© Getty Images/iStockphoto/ratpack223/iStockphoto

Faktencheck
12/31/2021

Wie viel Wissenschaft im Film "Don't look up" steckt

Von Cineasten gelobt, reizt der starbesetzte neue Netflix-Hit Astronomen zum (Aus-)Lachen.

von Susanne Mauthner-Weber

Klar! Satire darf alles: Die aufgeregte Medien-Blase aufs Korn nehmen. Politiker durch den Kakao ziehen. Und wissenschaftliche Erkenntnisse negieren. All das tut der neue, starbesetzte Netflix-Hit Don’t look up (der KURIER berichtete, siehe unten).

Für alle, die den Film noch nicht gesehen haben: Nachwuchsastronomin entdeckt Himmelsobjekt auf Kollisionskurs, ihr Doktorvater berechnet, dass dieser Komet in einem halben Jahr praktisch alles Leben zerstören wird. Die beiden Forscher pilgern ins Weiße Haus, um die US-Präsidentin zu informieren. Man beschließt, den Kometen mit Atombomben abzulenken, bläst die Mission aber ab, weil man die seltenen Rohstoffe des Kometen abbauen will. Stattdessen soll der Brocken in kleine Stücke gebombt werden, die man auf der Erde leicht und kommerziell aufsammeln könnte. So weit, so Drehbuch.

Nachdem sich der Film als Satire über die derzeit grassierende Wissenschaftsleugnung versteht, sei der Versuch gestattet, Don’t look up einem – natürlich bierernsten – Faktencheck zu unterziehen: Dass ein Komet direkt auf die Erde zustürzt, sei hochgradig unwahrscheinlich, weiß Impaktforscher und Filmliebhaber Christian Köberl: „Das passiert vielleicht alle 500 Millionen Jahre einmal.“ Zum Vergleich: Die zaghafte Entwicklung des Menschen begann vor sechs Millionen Jahren.

Teamarbeit

Nachdem wir jetzt das Fürchten einstellen können, verkündet Köberl: „Wissenschaft funktioniert so nicht: Derartige Entdeckungen werden nicht von ein oder zwei Personen alleine gemacht. Da stecken große internationale Netzwerke dahinter, die diese Teleskope betreiben und die Daten auswerten.“ Ehe irgendetwas veröffentlicht wird, müssen unabhängige Wissenschafter die Entdeckung bestätigen. „Das Letzte, was ich als Impaktforscher machen würde, wäre in der Bundespräsidentschaftskanzlei anzurufen, um mitzuteilen, dass ich einen Kometen entdeckt habe.“

Apropos Kometen: Normalerweise sind nicht sie es, die auf der Erde einschlagen. „99 Prozent der Impakte werden von Asteroiden verursacht. Wir kennen bereits viele, die für die Erde eine Gefahr sein könnten.“

Apophis zum Beispiel. Von ihm wisse man, dass er der Erde alle paar Jahre relativ nahe kommt – 2029 etwa. Da greife dann die sogenannte Planetary Defense: „Wir hätten also sieben Jahre Zeit, dem Asteroiden mit einem Raumschiff einen kleinen Schubs zu geben und seine Bahn weg von der Erde zu verändern.“

Nur bei der Geschichte über den Rohstoffabbau entschlüpft Köberl ein fast bierernstes „Blödsinn! Kometen sind aus Eis und Staub. Wo soll es da etwas Wertvolles geben“. Satire eben! Böse Zungen würden Wissenschaftleugnung sagen.

eine Newsletter Anmeldung Platzhalter.

Wir würden hier gerne eine Newsletter Anmeldung zeigen. Leider haben Sie uns hierfür keine Zustimmung gegeben. Wenn Sie diesen anzeigen wollen, stimmen sie bitte Piano Software Inc. zu.

Um diesen Artikel lesen zu können, würden wir Ihnen gerne die Anmeldung für unser Plus Abo zeigen. Leider haben Sie uns hierfür keine Zustimmung gegeben. Wenn Sie diese anzeigen wollen, stimmen sie bitte Piano Software Inc. zu.

Jederzeit und überall top-informiert

Uneingeschränkten Zugang zu allen digitalen Inhalten von KURIER sichern: Plus Inhalte, ePaper, Online-Magazine und mehr. Jetzt KURIER Digital-Abo testen.