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Wissen Wissenschaft
09/01/2020

Asteroid zog vorüber: Viel los da draußen

2011 ES4 ist der bereits 60. Himmelskörper, der sich heuer der Erde näherte. Impaktforscher Köberl über den Beschuss aus dem All.

von Susanne Mauthner-Weber, Pilar Ortega

Den Geheimdiensten sei Dank: „Erst seit 2019 ist es möglich, all die ,kleinen’ Dinge, die in der Erdatmosphäre explodieren, zu verfolgen“, erzählt Christian Köberl und verweist dabei auf die Homepage  der Nasa, die die Daten von Spionage-Satelliten öffentlich macht und Explosionen, die von oben kommen, protokolliert. „Ist doch eindrucksvoll ... da ist eine Menge los“, kommentiert der Impaktforscher der Universität Wien.
Ob 2011 ES4, der am 1. September der Erde sehr nahe kommt, in der Atmosphäre zerbersten wird?

Mit einem geschätzten Durchmesser von etwa 22 bis 49 Metern hätte der Asteroid eine Einschlagskraft von bis zu einer Tonne TNT-Sprengstoff. Das würde dem Absturz eines 100 Tonnen schweren Flugzeugs entsprechen und könnte schlimme Verwüstungen anrichten.

Überraschungspaket

Würde. Hätte. Könnte. Glücklicherweise: Wenn der Asteroid der Erde am Dienstag um 18 Uhr 12 am nächsten ist, liegen immer noch 132.000 Kilometer zwischen uns und dem Gesteinsbrocken, haben Astronomen errechnet. Und das war gar nicht so einfach: 2011 ES4 (der Name verweist auf das Jahr seiner Entdeckung kombiniert mit einer Zahlen-Ziffern-Kombination) sei zu lichtschwach, um ihn mit bloßem Auge sehen zu können. Asteroiden verraten sich oft nur durch Infrarotstrahlen, die aber von der Erdatmosphäre absorbiert werden. Und das macht sie zu Überraschungspaketen.

Wie auch immer: Hinterher ist klar, dass ähnliche Erdvorbeiflüge kleiner Himmelskörper recht häufig stattfinden – in diesem Jahr seien es bereits um die 60 gewesen, weiß man beim Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt. Und drei davon waren näher an der Erde dran als 2011 ES4, sagt Köberl: „Je ein Objekt Anfang Februar mit 15.000 Kilometern und eines Anfang Mai mit 11.000 Kilometern. Im August flog ein Asteroid sogar in nur knapp 3.000 km Entfernung an uns vorbei.“ Das entspricht etwa der Flugstrecke von Wien nach Bagdad.

Druckwelle

Treffen werde uns 2011 ES4 also nicht, sind sich die Astronomen sicher. Wobei: Ganz sicher könne man nie sein. „Der größte Impakt der vergangenen Jahrzehnte war der in Tscheljabinsk im Jahr 2013“, sagt Köberl. Damals war ein etwa 19 Meter großer Meteor 30 Kilometer über der russischen Stadt in der Atmosphäre zerbrochen. Die Druckwelle führte zu Gebäudeschäden, mehrere Menschen wurden unter anderem durch zerberstende Glasscheiben verletzt.

„So etwas kann auch völlig unangekündigt vorkommen“, sagt Köberl und erzählt von Berechnungen vor der Katastrophe: „Für exakt denselben Tag war der Vorbeiflug eines Kleinplaneten vorhergesagt. Viele meinten dann, die Astronomen hätten sich verrechnet. Falsch! Das andere Ding zog am Nachmittag nach der Explosion des bis dahin völlig unbekannten Objektes wie berechnet an der Erde vorbei.“ Köberls Fazit: „Es kann eben jederzeit etwas aus heiterem Himmel daherkommen.“

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