Wohnen
26.07.2017

An die Wand gespielt

Kabellose Boxen, die aussehen wie Akustikpanels: Marie Kristine Schmidt von Bang & Olufsen verrät, warum die Menschen in ihrem Zuhause immer weniger Musik hören und wie das neue "BeoSound Shape"-Lautsprechersystem Wohnzimmer wieder erklingen lässt.

Bang & Olufsen ist bekannt für perfekten Sound und eine starke Ästhetik. Was kommt zuerst? Design oder Technik?

Weder noch. Zuerst kommt der Kunde. Zu Beginn jedes Projekts steht die Frage nach den Bedürfnissen der Nutzer und danach, wie sie Musik erleben. Dann erstellen wir ein Konzept und überlegen, wie wir das Musikerlebnis umsetzen können. Schließlich fügen wir die einzelnen Puzzlesteine, Technik und Design, zusammen. Im Verhältnis zu anderen Firmen in der Branche kann man uns aber durchaus als designorientiertes Unternehmen bezeichnen. Das Thema liegt uns sehr am Herzen.

Wie lautet Ihre Designphilosophie?

Es geht darum, was die Technologie in Bezug auf das Musikerlebnis leisten kann. Dafür versuchen wir zu verstehen, wie Menschen mit Musik leben, wie sie Technik zu Hause anwenden und welche Schwierigkeiten es dabei gibt. Wir investieren viel in die Forschung, nehmen am Leben unserer Kunden teil und beobachten, wie sie mit Musik im Alltag umgehen.

Welches Ergebnis dieser Studien hat Sie zuletzt überrascht?

Zum Beispiel, dass zu Hause immer weniger Musik oder Radio gehört wird. Heutzutage muss man das Smartphone holen, Wischen, den Code eingeben, die App finden – und erst dann kann man die Musik starten. Man ist also vom ersten Moment an mit dem Handy beschäftigt und muss mehrere Schritte erledigen, bis die Musik läuft. Der einfache Zugang – eine Taste drücken – ist verloren gegangen. Das hat uns dazu bewogen, alle unsere Produkte mit einem Knopf auszustatten. Man muss ihn nur berühren und schon beginnt es zu spielen.

Das neue BeoSound Shape-System ist davon ausgenommen?

Ja, da es sich um ein Lautsprecher-System handelt, das an die Wand gehängt wird. Man kann es an den persönlichen Einrichtungsstil anpassen und eigene Designs entwerfen. Farben können verschieden kombiniert werden und dank der Wabenform sind unterschiedliche Muster gestaltbar.

Steckt auch neue Technik drin?

Ja, sowohl von der Akustik als auch von der Technik. Wir haben etwa einen neuen Algorithmus entwickelt, der den Klang im Raum verteilet. Das "BeoSound Shape" ist derzeit ausschließlich für die Montage an der Wand konzipiert – für zu Hause, im Büro, in der Hotellobby oder im Restaurant. Doch im Design erlaubt das System viele Anwendungen – das ist noch Zukunftsmusik, aber der Grundstein ist gelegt.

Welche Eigenschaften zeichnen die Oberflächen aus?

Die hexagonale, dreidimensionale Form reflektiert das Licht auf verschiedene Weisen. Es gibt drei Seiten, auf die das Licht unterschiedlich auftrifft und wieder zurückgeworfen wird. Gleichzeitig eröffnet uns die Dreidimensionalität den Platz, den wir innen brauchen, um die ganze Technik – sprich: Lautsprecher, Verstärker, akustischer Dämpfer und Konnektivitäts-Modul für eine drahtlose Übertragung – zu integrieren.

Wie hängen die Module zusammen und wie viele werden benötigt?

Die Fliesen müssen miteinander verbunden sein, sie können nicht einzeln montiert werden. Es gibt nur einen Stromanschluss, aber versteckt man den unter einer Wabe, ist kein einziges Kabel sichtbar. Der Bedarf hängt von der Raumgröße ab, ein Set beinhaltet sechs Stück. Darunter geht nichts, nach oben kann auf maximal 44 Lautsprecher erweitert werden.

Wie sieht gutes Design für Bang & Olufsen aus?

Wenn die Form der Funktion folgt. Die Lautsprecher hätten am Ende nicht anders aussehen können, sonst wäre es keine perfekte Synthese zwischen Design und Technik gewesen. Das ist es, wonach wir streben.

Zur Person

Bang & Olufsen ist eines der größten Unternehmen Dänemarks und bekannt für die Kombination von Design und Technik. 1925 von Peter Bang und Svend Olufsen gegründet, verfolgt der Hersteller seit Anbeginn eine starke Designphilosophie. Marie Kristine Schmidt, Leiterin Brand, Design und Marketing bei Bang & Olufsen, setzt diese lange Tradition seit dem Jahr 2012 fort.www.bang-olufsen.com