Wissen
09.02.2018

Wie Ernährung Krebszellen bremsen könnte

Reduktion eines Eiweißbausteins führte im Tierversuch zu weniger Metastasen. Experte warnt aber vor Krebsdiäten.

In manchen – vor allem US-Medien – waren die Schlagzeilen überschwänglich – auch wenn sie mit einem Fragezeichen versehen waren: "Eine Waffe gegen metastasierende (sich im Körper ausbreitende, Anm.) Krebszellen?", oder "Ein Schlüssel für die Krebsvorbeugung?" – Das alles bleibt Spekulation, am ehesten trifft es der Titel der BBC News: "Lebensmittel könnten die Ausbreitung von Krebs beeinflussen."

Auslöser der Schlagzeilen ist eine US-amerikanische-britische Studie mit Mäusen, die in einem der renommiertesten Wissenschaftsjournale, in Nature, erschienen ist. Labormäuse mit einer schwer zu behandelnden Brustkrebsform erhielten eine Nahrung, die nur geringe Mengen des Eiweißbausteins Asparagin enthielt. Asparagin ist in größeren Mengen unter anderem in Spargel, Soja, Geflügel, Erdäpfel, Meeresfisch, Vollkornmehl, Nüssen oder Samen enthalten – einfach in sehr vielen Lebensmitteln.

Weniger Metastasen

Ergebnis: Es zeigte sich kein Effekt auf den ursprünglichen Tumor – aber es bildeten sich deutlich weniger Metastasen, Tochtergeschwüre in anderen Organen. Bei einer Nahrung mit viel Asparagin hingegen war die Zahl der Tochtergeschwüre deutlich höher. Fazit: Offenbar ist dieser Eiweißbaustein für diese Brustkrebszellen wichtig, um Metastasen bilden zu können. "Es gibt zunehmend Hinweise, dass bestimmte Tumore von bestimmten Inhaltsstoffen unserer Ernährung beeinflusst werden", sagt Simon Knott, einer der Autoren.

Da Asparagin in vielen Lebensmitteln enthalten ist, lässt es sich aber schwer vermeiden – sollten sich die Ergebnisse auch beim Menschen bestätigen, denken die Forscher eher an spezielle nährstoffhaltige, aber asparaginarme Spezialgetränke, die unterstützend zu den herkömmlichen Krebstherapie verabreicht werden könnten.

"Zukünftiges Hoffnungsgebiet"

"Dieser Ansatz ist sicher ein zukünftiges Hoffnungsgebiet für ergänzende Therapien", sagt Univ.-Prof. Siegfried Knasmüller vom Institut für Krebsforschung der MedUni Wien. "Vielleicht kann man damit einmal die Teilungsrate von Krebszellen bei bestimmten Tumoren reduzieren – aber der Krebs wird dadurch nicht ganz zum Stillstand kommen." So haben sich auch schon bei der Aminosäure Methionin (in Lachs genauso enthalten wie in Fleisch oder Nüssen) im Tierversuch gezeigt, dass ihre Reduktion das Wachstum von Krebszellen hemmt. "Aber diese Forschung steht erst ganz am Anfang, für spezielle Ernährungsempfehlungen ist es noch viel zu früh."

Krebsforscher Knasmüller warnt auch vor speziellen "Krebsdiäten": "Das ist alles wissenschaftlich nicht untermauert. Die Vorstellung, dass man Krebs aushungern könne, ist falsch, das funktioniert so nicht." Im Gegenteil: Krebs kann den Menschen "aushungern" – und die Zufuhr zusätzlicher Mineralstoffe und Vitamine könne nach einem Laborbefund und ärztlicher Verschreibung durchaus notwendig sein.

Was man über die Krebsvorbeugung weiß

Was hingegen schon jetzt erwiesen ist, ist die Rolle der Ernährung in der Krebsvorbeugung: "Rund 30 Prozent der Krebstodesfälle stehen mit Ernährungsfaktoren in Zusammenhang."

Wobei diesbezüglich der größte Risikofaktor das Übergewicht sei, betont Knasmüller. Und daneben ein hoher Konsum von Alkohol und von rotem bzw. verarbeitetem Fleisch und Fleischwaren, die z. B. durch Salzen, Fermentieren, Räuchern oder Pökeln haltbar gemacht wurden – mehr als 400 bis 500 Gramm die Woche. Viele färbige pflanzliche Inhaltsstoffe verschiedener Obst- und Gemüsesorten (siehe Grafik) haben hingegen einen gewissen Schutzeffekt. Knasmüller: "Was viele Menschen unterschätzen: Falsche Ernährung und Übergewicht sind in Summe ein ähnlich großer Risikofaktor für Krebs wie das Rauchen."