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KURIER Gesundheits-Coach
03/22/2016

Frontzahnlücke: Implantat ist erste Wahl

Ein festsitzender Zahnersatz ist die beste Lösung für fehlende Schneidezähne.

Oralchirurg (deutsche Berufsbezeichnung) Dr. Hajo Peters ist Zahnarzt mit zusätzlicher vierjähriger universitärer Fachzahnarzt-Ausbildung und arbeitet in der Spezialistenpraxis "mundgerecht".

Sind Zahnlücken im Frontzahnbereich ein häufiger werdendes Problem?

Ja. Mehr Sportunfälle – etwa beim Skateboarden oder Rollerbladen – oder neue Fortbewegungsarten wie z. B. mit motorbetriebenen Rollern sind zwei Gründe für ein vermehrtes Auftreten von Zahnlücken im Frontbereich. Dazu kommen Zahnfleischschwund als Folge von Infektionskrankheiten oder Tabakkonsum sowie nicht behandelte Zahnfehlstellungen. Zusätzlich führen steigende ästhetische Ansprüche dazu, dass mehr Betroffene den Weg in die Ordination finden.

Welche ist die Therapie der ersten Wahl?

Nach Möglichkeit ein festsitzender Zahnersatz, also ein Implantat. Für eine Brücke müssten die angrenzenden Zähne beschliffen werden – und das will man gerade bei den Frontzähnen vermeiden. Ein Implantat ist ein biologischer Zahnersatz, da es im gesunden Knochen verankert ist und durch die Kaubelastung der Kieferknochen aktiviert und nicht abgebaut wird. Es ist also eine Art Knochentraining. Und wo Knochen ist, dort ist auch Zahnfleisch. Ein Implantat ersetzt also nicht nur einen Zahn, sondern erhält auch den eigenen Knochen.

Viele Patienten haben die Sorge, ob das Implantat auch halten wird.

Im Gegensatz zu vor 30 Jahren ist das heute nicht mehr das Thema: Die Implantate aus Titan oder keramischen Werkstoffen verwachsen problemlos mit dem Knochen. Die Frage heute ist: Kann ich ein ausreichend starkes Fundament für das Implantat sicherstellen, ist also genug Knochen vorhanden? Wenn es durch einen Unfall oder eine Krankheit einen Knochen- und Zahnfleischverlust gegeben hat, müssen diese Verluste regeneriert werden – Knochen und Zahnfleisch müssen aufgebaut werden. Wir sprechen von der "regenerativen Chirurgie". Sie ermöglicht es, auch dort, wo bereits Knochen- und Zahnfleischverluste eingetreten sind, Implantate zu setzen.

Wie erfolgt dieser Aufbau?

Beim Kieferknochen in den meisten Fällen mit anorganischen tierischen Ersatzmaterialien. Es können aber auch Knochenspäne aus dem Mundbereich entnommen werden, z. B. im Zuge der Entfernung von Weisheitszähnen. Die Entscheidung hängt von der Größe des Defekts und vom Patientenwunsch ab. Ähnlich beim Zahnfleisch: Fremdmaterial – Kollagene – kann ebenso eingesetzt werden wie eigenes Gewebe vom Gaumen.

Wie lange dauert es, bis man in so einem Fall ein Implantat setzen kann?

Bis zu einem halben Jahr, das geht nicht von heute auf morgen. Wir müssen Wundheilungs- und Regenerationszeiten abwarten. Für diese Periode bekommt der Patient ein Provisorium, z. B. eine Kunststoffschiene oder eine Klebebrücke.

Info

Dr. Hajo Peters am Tel. (01/526 57 60): Mi., 23. 3., 16 bis 17 Uhr. eMail: gesundheitscoach@kurier.at