Müll-Wahnsinn: So viele Kilo Abfall werfen wir täglich weg
Zusammenfassung
- In Österreich fielen 2023 laut Umweltbundesamt 67,2 Millionen Tonnen Abfall an, mit Einrechnung weiterer Abfallarten sogar 20 bis 22 Kilogramm pro Person und Tag.
- Prof. Marion Huber-Humer fordert daher ein Umdenken beim Konsum: Abfallvermeidung, längere Nutzung und Wiederverwendung sollen Vorrang vor Wegwerfen haben.
- Recycling bleibt wichtig, stößt aber an Grenzen – gelöst werden kann das Müllproblem nur durch Politik, Wirtschaft und bewusste Konsument*innen gemeinsam.
Zahlen sprechen Bände: Laut Umweltbundesamt wurden 2023 in Österreich 67.222.225 Tonnen Abfall pro Jahr produziert – das entspricht etwa 1,5 Kilogramm am Tag pro Kopf und Nase. „Das ist aber nur der Siedlungsabfall, der auf Haushaltsebene anfällt“, sagt Prof. Marion Huber-Humer, Leiterin des Instituts für Abfall- und Kreislaufwirtschaft an der BOKU University. Werden Baurestmassen, Bodenaushub, Industrie- oder spezifische Sekundärabfälle mitgerechnet, steigt die Zahl auf 20 bis 22 Kilogramm Abfall pro Person am Tag.
Wir müssen wieder achtsamer konsumieren und Dinge langfristig nutzen.“
Marion Huber-Humer
Verhalten ändern
Der Mensch hat seit jeher Abfall produziert. Allerdings hat sich dieser verändert. Aus organischem Müll wurden sukzessive Problemstoffe. „Ab den 1950er-Jahren kamen etwa synthetische Materialien – Kunststoffe – auf, die oft keinem natürlichen Abbaumechanismus unterliegen“, so Huber-Humer. Damit wir nicht in Müllbergen versinken, folgt die moderne Abfallwirtschaft in Österreich der EU-Abfallhierachie (siehe Grafik). Oberste Priorität hat dabei die Abfallvermeidung. „Wir müssen wieder achtsamer konsumieren und Dinge langfristig nutzen“, so Marion Huber-Humer. Auf wirtschaftlicher Ebene will die EU das mit der Ökodesign-Verordnung erreichen. Diese sieht vor, Umweltauswirkungen von Produkten über ihren Lebenszyklus zu reduzieren – etwa wird deren Reparierbarkeit sowie Recyclingfähigkeit vorgegeben. „Durch die Globalisierung kommen allerdings Produkte auf den EU-Markt, die diese Vorgaben nicht erfüllen“, so die Wissenschafterin. „Das Problem müsste auf internationaler Ebene angegangen werden, was angesichts der geopolitischen Lage kaum machbar ist.“ Umso wichtiger ist daher das Verhalten der Konsument*innen. „Ein Thema, das die Abfallwirtschaft zunehmend beschäftigt, ist die sogenannte Fast Fashion, deren Umweltauswirkungen immer stärker sichtbar werden“, sagt Huber-Humer. „Da sollte sich jeder fragen, ob er das tausendste T-Shirt wirklich benötigt.“ Pre-Use, die zweite Stufe der EU-Abfallhierachie, ist ebenfalls ein wichtiger Punkt, um Müllberge zu reduzieren. „Damit ist gemeint, Abfälle so aufzubereiten, dass sie hochwertig wiederverwendet werden können“, sagt Huber-Humer und nennt ein Beispiel: „Wenn etwa alte Elektrogeräte beim Altstoffsammelplatz abgegeben und danach repariert werden, sodass sie Second Hand weiterverkauft werden können.“
Den Kreis schließen
Die dritte Stufe der EU-Abfallhierachie sieht Materialrecycling vor. Dafür ist eine funktionierende Mülltrennung nötig. „Bei Kunststoffverpackungsabfällen ist in Österreich noch Luft nach oben,“ sagt die Expertin, „wobei durch die Vereinheitlichung der Sammlung im gelben Sack einiges einfacher für die Bevölkerung geworden ist.“ Mittelfristig ist es nicht möglich, dass natürliche Ressourcen durch Recycling ersetzt werden können. „Leider haben wir entlang der gesamten Wertschöpfungskette Verluste – sei es durch mangelhafte Mülltrennung, Verluste von Materialien durch Abrieb während der Nutzungsphase oder Materialien, die man aufgrund von Verunreinigungen nicht im Kreislauf halten möchte“, erklärt Marion Huber-Humer. „Und es gibt ökologische Grenzen, etwa wenn die Emissionen und der Energieeinsatz für das Recycling deutlich höher wären als für die Gewinnung des Primärrohstoffes.“
Das globale Müllproblem kann nur durch ein Zusammenspiel aller gelöst werden. Marion Huber-Humer: „Die Politik muss durchgreifen, die Wirtschaft muss mitmachen, wir alle müssen unseren Konsum überdenken – beim Ressourcenverbrauch benötigt es ein vernünftiges Miteinander, um unser Raumschiff Erde manövrierfähig zu halten.“
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