Felipe Massa beim Boxenstopp

© REUTERS/PHIL NOBLE

Medizin
05/11/2016

Wie Formel-1-Boxenstopps Babyleben retten sollen

Die perfekte Choreografie eines Boxenstopps ist Vorbild für Reanimationsprozesse von Neugeborenen.

Boxenstopp-Technik aus der Motorsport-Königsklasse Formel 1 soll helfen, das Leben von Neugeborenen zu retten. Die Geburtsstation des Universitätskrankenhauses von Wales in Cardiff (UHW) hat mit dem britischen Autorennstall Williams eine Kooperation gestartet, die bei der Reanimation von Babys hilfreich sein soll.

Spezialisten auf der Neugeborenen-Station des UHW hatten Ähnlichkeiten zwischen den blitzschnell abgewickelten Service-Stopps bei Formel-1-Rennen sowie ihrer Arbeitsweise im Krankenhaus bemerkt. Deshalb wurde das Traditions-Team aus dem englischen Grove, das bisher sieben Fahrer- sowie neun Konstrukteurs-Titel gewonnen hat und zudem ein Technologie-Center betreibt, um Hilfe gebeten. Vor kurzem erfolgte ein Gegenbesuch in der Williams-Fabrik in Oxfordshire, um sich ein Bild aus erster Hand zu machen.

Die Erkenntnisse waren laut einer Team-Aussendung aufschlussreich und hilfreich: In beiden Szenarios wird ein Team benötigt, das in einer zeitkritischen Phase und auf wenig Platz reibungslos zusammenarbeiten muss. In der Formel 1 kann ein aus 20 Personen bestehendes und synchron arbeitendes Boxenteam alle vier Reifen innerhalb von nur zwei Sekunden austauschen. Bei Williams hat man den Ablauf mittlerweile so perfektioniert, dass man in den ersten vier WM-Läufen des Jahres 2016 jeweils für die schnellsten Stopps sorgte.Darauf aufbauend hat das Neugeborenen-Team in Wales nun einige Änderungen eingeführt, um ihre Reanimations-Prozesse zu optimieren. Ein Rollwagen etwa wurde so verbessert, dass man noch schneller auf die darauf liegenden Operations-Bestecke zugreifen kann.

Wie in der Formel-1-Renngarage weisen nun Boden-Markierungen in den Kreißsälen den OP-Teams exakt den Weg. Auch hinsichtlich Kommunikation und Analysen hat man wertvolle Erkenntnisse gewonnen. Funk-Checks im Vorfeld, vermehrte Handsignale statt verbaler Mitteilungen sowie Video-Analysen und Einsatz-Nachbesprechungen gehören dazu.

"Die Wiederbelebung eines Neugeborenen ist sehr zeitkritisch und verlangt größte Effektivität", sagte Rachel Hayward vom Universitäts-Krankenhaus. "Verzögerungen können markante Folgen hinsichtlich der Überlebenschancen bzw. der Entwicklung von Langzeitschäden haben", erklärte Hayward, warum man sich mit dem Rennteam zusammengetan und Formel-1-Wissen implementiert hat.

Claire Williams war als Co-Teamchefin des Rennstalls höchst erfreut, geholfen zu haben. "Ihre Arbeit dort ist wirklich wichtig. Es geht jeden Tag der Woche um Leben oder Tod. Wenn wenigstens ein Teil unserer Ratschläge hilft, Leben zu retten, war das jeden Versuch wert", sagte die Tochter von Teamchef Frank Williams. "Es ist ein gutes Beispiel dafür, dass sich Technologie und Wissen aus der Formel 1 als zunehmend nützlich auch für viele anderen Branchen erweist."

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