Die Zentralmatura in Deutsch dauerte 300 Minuten

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Schule
05/09/2016

Zentralmatura: Das waren die Themen im Fach Deutsch

Knapp 45.000 Schüler schrieben heute die Deutsch-Matura. Die Aufgaben des Bifie im Original.

Tag 1 der Zentralmatura - die Schüler durften am Montag zur Deutsch-Matura antreten. Die "Schriftliche" im Fach Deutsch (eigentlich: Unterrichtssprache) ist als einzige für alle Schüler gleich - egal ob sie eine AHS oder BHS besuchen. Die Prüfungskandidaten können dabei eines aus drei „Aufgabenpaketen“ auswählen, die jeweils unter einer thematischen Klammer stehen. Die Deutsch-Matura dauert 300 Minuten, die Bewertung erfolgt nicht über ein Punktesystem. So sahen die Aufgaben des bifie aus - hier der Link zum Bifie.

Das waren die drei möglichen Themen und ihre Textsorten:

  • Thema Stadtleben: Interpretation und Zusammenfassung der Gedichte "Die Stadt" von Georg Heym und "Städter" von Alfred Wolfenstein (siehe unten).
  • Thema Tourismus: Analyse und Kommentar.
  • Thema "Bewusst leben": Subsistenzwirtschaft und Gesundheit. Meinungsrede und Leserbrief. Zu einem Text über neue Zugänge im Gesundheitsbereich aus der „Furche“ mussten die Schüler eine Meinungsrede schreiben, zu einem "Furche"-Text über zwei Selbstversorger im Burgenland einen Leserbrief.

Jedes der drei „Aufgabenpakete“ besteht aus zwei voneinander unabhängigen Aufgabenstellungen. Die Maturanten müssen zwei Texte verfassen, wobei jeder Text gleich gewichtet wird. Wörterbücher dürfen verwendet werden, nicht aber Lexika.

Eines der drei Pakete muss dabei eine literarische Aufgabe enthalten. Die Pakete können dabei nur im Ganzen gewählt und nicht einzelne Aufgaben aus unterschiedlichen Paketen kombiniert werden.

Die Aufgabenstellungen enthalten immer einen oder mehrere Ausgangstexte als Grundlage - das können auch nichtlineare Texte wie Statistiken oder Schaubilder sein. Spezifische Werkkenntnis („Literaturkanon“) wird nicht vorausgesetzt. Die Inputtexte dürfen pro Themenklammer dabei eine Anzahl von 2.000 Wörtern nicht überschreiten.

Die Schüler müssen Texte aus einem vorgebenen „Textsortenkanon“ (Empfehlung, Erörterung, Kommentar, Leserbrief, Meinungsrede, offener Brief, Textanalyse, Textinterpretation, Zusammenfassung) verfassen. Vorgegeben wird auch ein Richtwert für die Wortanzahl: Diese beträgt etwa 900 Wörter (plus/minus zehn Prozent) - entweder werden zwei gleich lange Texte von je 450 Wörtern oder ein langer (600) und ein kurzer (300) verlangt (jeweils plus/minus zehn Prozent).

So wird korrigiert

Die Lehrer beurteilen die Arbeiten nicht anhand eines Punktesystems, sondern anhand vier sogenannter „Dimensionen“ (Aufgabenerfüllung aus inhaltlicher Sicht, Aufgabenerfüllung aus textstruktureller Sicht, Aufgabenerfüllung in Bezug auf Stil und Ausdruck, Aufgabenerfüllung hinsichtlich normativer Sprachrichtigkeit), die wiederum in fünf den Noten entsprechende Niveaustufen unterteilt sind.

Zunächst wird der „Erfüllungsgrad“ für jedes Kriterium bewertet, anschließend müssen die Kriterien zu drei unterschiedlichen, gleichwertigen „Kompetenzbereichen“ zusammengeführt und diese einzeln bewertet werden (Inhalt und Textstruktur des ersten Textes gemeinsam betrachtet, Inhalt und Textstruktur des zweiten Textes gemeinsam betrachtet, Stil und Ausdruck sowie normative Sprachrichtigkeit beider Texte gemeinsam betrachtet).

Gleiches wie für die Deutsch-Matura gilt für die Volksgruppensprachen Kroatisch, Slowenisch und Ungarisch als Unterrichtssprache in einigen Bundesländern.

Georg Heym

Sehr weit ist diese Nacht. Und Wolkenschein
Zerreißet vor des Mondes Untergang.
Und tausend Fenster stehn die Nacht entlang
Und blinzeln mit den Lidern, rot und klein.

Wie Aderwerk gehn Straßen durch die Stadt,
Unzählig Menschen schwemmen aus und ein.
Und ewig stumpfer Ton von stumpfem Sein
Eintönig kommt heraus in Stille matt.

Gebären, Tod, gewirktes Einerlei,
Lallen der Wehen, langer Sterbeschrei,
Im blinden Wechsel geht es dumpf vorbei.

Und Schein und Feuer, Fackeln rot und Brand,
Die drohn im Weiten mit gezückter Hand Und scheinen hoch von dunkler Wolkenwand.

Alfred Wolfenstein

Dicht wie die Löcher eines Siebes stehn
Fenster beieinander, drängend fassen
Häuser sich so dicht an, daß die Straßen
Grau geschwollen wie Gewürgte stehn.

Ineinander dicht hineingehakt
Sitzen in den Trams1 die zwei Fassaden
Leute, ihre nahen Blicke baden
Ineinander, ohne Scheu befragt.

Unsre Wände sind so dünn wie Haut,
Daß ein jeder teilnimmt, wenn ich weine.
Unser Flüstern, Denken ... wird Gegröle ...

- Und wie still in dick verschlossner Höhle
Ganz unangerührt und ungeschaut14Steht ein jeder fern und fühlt: alleine

Zentralmatura: Die Deutsch-Aufgaben im Original

Ein Gesamtüberblick:

Thema 1:

Aufgabe 2:

Thema 2:

Aufgabe 2

Thema 3:

Aufgabe 2

Stehn oder sehn? Das ist hier die Frage

Rund um Aufgabe 1 und Textbeilage 1 der heurigen Deutsch-Matura scheint es ein Missverständnis gegeben zu haben. Es mehrten sich dazu die Anfragen beim BIFIE.

Konkret handelt es sich um das Gedicht „Städter“ des expressionistischen Schriftstellers und Übersetzers Alfred Wolfenstein (1883 – 1945) und dessen 4. Satz in der 1. Strophe: „Grau geschwollen wie Gewürgtesehn“. Das ist in der Angabe des BIFIE richtig, denn der Text steht so im repräsentativen Standardwerk „Rowohlts Klassiker in der Literatur und Wissenschaft"/"Menschheitsdämmerung. Ein Dokument des Expressionismus“ von Kurt Pinthus. Und ebenso in den Ausgaben der Wolfenstein-Gedichte aus den Jahren 1914 und 1920.

Die Version mit "stehn" und der feine Unterschied

Deutsch-Lehrer wiesen den KURIER aber auch darauf hin, dass es von diesem Gedicht in diversen Online- und Text-Literaturdatenbanken, aber auch in einigen Studienarbeiten zum Thema eine Version gibt, in der der 4. Satz der ersten Strophe so klingt: „Grau geschwollen wie Gewürgte stehn“. Bei Schülern und Lehrern, die bei der Matura-Vorbereitung mit dieser Version gearbeitet hatten, gab es Verunsicherung.

Denn bei der Text/Gedicht-Interpretation, speziell expressionistischer Literatur, würde jedes Wort zählen und so die Bedeutung des Interpretierten verändert, wie Insider meinen. Bei dem Text zum Thema „Stadtleben“ gehe es vor allem um das Thema Verhältnis "Mensch - Stadt" und im weitesten Sinne auch um das Thema „Anonymität“ in Städten. Die Begriffsänderung würde das Leitmotiv des Gedichts jedoch verändern.

Zum Trost: Allzu viele Maturanten dürften sich sowieso für ein anderes Thema entschieden haben.

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