Wohnen
16.11.2017

Ein Italiener auf X-Beinen

Gae Aulenti ist in der Designwelt keine Unbekannte – trotzdem ist ihr Name vielen nicht vertraut. Dieses Schicksal teilt sie mit dem Klappstuhl "April", den sie 1964 für Zanotta entworfen hat.

Sie gilt als eine der vielseitigsten Künstlerinnen Italiens: Gae Aulenti wird bis heute als Grande Dame der italienischen Architektur gefeiert. International erlangte sie mit der Neugestaltung älterer Gebäude große Bekanntheit– der Umbau des früheren Pariser Bahnhofs Gare d’Orsay in ein Museum zählt bis heute zu ihren berühmtesten Beispielen. Außerdem entwarf sie die Geschäftsräume für Christian Dior und übernahm die Neugestaltung der Ausstellungsräume im Centre Pompidou. In den 1980er-Jahren wurde sie zudem mit dem Umbau der Katalanischen Museen in Barcelona beauftragt.

Bekanntheit erlangte sie auch als Bühnenbildnerin – unter anderem entwarf sie Kulissen und Kostüme für die Wiener Staatsoper. Auch als Designerin macht sie sich einen Namen: Sie gestaltete Tische, Stühle, Lampen und Liegen – darunter die Outdoor-Möbelserie "Locus Solus" aus dem Jahr 1964, auf deren Bezügen konzentrische Kreise in Blau, Rot und Gelb prangten. Die Möbel tauchten einige Jahre später in Filmen wie "Swimmingpool" auf und erlangten Kultstatus. Weniger bekannt ist hingegen der Klappstuhl "April". Sein Design erinnert mehr an die Ästhetik kühler Bauhaus-Stahlrohrmöbel als an den Look der Sixties – denn grafische Muster und knallige Farben sucht man hier vergeblich. Trotzdem geriet das platzsparende Sitzmöbel nicht in Vergessenheit: Der Entwurf, der 1964 erstmals das Licht der Welt erblickte, wird bis heute von Zanotta aufgelegt.

www.zanotta.it