Braucht man für gutes Licht viel Geld?

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Foto: Artemide/Anja Jahn "Licht ist aufwendiger geworden – in der Planung, der Installation und Steuerung." Manfred Peckal, Vertriebsleiter Artemide Österreich

Manfred Peckal, Vertriebsleiter Artemide Österreich, erklärt warum man Licht planen sollte und was eine gute Leuchte auszeichnet.

KURIER: Warum sollte man Beleuchtung planen?
Manfred Peckal: Im Wohnbereich gibt es nicht eine, sondern viele Lichtquellen: Vom indirekten Licht über dekorative Akzente bis hin zu Deckenstrahler und Bodeneinbauleuchten. Um für die jeweilige Nutzung das richtige Licht zu erzeugen, müssen alle Lichtquellen abgestimmt werden. Wer neu baut oder renoviert, sollte ein ganzheitliches Licht-Konzept erstellen lassen.

Braucht man für gutes Licht viel Geld?
LED kostet heute 30–40 Prozent mehr als eine Standard-Halogenleuchte, hat im Gegenzug aber auch eine Lebensdauer von bis zu 50.000 Stunden. Das heißt nicht, dass man für richtiges Licht unheimlich viel Geld ausgeben muss. Aber es ist aufwendiger geworden – in der Planung, Installation und Steuerung.

Wie beurteilen Sie den derzeitigen Entwicklungsstand von LED?
Die Technik brachte viel Positives: Es ist einfacher geworden, Licht zu färben. Die Leuchtmittel werden bei mehr Lichtleistung immer kleiner. Steuerungen sind aufwendiger, bringen aber mehr Komfort. Es gibt auch Nachteile: Alte Lampen können zwar mit Retrofit-Leuchtmittel auf LED-Technik umgerüstet werden, allerdings sind diese nicht normiert. So variiert etwa die Lichtfarbe von Hersteller zu Hersteller. Das verwirrt die Kunden. Weiters: LED ändert beim Dimmen seine Lichtfarbe (die in Kelvin gemessen wird) nicht: Licht wird dunkler, nicht wärmer. Deshalb ist die Glühbirne bei uns so positiv verankert: Ihr Licht wurde beim Dimmen leicht rötlich und warm.

Ist das Licht von LED kälter als das von Glühbirnen?
Es ist zwar eine Spur kälter – aber zu behaupten, LED macht kaltes Licht, ist falsch. Der Punkt ist: Während die Glühbirne einen Farbwiedergabewert von 100 Prozent erreichte, liegen LEDs oft nur bei 70–80 Prozent. Deshalb wirken 2700 Kelvin bei LEDs kälter als 2700 Kelvin bei einer Glühlampe.

Wo sehen Sie Verbesserungspotenzial?
Die Farbwiedergabe von LED wird sich rasant bessern: In Zukunft wird LED das volle Spektrum erreichen. Artemide ist hier Vorreiter und schafft mit ,Tunable White‘ eine Farbwiedergabe von 93 bis 97 Prozent. Fortschritte wird es auch beim Dimmen geben: Es wird ins Rötliche gehen und wärmeres Licht produzieren. Vereinzelt gibt es bereits Leuchten, die eine Rotverschiebung ermöglichen.

… Foto: Artemide Glasbläserkunst trifft LED: 'Empatia' verteilt Licht in alle Richtungen, ohne zu blenden Wo liegt die Schwierigkeit beim Dimmen?
Dimmt man Halogen, drosselt man den Strom nach unten. LED lässt sich nur über eine Steuerleitung regeln. Einfach ausgedrückt: Für LED braucht man nicht drei, sondern mindestens vier, meistens sogar fünf Drähte. In Neubauten wird das berücksichtigt, im Altbau kann das aber problematisch sein: Gibt es keine direkte Verbindung vom Schalter zum Deckenauslass oder ist ein nachziehen von Drähten nicht möglich, muss man aufstemmen. Doch in Zukunft wird es auch dazu Lösungen geben.

Was zeichnet eine gute Leuchte aus? Wenn traditionelle Produktionsarten mit neuer Technik so verbunden sind, dass daraus ein wunderschönes Objekt entsteht. Das ist zum Beispiel bei der Serie "Empatia" sehr gut gelungen.

(Kurier) Erstellt am
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