Wohnen
06.12.2016

Die Essenz einer Epoche

Gutes Design altert nicht: Davon zeugen folgende Firmen, Klassiker und Pioniere. Sie spiegeln den Geist ihrer Zeit wider und sind dabei so zeitlos schön, dass sie uns seit vielen Dekaden erfreuen.

50 Jahre Gufram

Mit grotesken Entwürfen mischte Gufram die Sechzigerjahre auf: Die Brüder Gugliermetto hatten das Unternehmen 1966 gegründet um skurrile Ideen junger Turiner Designer, darunter Studio 65 oder Gruppo Strum, zu verwirklichen. Diese experimentierten mit dem neuen Material Polyurethan und entwarfen Möbel, die man damals so noch nicht gesehen hatte. Die überproportionalen Skulpturen – etwa das Sofa „Bocca“ (1971, s. oben), das einem Mund nachempfunden ist, oder der als Garderobe verwendbare Plastikkaktus „Cactus“ (1972) – stellten eine Sensation in den Schaufenstern dar. www.gufram.it

50 Jahre Bolle

Fünf Flaschen in bunten Farben: Die Serie „Bolle“ des finnischen Designers Tapio Wirkkala zählt seit 1966 zu den Klassikern von Venini. Ihre Entstehung ist einem Zufall zu verdanken: Wirkkala stieß auf die fast vergessene „Incalmo“-Technik aus der Renaissance. Zusammen mit venezianischen Glasbläsern verfeinerte er das komplizierte Verfahren so weit, dass auch sehr dünnwandige Objekte auf diese Weise hergestellt werden konnten – „Bolle“ war geboren. Die Spitzen am Boden sollen an den Rückstoß eines Tropfens, der aufs Wasser fällt, erinnern und die hohe handwerkliche Fertigkeit der venezianischen Glasbläser betonen.www.venini.com

220. Geburtstag Michael Thonet

1796 als Sohn eines Gerbermeisters geboren, machte Michael Thonet als Tischler Karriere: 1819 gründete er in seiner Heimatstadt Boppard am Rhein eine Möbelwerkstatt, wo er das Bugholzmöbel erfand. Fürst Metternich holte ihn daraufhin nach Wien, wo dieser ein neues Unternehmen eröffnete. Der „Sessel Nr. 14“ entsteht 1859, er ist heute als „Wiener Kaffeehausstuhl“ bekannt. Bis 1930 wird das Modell 50 Millionen Mal verkauft. Weil er aus genormten Einzelteilen gebaut war, ließ er sich zerlegen und preisgünstig in alle Welt transportieren. Als Thonet 1871 stirbt, unterhält das Unternehmen Verkaufsniederlassungen in fast allen Metropolen Europas, in Russland und in den USA. Die Firma Thonet GmbH ist heute in Frankenberg (DE) ansässig.www.thonet.de

50 Jahre Platner Kollektion

Feine Stahlstangen, die zu einer taillierten Säule zusammenführen: Damit revolutionierte der US-Amerikaner Warren Platner das Design der Sixties. Mit der Kollektion – sie umfasst Armlehnstühle, Easy Chairs, Ottomane, Beistell,- Couch- und Esstische – schuf Platner die erste Drahtmöbelkollektion für den Hersteller Knoll. Die feinen Stahlstäbe lassen den Unterbau leicht und filigran wirken. Im Kontrast dazu steht die gemütliche Form der Sitz- und Rückenfläche. Zum Jubiläum legt Knoll die Klassiker aus 1966 als Sonderausgabe auf und bringt das filigrane Gestell mit 18-karätigem Goldfinish zum Glänzen.www.knoll.com

50 Jahre B & B Italia

Ein halbes Jahrhundert – darauf blickt der italienische Möbelbauer stolz zurück. Das von Ambrogio Busnelli und Cesare Cassina unter dem Namen „C&B Italia“ gegründete Unternehmen zählt heute zu den erfolgreichsten Marken der Designwelt. Warum? Man glaubte schon immer an neue Ideen und hat ein firmeneigenes Forschungszentrum für Material-Innovationen eingerichtet. Zudem erwies sich Busnelli als ausgezeichneter Entdecker unbekannter Talente: Etwa von Antonio Citterio, den er schon als 23-jährigen Studenten angestellt hat. Als Cassina das Geschäft Anfang der 70er-Jahre verließ, erhielt es seinen heutigen Namen „B&B Italia“. Weltberühmt ist etwa Gaetano Pesces Serie „Up“ (im Bild), die das Ergebnis von Forschungen im Labor des Unternehmens war. Der 50. Geburtstag wird groß gefeiert – mit einer Ausstellung, Film und Buch sowie vielen Events.www.bebitalia.com

90. Geburtstag Verner Panton

Möbel in Braun und Beige, die auf vier Beinen stehen – das wäre dem gebürtigen Dänen vermutlich nicht ins Haus gekommen. Farbenfroh, lebendig und fantasievoll musste es sein. Panton war auf Kunststoff spezialisiert, er entwarf skulpturale, fast erotische Möbel in leuchtenden Farben und handelte sich damit den Ruf des Enfant terrible der Designwelt ein. Einige seiner Ideen sind nur im Museum zu bestaunen, zum Beispiel die „Living Sculpture“ im Centre Pompidou. Doch viele seiner Entwürfe – der Freischwinger „Panton Chair“, der „Cone Chair“ oder der „Amoebe“-Sessel – erfrischen reale Wohnwelten und sind bis heute Bestseller im Sortiment von Vitra.www.vitra.com

70 Jahre Farrow & Ball

„Teresa's Green“, „ Middleton Pink“ oder „Elephant's Breath“ – so heißen die Farben und Lacke von John Farrow und Richard Ball. Die beiden Chemiker haben das Unternehmen 1946 in Dorset im Südwesten Englands gegründet. Das Geheimnis der Anstriche: Die Herstellung erfolgt aus natürlichen Zutaten und die Farben erreichen dank eines Pigmentanteils, der bis zu 30 Prozent höher ist als bei anderen, eine enorme Farbtiefe. Die Zusammensetzung der insgesamt 132 Töne hat sich im Lauf der Jahre kaum verändert, sodass man die Farben auch Jahre später noch nachkaufen kann. Zum 70. Geburtstag hat die Firma eine Tapetenkollektion im Forties-Look – inspiriert durch das Jahrzehnt, in dem sie gegründet wurde – kreiert.eu.farrow-ball.com

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