Coronavirus: Wie infektiös sind Oberflächen?

Coronavirus: Wie infektiös sind Oberflächen?
Eine Studie aus Heinsberg geht der Frage nach, wo im Haushalt die neuartigen Coronaviren zu finden sind.

In China, Italien oder auch Frankreich wurden medienwirksam Straßen und U-Bahnen desinfiziert. Doch wie sehr wird das Corona-Virus via Oberflächen übertragen? Und wie sieht es in den Haushalten von Infizierten aus? Dieser Frage ging ein Team und die Bonner Forscher Ricarda Maria Schmithausen und Hendrik Streeck nach. Sie wollten insbesondere wissen, an welchen Stellen im Haushalt sich die Coronaviren finden.

Tröpfcheninfektion

Zur Erinnerung: Derzeit geht man  davon aus, dass Coronaviren vor allem per Tröpfcheninfektion und über Aerosole übertragen wird. Kontaminierte Oberflächen spielen nach aktuellem Wissensstand keine oder nur eine kleine Rolle. Konkret: „Bislang konnte noch keine Sars-CoV-2-Übertragung über Lebensmittel, Trinkwasser oder Oberflächen nachgewiesen werden“, heißt es aus Bonn. Auch wenn das  Virus Stunden auf Oberflächen oder in der Luft überdauern könne.

Für ihre Untersuchung  nahmen die Forscher in der Gemeinde Gangelt im Kreis Heinsberg (Nordrhein-Westfalen) Proben aus 21 Haushalten, die unter Quarantäne standen, weil mindestens ein Bewohner infiziert war.

Dusche, Fernbedienung, Raumluft

Sie untersuchten per PCR-Test Abwasser aus Waschbecken- und Duschabflüssen sowie Toiletten, verschiedene Oberflächen, über die eine Verbreitung möglich wäre, etwa Türgriffe, Fernbedienungen und Möbel sowie die Raumluft.

Ergebnis: Am häufigsten fanden sich Corona-Viren im Abwasser von Waschbecken und Duschen (knapp 20 Prozent) und Duschen (10 Prozent der Proben mit Viruserbgut). Weitaus seltener, nämlich nur bei rund drei Prozent, waren Viren auf  Oberflächen zu finden. Überhaupt keine Viren wurden in der Raumluft gefunden.

Nicht infektiös

Die Forscher versuchten zusätzlich, aus den Proben Viren heranzuzüchten. Denn nur wenn das möglich ist, sind die gefundenen Viren wahrscheinlich auch infektiös. Das gelang in keinem Fall, was  aber nicht unbedingt heißt, dass  auf diese Weise die Krankheit nicht übertragen werden kann –  womöglich  missglückte die Nachzucht infektiöser Viren aus unbekannten Gründen .

Für die Übertragung der Krankheit in der Familie bedeutet das: Das Risiko, sich an Türen oder Fernbedienungen mit Covid 19 anzustecken, ist gering. Eine Ansteckung über Abwasser scheint theoretisch möglich. Die Forscher raten deshalb zu den  empfohlenen Hygienemaßnahmen: sich nach Kontakt mit Abwasser die Hände zu waschen und den Klodeckel zu schließen, wenn man die Toilette spült.

 

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