Wohnen
12.03.2012

Architektonischer Mut zur Lücke

Das Büro PLANET hat schon viele heimische Wettbewerbe gewonnen. Mit seinen Plänen zum Umbau des New Yorker "Greenway" triumphiert es nun auch im Ausland.

Sie sind Profis, was geladene Wettbewerbe betrifft: Paul Linsbauer und Gerhard Abel, die Gründer von PLANET, haben schon bei vielen Ausschreibungen mitgemacht.

Und oft gewonnen: Sie haben die Niederösterreichische Landesschau in Hainburg, die "Sixties"-Ausstellung in der Schallaburg oder das "Bahnorama" in der ÖBB Infobox für den Hauptbahnhof Wien realisiert. Nun gingen sie einen Schritt weiter und feierten doppelte Premiere: Mit ihrem ersten Städtebau-Projekt nahmen sie erstmals an einem offenen Wettbewerb teil.

Bei "Close the Gap" , so der Name des internationalen Bewerbs, waren Ideen zur Schließung der Lücke im New Yorker Greenway gefragt, eines Radwegs, der am Ufer des East River verläuft. Er ist nicht durchgängig und der vierspurige Franklin D. Roosevelt Highway blockiert den Zugang zur Uferzone. "Das Thema hat uns angesprochen, weil ja auch die meisten unserer Mitarbeiter mit dem Fahrrad fahren. Qualitativ hochwertiger öffentlicher Raum in Städten ist etwas, das uns sehr interessiert", sagt Firmengründer Gerhard Abel.

Die Architekten nahmen das Projekt ohne Zurückhaltung in Angriff und überzeugten die Jury mit ihren Vorschlägen. "Städtebau ist eine Querschnittsmaterie, die vieles inkludiert: Verkehr, Platzgestaltung, Gastronomie bis hin zur Open-Air-Bühne", sagt der Planer. "Es ist gut, wenn man nicht zu architektonisch an das Fach herangeht. Stattdessen muss man breit denken und viele Themen berücksichtigen. Man kann eigene Erfahrungen einbeziehen und überlegen, was man selbst gerne hätte und gut für die Bevölkerung wäre. Jeder in unserem Team hat seine Vorstellungen dazu eingebracht."

"Es geht um große Dinge"

Das Ergebnis ist ein Gesamtkonzept, das weit über die Anforderungen des Wettbewerbs hinausgeht. Durch eine Reihe von Maßnahmen wollen die Architekten das gesamte Ufer nutzbar machen und ein neues Erholungsgebiet schaffen. "Wir haben uns gedacht: Das ist New York, der Big Apple. Hier geht es um große Dinge, für die man eine große Lösung braucht. Unser Konzept sieht unter anderem vor, den East River zu überbauen und die ganze Zone in ein Gezeitenkraftwerk zu verwandeln. Darauf sollen ein See und ein Park angelegt werden. Zugleich wird Roosevelt Island, ein derzeit etwas heruntergekommener Stadtteil, mit Manhattan verbunden und aufgewertet", sagt Abel.

Die Planer überlegten, wie man die Radwege an die bestehende Infrastruktur anschließen und den störenden Highway in das Gesamtkonzept integrieren kann. Abel: "Wir haben das öffentliche Verkehrsnetz und den Verlauf der Wege analysiert. Wir fanden, dass der Highway Schallschutzwände braucht. An der Außenseite sollen Solarpaneele zur Gewinnung von Sonnenenergie montiert werden. Um das Gebiet zugänglicher zu machen, kann man neue U-Bahn-Stationen schaffen. Zusätzliche Fährverbindungen sollen den Transport auf dem Wasser ermöglichen. Neue Infrastruktur hat nur Sinn, wenn sie perfekt mit der bestehenden verknüpft ist."

Geburtstag

Das Büro geht derzeit nicht nur architektonischer Arbeit nach: Zum elften Geburtstag wird die Website neu designt und die Umgestaltung bietet Anlass, das Schaffen der letzten Jahre zu hinterfragen. Abel erinnert sich: "Begonnen hat es mit einem Anruf von meinem Studienkollegen Paul Linsbauer. Er hat mich gefragt, ob ich mit ihm und seiner damaligen Partnerin Martina Püringer ein Projekt bei einem Wirten in Mayerling realisieren möchte. Wie sich herausstellte, handelte es sich um Heinz Hanner, einem der bekanntesten Köche Österreichs. Bei ihm konnten wir unsere Vorschläge umsetzen, vom Restaurant bis hin zu den 28 Hotelzimmern samt den Schränken. Aus diesem Einstiegsprojekt haben sich viele weitere Aufträge ergeben."

Bisher schien der Schwerpunkt der Arbeit von PLANET auf der Gestaltung von Ausstellungen und Shops zu liegen. Das Tätigkeitsfeld soll sich aber nicht darauf beschränken: Die Planer wollen vielseitig bleiben und internationaler werden. Das Team soll wachsen und an Stärke gewinnen. "Wir machen vieles, vom Produktdesign bis zum Industriebau und jetzt auch Städtebau", sagt Abel. "Unsere Philosophie ist, das große Bild zu betrachten, neue Perspektiven zu suchen und einen Schritt weiter zu denken. Wir wollen uns – und die Auftraggeber – überraschen. Die besten Lösungen entstehen, wenn man im Voraus nicht weiß, was am Ende herauskommt. Uns geht es darum, Erwartungen zu übertreffen."

Architekturbüro Planet

2001 formierten sich pla.net architects (jetzt: PLANET). Allein im vergangenen Jahr realisierten Paul Linsbauer (l.) und Gerhard Abel (r.) vier Ausstellungen: "Landschaft der Entdeckungen" für die Niederösterreichische Landesausstellung in der Tabakfabrik Hainburg, "Dombau zu St. Stephan" im Wien Museum, "7 Fragen auf dem Weg zu einer neuen Dauerausstellung" im Jüdischen Museum und "Badekultur" im Brennpunkt Museum in Wien.

Zusätzlich gewannen sie den Wettbewerb "Close the Gap" in New York. Daneben sind ein Produktionsgebäude für die Firma Wiesbauer, ein privates Apartment und die Einrichtung für das Büro einer Filmagentur entstanden. Aktuell konzipieren sie unter anderem die Ausstellung für die Oberösterreichische Landesschau "Verbündet, Verfeindet, Verschwägert" im Schloss Ranshofen in Braunau.

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