Wohnen
25.01.2018

Architektur hoch oben

Als Preisträger des "Constructive Alps" gingen drei heimische Projekte – eine Volksschule in Vorarlberg, eine Käserei in Kärnten und ein Supermarkt in Salzburg – hervor.

Zum vierten Mal verliehen die Schweiz und Liechtenstein den Architekturpreis "Constructive Alps" für nachhaltiges Sanieren und Bauen in den Bergen. Die Jury verlieh vier Hauptpreise und sieben Anerkennungen für Projekte im gesamten Alpenraum. Gold und Silber gingen an drei heimische Architekturbüros.

Platz 1: ARGE Spagolla Zottele Mallin Architekten

Das Gebäude in Brand, ein Vorarlberger Bergdorf auf über 1000 Meter Seehöhe am Fuße der Schesaplana, beherbergt eine Volksschule, einen Kindergarten mit Kinderkrippe und einen Musik- sowie einen Mehrzweckraum. Außen besticht der Bau durch eine Strickbaufassade, die massive Dielen und luftige Fenster kombiniert.

Sägeraue Parkettböden und Massivholz-Einbauten (selbst die Lüftungsschächte sind aus Holz) demonstrieren die Vorarlberger Holzbaukunst auch innen. Der Bau zeigt, dass Nachhaltigkeit am Bau möglich und bezahlbar ist: „Die Architekten ziehen das ganze Register der Nachhaltigkeit, indem sie konsequent das Lokale bestärken. Die Schule schafft ein Zentrum für Kinder, Musikanten und Vereine. Der Holzbau strickt den Ort sorgfältig weiter und setzt auf die regionale Bauwirtschaft“, begründet die Jury ihre Entscheidung.

Platz 2: Hohengasser Wirnsberger Architekten

In der Kaslab’n im kärntnerischen Randenthein kann man sehen, wie Käse gemacht wird. Zur Realisierung der Käserei mit Verkaufs- und Gastroabteilung sind Bauherren und Architekten eine beispielhafte Partnerschaft eingegangen: Gebaut wurde mit heimischen Baustoffen – das Holz für Fassade und Böden stellten die Bauern selbst zur Verfügung. Umgekehrt beteiligten sich die Architekten beim Entwurf für die hölzerne Butterdose. „Die Schaukäserei sorgt für Öffentlichkeit, ein zentrales Gut, nicht nur in den Bergen. Sie verdichtet den Kern und schafft einen Platz, der zum Selbstbewusstsein des Orts beiträgt. Die Architektur ist angenehm unaufgeregt. Die Schaufenster verweisen auf den öffentlichen Charakter des Gebäudes, in dem die regionale Wirtschaft sichtbar, profitabel und erlebbar wird“, so die Jury.

Ex aequo auf Platz 2: LP Architektur

Wie man im Alpenraum innovativ und gleichzeitig rücksichtsvoll bauen kann, beweist auch der MPreis-Supermarkt in St. Martin am Tennengebirge bei Salzburg. Der Bau ist in leichter Hanglage errichtet und nimmt dank seiner niedrigen Höhe auf die Bedürfnisse der Anwohner Rücksicht, ohne deren Aussicht zu stark zu verbauen. Die Materialien sind auf Beton und heimische Hölzer reduziert, auch das begrünte Dach stellt einen Beitrag zum Thema Nachhaltigkeit dar. Der Markt öffnet sich nach vorne zum Zentrum und fügt sich präzise in die Dorfstruktur ein. Er liefert nicht nur architektonische, sondern auch soziale Mehrwerte: Das Baguette Café ist durch einen separaten Zugang über einen Windfang erreichbar und funktioniert als eigenständige Einrichtung. Die Fenster bringen viel Licht ins Bistro, das so zum Treffpunkt wird. Die Jury sagt: „Auch gewöhnliche Ladengebäude können außergewöhnlich gestaltet sein; eine profane Nutzung ist keine Ausrede, die Architektur zu vergessen.“