Die zwei Gesichter der Postsparkasse

Kopie von …
Foto: Hagen Stier Hagen Stier teilt Räume und setzt sie aus mehreren Bildern neu zusammen. Die Postsparkasse Wien und eine Sondernummer des Parabol Art Magazins zeigen seine Architekturfotografien.

Anlässlich des 150-Jahr-Jubiläums der Wiener Ringstraße widmet sich eine Ausstellung den Räumen der Österreichischen Postsparkasse und zeigt diese in einem völlig neuen Licht.

Otto Wagner gilt als einer der wichtigsten österreichischen Baukünstler – sowohl in Hinblick auf sein architektonisches Werk, dem etwa die Wiener Stadtbahn und die Wienzeilenhäuser zuzurechnen sind, als auch in Hinblick auf seine zahlreichen theoretischen Schriften. Eines seiner bekanntesten Bauwerke – und zugleich eines der bedeutendsten Jugendstilgebäude in Wien – ist die zwischen 1904 und 1906 errichtete Postsparkasse am Stubenring.

… Foto: Hagen Stier Auf den ersten Blick wirken die Bilder wie einfache Spiegelungen. Rechte und linke Bildhälfte zeigen aber jeweils nur fast dasselbe. Die BAWAG P.S.K. nimmt das Ringstraßen-Jubiläum nun zum Anlass, eine künstlerische Auseinandersetzung mit dem vor 110 Jahren errichteten Gebäude zu initiieren. Im Auftrag des Bankinstituts konnte das "Parabol Art Magazin", ein internationales Periodikum für zeitgenössische Kunst, den deutschen Architekturkritiker Oliver Elser als Kurator gewinnen. Dieser lud den Hamburger Architekturfotografen Hagen Stier ein, das Gebäude auf seine ganz individuelle Art und Weise zu dokumentieren.

Das Besondere an seinen Aufnahmen schildert Elser wie folgt: "Die Spatial Splittings (Deutsch: Raumspaltungen) sind eine von Hagen Stier entwickelte Methode, ein symmetrisches Gebäude zuerst in Teile zu zerlegen und diese anschließend so zusammenzufügen, dass ein neues Gebilde entsteht." Durch das Zusammenziehen von zwei weit voneinander entfernten, aber zueinander spiegelbildlichen Situationen oder durch das Gegenüberstellen von zwei verwandten Räumen wird die Postsparkasse neu zusammengesetzt. Das ermöglicht eine übergeordnete Lesart und erzeugt neue, fiktive Raumzusammenhänge.

… Foto: Hagen Stier Fotograf Hagen Stier (links) und Kurator Oliver Elser. Elser: "Einige der Splittings wirken auf den ersten Blick wie einfache Spiegelungen. Aber das ist nie der Fall. Rechte und linke Bildhälfte zeigen jeweils nur fast dasselbe. In einem symmetrischen Gebäude wie der Postsparkasse, deren Grundrissgeometrie überaus komplex ist, gibt es eben jede Ecke, jeden Gang, jedes Treppenhaus und jede Türöffnung immer zwei Mal. Mindestens. Auf der einen und dann nochmals auf der anderen Seite der Symmetrieachse, die das Bauwerk durchschneidet."

Rund drei Wochen lang sind die Bilder im großen Kassensaal der Postsparkasse ausgestellt. Hagen Stiers gesplittete Aufnahmen sind allerdings nicht an die Ausstellung gebunden: In der Sonderedition "The Splitting Issue" des Parabol-Magazins sind die Werke in einer außergewöhnlichen Größe von beinahe DIN A1 abgedruckt.

Zur Ausstellung

Otto Wagner   (1814–1918) war Architekt, Architekturtheoretiker und Stadtplaner. Neben dem  Otto Wagner Spital auf der Baumgartner Höhe und  dem  Majolikahaus  an der Wienzeile  zählt die Postsparkasse zu seinen bekanntesten Werken. Der Schalterbetrieb  ist bis heute aufrecht. Außerdem dient es dem  Museum „Wagner:Werk“ als Zuhause.
Die  Bilder von Hagen Stier sind von  19. Mai bis 12. Juni 2015  in der großen Kassenhalle ausgestellt.

Georg Coch-Platz 2, 1018 Wien. Öffnungszeiten: Montag–Freitag, 10–17 Uhr. 
www.ottowagner.com

(kurier) Erstellt am
Posts anzeigen
Posts schließen
Melden Sie den Kommentar dem Seitenbetreiber. Sind Sie sicher, dass Sie diesen Kommentar als unangemessen melden möchten?