Wissen und Gesundheit
31.03.2017

Zwölfjährige starb an zu hohem Deokonsum

Die Treibgase sollen zu einer Herzrhythmusstörung geführt haben. Diskussion um eine missbräuchliche Verwendung als Suchtmittel.

In Großbritannien ist ein zwölfjähriges Mädchen an den Dämpfen ihres Sprüh-Deodorants gestorben. Das berichtet jetzt die britische Zeitung The Telegraph. Der Tod des Mädchens hat sich bereits im Juli des Vorjahres ereignet.

Offenbar kamen dabei zwei prekäre Umstände zusammen: Das Mädchen hielt sich im kleinen Urlaubs-Wohnwagen der Elternin der Nähe von Blackpool, Lancashire, auf. Und sie soll einen sehr intensiven Deoverbrauch gehabt haben.

Jetzt wird befürchtet, dass sie an einer Überdosis der Dämpfe des Sprüherosols gestorben ist. Diese enthalten als Treibmittel flüchtige Substanzen wie Butan und Isobutan.

In der Zeitung wird ein Pathologe zitiert, der als Todesursache "die Inhalation flüchtiger Substanzen" angibt. Bei der Obduktion seien auch Butan und Isobutan im Gehirn nachgewiesen wrden.

"Wollte nicht schlecht riechen"

"Sie konnten viele Stunden in ihrem Zimmer verbringen und sprühte und sprühte, weil sie nicht schlecht riechen wollte", sagte ihre Mutter. Es habe aber kein Anzeichen einer missbräuchlichen Verwendung im Sinne eines Drogenkonsums - eines bewussten Schnüffelns von Lösungsmitteln und Dämpfen über die Nase (sniffing) - gegeben. "Es gab niemals einen Zeitpunkt, zu dem wir uns gedacht hätten, dass es ein Problem gibt. Es gab keinerlei Anzeichen."

Das Mädchen sei sehr intelligent und lebensfroh gewesen.

Bei der Österreichischen Vergiftungsinformationszentrale ist kein derartiger Fall aus Österreich bekannt. "Bei einer üblichen Anwendung von Deos gibt es keine realistische Gefahr."

Gefährliches Schnüffeln

Der Trip aus Spraydosen führt beim Konsumenten unter anderem zu einem entspannenden Wärmegefühl, einer Erhöhung des sexuellen Empfindens sowie zu einer Steigerung des Berührungs- und Geschmacksempfindens. Ein extremer Blutdruckabfall kann nur eine der gesundheitlichen Folgen sein - als Folge der Entspannung der Muskulatur und Erweiterung der Gefäße.

Experten sprechen auch vom "Sudden Sniffing Dead Syndrome" (SSDS). Durch extrem starken Adrenalin-Anstieg als Foge des Inhalierens kann es zu Reizleitungsstörungen im Herzen und Herzrhythmusstörungen kommen. Der Herzstillstand kann die tödliche Folge sein.

Was die Hersteller sagen

"Bei bestimmungsgemäßger Verwendung sind Deo-Sprays vollkommen sicher. Das gilt sowohl für die Inhaltsstoffe als auch die eingesetzten Treibgase", sagt Christian Gründling vom Fachverband der Chemischen Industrie Österreichs (FCIO) zum KURIER.

Als kosmetische Mittel müssten diese Produkte hohe Sicherheitsanforderungen erfüllen. "Aber Eltern müssen bei Jugendlichen auf übermäßigen Deokonsum achten - und man merkt, wenn es dabei nicht mehr um das Deo an sich geht."

Die Verwendung eines Deos in der Früh und am Abend sei "völlig unbedenklich". Aber wenn ein Jugendlicher zum Beispiel innerhalb einer Stunde mehrmals nachsprühe, sollten Eltern hellhörig werden.

Generell sei das in Österreich kein großes Problem, im Gegensatz zu England: "Dort ist der missbräuchliche Einsatz von Deos stärker verbreitet."

Als Treibmittel kommen heute überwiegend Propan und/oder eben Butan zum Einsatz, sagt Gründling. "Sie erzeugen den gewünschten Effekt von Sprays: Sie stellen den Druck in der Dose her, so dass nach Betätigung des Ventils as eigentliche Produkt austritt. Und sie sorgen für den feinen Sprühnebel - etwa bei Deo-Sprays. Sie sind wirksam, sicher im Gebrauch und umweltverträglich. Für sie gibt es keine Alternativen."