Wohnen
21.11.2017

Bauherrenpreis: So sehen Sieger aus

Von der Bar bis zur Brücke: Die sechs Gewinner des diesjährigen Bauherrenpreises

Was haben eine Bar, eine Kirche und eine Brücke gemeinsam? Sehr viel – zumindest seit 17. November: Da wurde nämlich der 50. Bauherrenpreis vergeben. Die Zentralvereinigung der Architektinnen und Architekten Österreich zeichnet damit Bauten aus, die einen positiven Beitrag zur Verbesserung des Lebensumfeldes leisten und durch ihren innovativen Charakter überzeugen. Eine Expertenjury wählte sechs Projekte aus insgesamt 82 Einreichungen aus. Eines haben alle gemeinsam: Die intensive und gute Zusammenarbeit zwischen Bauherren und Architekten hat zu außergewöhnlichen Lösungen geführt.

Catering Pavillon Wolke 7

Mit der Freilichtbühne Wolkenturm wurde im Schlosspark Grafenegg vor zehn Jahren eine beeindruckende Konzertarena geschaffen. Die gastronomische Infrastruktur konnte lange nicht mithalten. Mit dem Catering Pavillon ist es gelungen, diesen Mangel zu beseitigen und einen gestalterischen Akzent zu setzen. Der Pavillon ist nicht nur Konzertbar, sondern auch Rastplatz, Sonnen- und Regenschutz. Das Ensemble beeindruckt durch einen geschwungenen Dachschirm, der sich auf zarten Stahlstützen wie ein Blatt zwischen die Bäume legt. Am Boden findet die Dachebene eine Entsprechung in einem weichen Granulatboden – wegen der Akustik und um Glasbruch zu minimieren. Der Belagswechsel verstärkt das Gefühl, einen Raum zu betreten.

Bauherr: Grafenegg Kultur Betriebsges.m.b.H
Architektur: the nextENTERprise Architects

Kapelle Salgenreute

Über 100 Personen, zahlreiche Vereine und Firmen haben zusammengewirkt, um eine neue Kapelle zu errichten. Den ursprünglichen Plan, den Holzbau aus dem Jahr 1880 zu sanieren, musste man bald aufgeben. Der neue Sakralbau hat wie sein Vorgänger nur 24 Sitzplätze. Der Grundriss ähnelt der alten Kapelle, statt Schiff und Turm gibt es nun lediglich ein hohes Steildach. Die Wände auf dem Sockel aus Alberschwender Kalkstein wurden in ein Wetterkleid aus handgeschlagenen Lärchenschindeln gehüllt. Durch das Zurücksetzen des Eingangs entsteht eine schützende Vorhalle. Eine mit gehämmertem Messing beschlagene Tür führt ins Innere des schlichten Andachtsraums. Tageslicht fällt durch die verglaste Apsiswand.

Bauherr: Gemeinde Krumbach in Vorarlberg
Architektur: Bernardo Bader

Evangelische Kirche Mitterbach

Im Lutherjahr 2017 wurde die längst fällige Renovierung des Gotteshauses im niederösterreichischen Mitterbach in Angriff genommen. Neben vielen kleineren Maßnahmen ist die neue Galerie die auffälligste Veränderung: Die lange Westempore wurde zurückgebaut, zwei neue Längsemporen kompensieren die entgangene Fläche. Sie bringen den durch die Lage der Kanzel asymmetrisch disponierten Raum wieder in Balance. Im feinen Gitterwerk der Brüstungen finden sich die Namen jener, die sich 1782 offiziell zum evangelischen Glauben bekannten.

Bauherr: Evangelische Gemeinde, Pfarrerin Birgit Lusche
Architektur: Ernst Beneder, Anja Fischer

Erste Campus

Der Campus wird Teil der Stadt und die Stadt wird Teil des Campus – so die Philosophie des Bauherren. Die Idee ist aufgegangen. Das Ensemble aus mehreren geschwungenen und in der Höhe gestaffelten Baukörpern umschließt einen Landschaftsgarten (gestaltet von Auböck + Kárász) und öffnet sich gleichzeitig zur Stadt hin. Mit dem Erste Campus im Quartier Belvedere hat die Bank 25 Standorte mit insgesamt 5000 Mitarbeitern in einem neuen Headquarter gebündelt und zugleich einen architektonisch-städtebaulichen Meilenstein geschaffen.

Bauherr: Erste Group Bank AG
Architektur: Henke Schreieck

Basilika und Geistliches Haus Mariazell

Eingebettet in ein Gesamtkonzept wurden im steirischen Wallfahrtsort Mariazell im Lauf vieler Jahre zahlreiche Einzelmaßnahmen umgesetzt. Für die Basilika wurde ein neues Raum-, Farb- und Klangkonzept, das vom Altarraum bis zu den Turmkammern reicht, geschaffen. Der Außenraum wurde barrierefrei gestaltet und es entstand eine Tagespilgerstätte mit Sanitär- und Aufenthaltsräumen. Auch das „Geistliche Haus“ wurde renoviert: Die Privaträume der Patres und die Gästezimmer wurden mit maßgeschneiderten Sanitärzellen und Küchennischen ausgestattet.

Bauherr: Superiorat Mariazell
Architektur: Feyferlik/Fritzer

Sägerbrücke

Die Sägerbrücke über der Dornbirner Ach verbindet die Innenstadt mit dem Hatlerdorf und schafft einen öffentlichen Raum über dem Wasser. Die ungewöhnliche Proportion (mehr breit als lang) signalisiert, dass hier ein Ort zum Verweilen entstanden ist. Wie aus einem Stück gegossen hebt sich die Brücke aus hellem Granit von den Straßen ab. Die Oberfläche wurde unterschiedlich behandelt: Gestockt auf den Fahrbahnen, sandgestrahlt im Fußgänger- und Radfahrersektor, geschliffen im Haltestellenbereich und (zur Reflexion der Beleuchtung) poliert an der Dachunterseite der Bushaltestellen.

Bauherr: Stadt Dornbirn/Land Vorarlberg
Architekturwerkstatt Dworzak-Grabner