Coronavirus situation in Bussum

© EPA / KOEN VAN WEEL

Wissen Wissenschaft
10/15/2020

Coronavirus: WHO erwartet für Europa längere Welle

Die Weltgesundheitsorganisation rät zu gezielten, regional und zeitlich limitierten Maßnahmen. Covid-19 ist bereits die fünfthäufigste Todesursache.

Europa erwartet in der Coronakrise nun eine längere Welle ohne große Spitze. Davon geht das Europa-Büro der Weltgesundheitsorganisation WHO aus, wie Regionaldirektor Hans Kluge am Donnerstag bei einem Online-Statement in Kopenhagen erläuterte. Er rief dazu auf, gezielte, regional und zeitlich limitierte Maßnahmen zu setzen, um einen "Kollateralschaden" an Gesundheit und Gesellschaft zu vermeiden. "Die Pandemie wird nicht von allein stoppen, aber wir können es tun", sagte er.

Lokale Lockdowns

Kluge betonte, dass weiterhin lokale "Lockdowns" nötig seien. Diese hätten jedoch nichts mehr mit dem kompletten "Shutdown" von März zu tun, der in vielen europäischen Ländern verhängt wurde, "weil wir überrascht wurden", sagte der WHO-Europadirektor. "Wir sollten alles in unsere Macht Stehende tun, um die Schulen offen zu halten." Außerdem müsste die Gesundheitsversorgung aufrechterhalten bleiben, vor allem was Krebserkrankungen, vorbeugende Impfungen und cardiovaskuläre Krankheiten betreffe. Auch der Bereich psychische Gesundheit wurde von Kluge hervorgehoben.

Fünfthäufigste Todesursache

Covid-19 sei bereits die fünfthäufigste Todesursache in Europa. Es gebe teils exponentielle Steigerungen bei den täglichen Neuinfektionen und Todeszahlen, was "große Sorge" bereite, sagte Kluge. "Das sind mehr denn je Pandemie-Zeiten für Europa", sagte er. Dies bedeute jedoch "nicht zwingend dunkle Zeiten".

Derzeit gebe es fünf Mal weniger Tote als im Frühjahr. Das Virus habe sich aber nicht verändert oder sei weniger gefährlich geworden. Kluge führte die Situation darauf zurück, dass es nun eine höhere Testrate unter jungen Menschen und höhere Übertragungsraten unter weniger vulnerablen Gruppen gibt.

Die beginnende "Winter-Welle" steht laut Kluge in Zusammenhang mit mehr Sozialkontakten in Innenräumen. Es gebe "nicht so optimistische Modellrechnungen", erläuterte er. Aber berücksichtigte einfache Maßnahmen wie generelles Maskentragen und strikte Kontrollen zur Verhinderung von Menschenansammlungen würden schon starke Verbesserungen in den Berechnungen zeigen. "Diese Maßnahmen sollen uns helfen, der Kurve voraus zu sein und sie abzuflachen", appellierte Kluge an die Regierungen und Menschen in Europa.

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