Wissen und Gesundheit
16.01.2018

Was tun bei Entzündungsherden und lockeren Implantaten?

Zahnherde, Entzündungen des Zahnhalteapparates und der Kieferhöhle: Ein Experte gibt Antworten auf die wichtigsten Fragen.

Univ.-Prof. Dr. Hubert Porteder ist Facharzt für Kiefer- und Gesichtschirurgie in Wien-Alsergrund.

Mein Zahnarzt hat mir nach einer Kontrolle und einem Panoramaröntgen erklärt, dass ich "beherdete Zähne" habe. Ist eine Behandlung notwendig, obwohl ich keine Schmerzen habe?

Ein Zahnherd ist eine Entzündung, die, wenn sie nicht beachtet wird, akut werden und eine Schwellung und Schmerzen verursachen kann. Ein solcher Entzündungsherd kann mit der Zeit größer werden und zur Zahnlockerung und schließlich sogar zum Zahnverlust führen. Zahnherde können auch streuen und somit den gesamten Körper belasten. Regelmäßige Kontrollen sind daher, auch wenn man keine Schmerzen hat, zu empfehlen. Treten Schmerzen auf, müsste man die Wurzelspitzen, so weit sie in den Entzündungsherd hineinragen, abtragen (Wurzelspitzenresektion), um den Herd komplett entfernen zu können.

Ich habe mit dem Rauchen aufgehört, da ich schwanger werden möchte. Eine noch bestehende Entzündung des Zahnhalteapparates möchte mein Zahnarzt vorher sanieren. Ist das notwendig?

Es ist richtig, dass Zahn-Kiefersanierungen vor einer geplanten Schwangerschaft vorgenommen werden sollten. Entzündliche Veränderungen im Zahn-Kieferbereich sind, besonders, wenn sie während einer Schwangerschaft akut werden, besonders unangenehm und belasten die Immunität der werdenden Mutter. Auch gibt es Hinweise dafür, dass durch derartige Entzündungen Frühgeburten ausgelöst werden können.

Wegen einer ausgedehnten Kieferhöhlenentzündung wurde ich von meinem Zahnarzt zum Kieferchirurgen zur Operation überwiesen. Ist eine medikamentöse Behandlung möglich?

Die Überweisung zum Kieferchirurgen erfolgt dann, wenn es sich um eine dentogene (vom Zahnsystem ausgehende) Sinusitis, also eine z. B. durch beherdete Zähne ausgelöste Kieferhöhlenentzündung handelt. Auch eine Zyste (flüssigkeitsgefüllter Hohlraum) oder eine Mund-Kieferhöhlenfistel (eine im gesunden Organismus nicht vorhandene offene Verbindung zwischen Mund- und Kieferhöhle) können die Ursache für eine Kieferhöhlenentzündung sein – Bakterien aus dem Mund können in die Kieferhöhle gelangen. Das muss operativ behandelt werden, Medikamente helfen hier nicht.

Seit einigen Monaten bemerke ich eine zunehmende Geschmacksveränderung und Mundgeruch. Ich habe drei Implantate, die seit einem Jahr locker sind. Muss ich sie entfernen, gibt es Alternativen?

Lockere Implantate müssen entfernt werden, da sie nicht stabilisiert werden können. Aufgrund der ausgeprägten Entzündung um die Implantate – Geschmacksveränderung und Mundgeruch gehören zu den Symptomen – kann auch durch Einbringen von Knochenersatzmaterial keine Festigung (Einheilung) der Implantate erreicht werden. Erst nach Implantatentfernung und vollständigem Abklingen der Entzündung kann mittels Knochenaufbau eventuell neuerlich implantiert werden.

Dr. Porteder am Telefon (01/526 57 60): Donnerstag, 18. 1., 13 bis 14 Uhr.

eMail: gesundheitscoach@kurier.at

www.porteder.at