Brain Gain: Immer mehr Forscher*innen kommen nach Österreich
Zusammenfassung
- Das Programm APART-USA der Österreichischen Akademie der Wissenschaften holt Spitzenforscher*innen aus den USA nach Österreich.
- Die Wissenschafter*innen kommen von Eliteuniversitäten wie Harvard, Princeton oder dem MIT und vertreten Fächer von Naturwissenschaften bis Geisteswissenschaften.
- Laut ÖAW stärkt das Programm die Forschungsbedingungen in Österreich, erhöht die internationale Sichtbarkeit des Standorts und kehrt den Brain Drain um.
Sie stammen von einigen der renommiertesten Universitäten der Welt – etwa Harvard, Princeton oder dem MIT –, reichen vom Postdoc bis zum*r Professor*in und forschen in einem breiten Spektrum von Disziplinen: von Physik und Chemie über Computerwissenschaften und Life Sciences bis hin zu Kultur- und Geisteswissenschaften. Die Rede ist von Spitzenforscher*innen, die ihre Tätigkeit jetzt und in Zukunft in Österreich und nicht mehr in den USA fortsetzen. Das wurde durch das Stipendienprogramm APART-USA der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW) möglich. „Mit dem ÖAW-Programm APART-USA konnten wir herausragende Talente aus ganz unterschiedlichen Forschungsrichtungen nach Österreich holen. Sie finden hier bessere Rahmenbedingungen für ihre Arbeit vor als in den USA. Das ist ein großer Gewinn für die Wissenschaft und für die internationale Sichtbarkeit unseres Forschungsstandorts. Ein umgekehrter Brain Drain wurde in Gang gesetzt“, sagt Dr. Heinz Faßmann, Präsident der Österreichischen Akademie der Wissenschaften.
"Mit dem ÖAW-Programm APART-USA konnten wir herausragende Talente aus ganz unterschiedlichen Forschungsrichtungen nach Österreich holen."
Dr. Audrey Lin und die Analyse alter DNA
Ihre letzte Forschungsstelle war im American Museum of Natural History in New York. Jetzt forscht Dr. Audrey Lin für die Universität Wien. Ihr Forschungsschwerpunkt liegt auf der Analyse alter DNA. Ihren Doktortitel in Zoologie erwarb sie an der University of Oxford, wo sie bioinformatische Methoden einsetzte, um die Evolution von Genomen zu untersuchen. Dabei erforschte sie deren Auswirkungen auf molekulare Evolutionsraten, demografische Entwicklungen sowie physiologische und funktionelle Veränderungen im Laufe der Zeit.
Neue Perspektiven
„Ich konnte zeigen, dass selbst die kleinsten modernen Hunderassen noch genetische Signaturen aufweisen, die auf wilde Wölfe zurückgehen“, so Lin. Diese Tatsache hat nichts damit zu tun, dass der Hund vom Wolf abstammt. „Viel mehr zeigen uns die Daten, dass Hunde auch nach ihrer Domestizierung immer wieder mit Wölfen gekreuzt worden sind.“ Lins Expertise reicht über die Humangenetik hinaus: Sie hat Forschungsarbeiten zur DNA nicht-menschlicher Organismen durchgeführt, darunter domestizierte Tiere und Kulturpflanzen. An der Uni Wien setzt sie nun ihre Forschung fort, um neue Perspektiven auf frühe Mensch-Tier-Beziehungen und die Evolution historischer Krankheitserreger zu gewinnen.
Dr. Matt Minich und Emotionen bei der Mediennutzung
Bevor Dr. Matt Minich nach Österreich kam, forschte er für die US-amerikanische Lebensmittel- und Arzneimittelbehörde FDA. Als Kommunikationswissenschafter untersuchte er Werbemaßnahmen zur Raucherprävention bei Kindern und Jugendlichen. An der Universität Wien widmet er sich nun weiterhin der Kommunikation im Gesundheitsbereich. Jetzt konzentriert sich seine Arbeit darauf, wie Medien unsere Gedanken und unser Verhalten beeinflussen. Minich: „Ich gehe unter anderem der Frage nach, wie Erwachsene und Jugendliche digitale Medien für ihre Emotionsregulation nutzen. Zum Beispiel, wie digitale Botschaften und Erfahrungen unsere Stimmung verändern oder wie Werbung oder andere beeinflussende Botschaften unsere Emotionen nutzen, um unser Verhalten zu modifizieren.“
Gute Stimmung
Menschen machen generell unterschiedliche und vielfältige Erfahrungen mit Smartphones. Minich: „Digitale Medien sind so komplex und so tief in unser Leben eingebunden, dass wir nicht eindeutig sagen können, ob sie grundsätzlich gut oder schlecht sind. Aber unsere Ergebnisse deuten darauf hin, dass der durchschnittliche Effekt der meisten Smartphone-Nutzungen auf die Stimmung positiv ist.“
Dr. Pius Theiler und die Quantenmechanik
Als Postdoctoral Researcher forschte Dr. Pius Theiler zuletzt am National Laboratory of the Rockies (ehemals: National Renewable Energy Laboratory) in Denver, Colorado, USA. Als Physiker, Ingenieur und Materialwissenschafter bereichert er mit seinem Wissen nun das Institut für Sensor- und Aktuatorsysteme an der TU Wien und bewegt sich dabei an der Schnittstelle zu Mikro- und Quantenwelten.
Chirale Effekte
„Ich erforsche, wie Asymmetrien – bekannt als Chiralität – genutzt werden können, um neuartige Materialien zu entwickeln, mit denen sich Energie und Information auf innovative Weise steuern lassen. Meine Forschung verbindet Quantenphysik, Nanotechnologie und Photonik, um theoretische Grundlagen und neue experimentelle Ansätze für Quantentechnologien bei Raumtemperatur zu schaffen.“ Dabei konnte er zeigen, dass chirale, spinabhängige Effekte auch ohne Stromfluss bestehen bleiben und somit stationäre Quantensignaturen der chiralitätsinduzierten Spinselektivität nachweisbar sind. In seiner Forschung versucht Theiler den zugrunde liegenden quantenmechanischen Mechanismus zu entschlüsseln, um Wege zu finden, etwa pharmazeutische Wirkstoffe effizienter und nachhaltiger herzustellen.
Dr. Emma McDonnell und barrierefreie Technologien
An der University of Washington School of Medicine forschte Dr. Emma McDonnell zuletzt mit Prof. Dr. Wanda Pratt an der Schnittstelle von chronischer Krankheit und Behinderung. Jetzt leitet sie im Rahmen des ÖAW APART-USA
Postdoctoral Fellow an der TU Wien Forschungsprojekte, die den Blick darauf erweitern, wie man Technologien so konstruieren kann, dass sie Menschen mit Behinderungen oder Beeinträchtigungen besser unterstützen können.
Lebenswerter
Im Mittelpunkt ihrer aktuellen Arbeit stehen zwei Forschungsprojekte. Das erste konzentriert sich auf Menschen, die taub oder schwerhörig sind. „Wir versuchen herauszufinden, mit welchen technologischen Mitteln die Kommunikation zwischen Gehörlosen und Hörenden verbessert werden kann“, sagt McDonnell. Im zweiten Projekt geht sie der Frage nach, wie Personen mit chronischen gesundheitlichen Einschränkungen (z. B. Long Covid oder Multiple Sklerose)
besser unterstützt werden können. McDonnell: „Wir versuchen die gemeinsamen Erfahrungen von Personen mit chronischen Krankheiten zu bündeln und die Bedürfnisse in ihrer Barrierefreiheit zu analysieren, um herauszufinden, mit welchen technologischen Mitteln sie ihren Alltag besser bewältigen können.“
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