserer Zeit reflektiert. Burkard Kreppel und Anja Mönkemöller haben es aus dem Dornröschenschlaf geweckt und wieder instand gesetzt. Der Kuhstall wurde an die Küche angegliedert und zum offenen Wohnraum umgebaut. Über zwei raumhohe Fenstertüren ist er direkt mit dem Garten verbunden. Auch der Dachboden hat eine neue Funktion bekommen: Er wird künftig als Atelier genutzt. Für ausreichend Licht sorgen zwei große Öffnungen an der Vorder- und Rückseite.

www.muka.at

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