Wissen und Gesundheit
14.12.2017

Wie sinnvoll ist ein Handyverbot an Schulen?

Heimische Experten sprechen sich gegen die Maßnahme aus.

An französischen Bildungseinrichtungen wird es ab dem kommenden Schuljahr keine Handys mehr geben, kündigte Unterrichtsminister Jean-Michel Blanquer an – auch nicht auf dem Schulhof. Dies geschehe im Sinne der öffentlichen Gesundheit: "Schüler spielen nicht mehr in den Pausen, sie sitzen alle nur noch vor ihren Smartphones. Aus bildungspädagogischer Sicht ist das ein Problem", argumentierte der Minister.

In Österreich gibt es kein gesetzliches Handyverbot an Schulen; die Verwendung von Smartphones wird in der Hausordnung geregelt und ist individuell verschieden. "Ein Handyverbot geht an der Lebensrealität der Kinder vorbei", meint Stefan Schmid, Leiter der Virtuellen Pädagogische Hochschule. Auch Buchegger von der Plattform Saferinternet hält ein generelles Verbot für "sinnlos". "Stattdessen ist es wichtig, dass Kinder in der Schule lernen, wie sie mit dem Smartphone umgehen, damit es nicht ihren ganzen Alltag dominiert."

Besser als ein generelles Verbot sei es, das Thema in der Klasse anzusprechen und sich etwa mit jüngeren Schülern auf handyfreie Pausen zu einigen, meint die Expertin. Anders als angenommen "genießen" diese die handyfreie Zeit regelrecht, berichtet Johannes Achammer, Psychologe und Lehrer an einer NMS in Innsbruck: "Bei uns werden die Smartphones vor dem Unterricht in einen Spind gegeben. Das funktioniert wunderbar."

Das Argument vieler besorgter Eltern, dass sie ihre Kinder im Notfall nicht anrufen können, lässt Achammer nicht gelten. "Jede Schule ist jederzeit erreichbar. Eltern sollen ihren Kindern die handyfreie Zeit gönnen."

Laut einer Studie der Londoner School of Economics wirkt sich ein Verbot positiv auf die Leistungen der Schüler aus: 16-Jährige in Klassen ohne Mobiltelefone hätten im Schnitt um sechs Prozent bessere Leistungen erzielt. Das entspreche etwa dem Effekt einer zusätzlichen Unterrichtswoche pro Schuljahr.