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Wissen Wissenschaft
04/24/2021

Atomkraft gegen Klimawandel? "Einzig Nachhaltig sind die Risiken"

Ein großer Teil der Treibhausgase stammt aus der Energieproduktion. Wäre Atomstrom nicht eine Alternative? Nein, sagen Gegner.

von Bernhard Gaul

Warum nicht auf Atomkraft im Kampf gegen den Klimawandel setzen? Ein Drittel der Treibhausgas-Emissionen weltweit kommt aus der Stromproduktion, vor allem aus Kohlekraft. Nuklearreaktoren stoßen hingegen keine Treibhausgase wie CO2 aus.

Die Gegner widersprechen vehement: Atomkraft ist über den Lebenszyklus gesehen natürlich nicht CO2-neutral, wenn man den Uranerz-Abbau, den Transport, die Stahl- und Zementproduktion für den Bau eines Kernkraftwerks und den immens aufwändigen Abbau eines Reaktors einberechnet.

„Das einzig Nachhaltige an der Atomkraft sind die Probleme und Risiken“, sagt Günter Pauritsch, Leiter des Centers für Energiewirtschaft und Infrastruktur der Österreichischen Energieagentur. Es sei nicht wahr, dass die aus Kernenergie erzeugte Kilowattstunde Strom günstig sei. „Es gibt kein einziges Atomkraftwerk, das nach marktwirtschaftlichen Kriterien errichtet wurde. Es stehen meistens staatliche Interessen dahinter, unabhängig von Energie-Importen wie Gas oder Öl zu sein, weshalb Atomkraftwerke sowohl direkte als auch indirekte Förderungen erhalten. Es gibt aber durchaus auch Verbindungen zu staatlichen Kernwaffenprogrammen.“

Es ist wohl kein Zufall, dass Großbritannien, das mit Hinkley Point C eines der umstrittensten neuen AKW in Europa unter enormen staatlichen Förderungen baut, nun angekündigt hat, sein Atomwaffenarsenal zu erneuern. Hinkley Point C soll frühestens 2026 ans Netz gehen, die Baukosten haben sich in den vergangenen Jahren auf mehr als 26 Milliarden Euro vervierfacht.

Österreichs damalige Umweltministerin Elisabeth Köstinger hatte zusammen mit anderen Staaten versucht, das Projekt rechtlich zu verhindern, auch aus Gründen des fairen Wettbewerbs. „Die Klage wurde leider abgewiesen, weil die Atomkraft als gemeinsames Interesse der EU gilt, man hat sich auf die Euratom-Verträge berufen“, erklärt Adam Pawloff von Greenpeace Österreich.

Weltweite Reaktoren
Laut Atombehörde sind derzeit 444 Reaktoren in Betrieb, die neuesten Reaktoren gingen im Jänner in Indien und im März in Pakistan ans Netz.  54 Reaktoren werden derzeit gebaut.

Europa
Derzeit sind 73 KKW in 17 Ländern mit 183 Reaktorblöcken am Netz und 14 Reaktoren in acht Ländern in Bau.

Anteil an Stromproduktion
Der Anteil der Kernkraft am weltweiten Strommix liegt bei rund elf Prozent, am größten ist er der Anteil in Frankreich (71%).  Groß ist der Nuklear-Anteil am Strommix rund um Österreich: Slowakei 54%, Ungarn 49%, Slowenien 37%, Tschechien 35%,  Schweiz 24% und Deutschland 12%.

Thomas Waitz, EU-Mandatar der Grünen, sieht auch aktuelle Gefahren für Österreich: So sei jetzt wissenschaftlich gesichert, dass das ungarische Atomkraftwerk Paks auf einer aktiven Bruchlinie in der tektonischen Platte steht und bei einem schweren Erdbeben mit dem schlimmsten gerechnet werden muss: „Ein weiterer Ausbau muss sofort gestoppt werden. Die EU-Kommission darf sich von Premier Orban nicht blenden lassen und muss unverzüglich handeln.“

Kein Betreiber von Atomkraftwerken haftet für alle möglichen Schäden, sagt Energieexperte Pauritsch. Nach der Kernschmelze in Fukushima im Jahr 2011 mussten mehr als 100.000 Einwohner das Gebiet vorübergehend oder dauerhaft verlassen, der Schaden wird auf mehr als 200 Milliarden Euro geschätzt. „Dafür muss der japanische Steuerzahler aufkommen, da es die finanziellen Möglichkeiten des Betreibers bei weitem übersteigen würde“ sagt Pauritsch.

Zudem gebe es bis heute weltweit kein Endlager für die tausenden Tonnen radioaktiven Abfalls. Denn das müsste garantieren, dass die Atommüll-Fässer auch nach hunderttausend Jahren unversehrt sind und weder Wasser noch Luft belasten.

Rechnet man das alles mit ein, sagt Umweltschützer Pawloff, sei klar: „Atomenergie ist unbezahlbar.“

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