Wissen und Gesundheit
19.09.2017

Wie der Dynamiterfinder zum Förderer des Friedens wurde

Vor 150 Jahren wurde sein "Sicherheitspulver" zum Patent angemeldet.

Dass die beiden Jahrestage beinahe zusammenfallen, ist reiner Zufall: Am 19. September 1867 meldete der schwedische Chemiker Alfred Nobel das Dynamit zum Patent an. 1981, also mehr als hundert Jahre später, beschloss die UNO, den 21. September zum Weltfriedenstag zu machen.

Ein Gedenktag, an dem Nobel wohl Gefallen gefunden hätte. Auch wenn sein Name mit Zerstörung, Krieg und dem Tod von Hunderttausenden Menschen in Verbindung gebracht wird – am Ende seines Lebens setzte er einen Preis aus, der diejenigen begünstigen soll, die zum Wohle der Menschheit forschten und arbeiteten.

Sehnlichst erwartet

Nobels Erfindung war in der Zeit der Industrialisierung tatsächlich von vielen Tunnelbauern oder Bergleuten sehnlichst erwartet worden. Denn Mitte des 19. Jahrhunderts wurden in ganz Europa Schienen gebaut und Erze abgebaut, wozu man ein starkes Sprengmittel benötigte. Das bis dahin bekannte Schwarzpulver war dafür zu schwach. Und das von dem Italiener Asciano Sobrero, den Nobel persönlich kennengelernt hatte, entwickelte "Sprengöl" Nitroglyzerin war zu instabil. Es explodierte allzu leicht.

Nobel experimentierte über Jahre mit dem Stoff, wobei es immer wieder zu schweren Unfällen kam: 1864 starben bei einer Explosion vier Mitarbeiter und sein jüngerer Bruder Emil. Nobel übersiedelte daraufhin nach Geesthacht nahe Hamburg. Auch dort flog seine Fabrik bald in die Luft und er verlegte seine Forschungen aufs Wasser. Das Dynamit wurde wohl auf der Elbe entdeckt: die Beimischung von Kieselgur – einem porösen Sediment aus Kieselalgen – verminderte die Sprengkraft des Nitroglyzerins nur um ein Viertel, machte es aber unempfindlich gegen Erschütterungen.

Revolutionäre

Doch "Nobels Sicherheitspulver", wie es anfangs hieß, wurde nicht nur friedlich genutzt. Als eine der Ersten verwendeten die Revolutionäre der Pariser Kommune in den 1870er-Jahren den Sprengstoff als Kampfmittel. Der Begriff des Dynamitarden – Attentäter, die ihre politischen Gegner in die Luft sprengen – war geboren.

Ob diese Entwicklung Nobel zum Pazifisten machte, weiß man nicht. Vielleicht war es die Begegnung mit der Friedensaktivistin Bertha von Suttner, die in ihm einen Sinneswandel auslöste. Ihr gegenüber verteidigte er in einem Brief seine Erfindung: "An dem Tage, an dem zwei Armeen in der Lage sein werden, sich gegenseitig in Sekundenschnelle zu vernichten, werden wohl alle zivilisierten Nationen vor einem Krieg zurückschrecken und ihre Truppen nach Hause schicken", begründete Nobel seine Theorie der Abschreckung.

Vielleicht war seine Stiftung, die bis heute die Nobelpreise mitfinanziert, als Rechtfertigung für seine todbringende Erfindung gedacht. Dass seine Reputation nicht die beste war, hatte er 1888 bitter erfahren müssen. Nachdem sein Bruder gestorben war, veröffentlich Le Figaro irrtümlich seinen Nachruf. "Der Händler des Todes ist gestorben", lautete die Überschrift.

Möglicherweise war der Grund dafür, dass er in seinem Testament nicht seine Verwandtschaft bedachte, sondern eine Stiftung gründete, lapidar: Nobel soll geglaubt haben, dass geerbter Reichtum faul macht.

Wörter mit kriegerischem Hintergrund

Menschen geraten in Beschuss, werden ins Visier genommen oder stehen im Kreuzfeuer der Kritik – gerade im Wahlkampf sind diese Phrasen allgegenwärtig. Dass sie einen martialischen Hintergrund haben, ist nur wenigen bewusst. Das Institut für Germanistik der Karl-Franzens-Universität Graz hat eine Datenbank mit 650 Begriffen erstellt, die ihren Ursprung in der Wehrkultur haben. Manchmal ist dieser offensichtlich – manchmal überraschend.

Ein Auszug:

Fuchtel Eine Stichwaffe mit besonders breiter Klinge hieß im 16. Jahrhundert Fuchtel. Wer jemanden unter seine Fuchtel brachte, brachte ihn in seine Gewalt.
abblitzen lassen Die Phrase wird heute hauptsächlich im Kontext eines missglückten Flirts verwendet – Ende des 19. Jahrhunderts bezeichnete sie das wirkungslose Abbrennen von Schießpulver, das zu einer blitzartigen Lichterscheinung führte.
die Werbetrommel rühren Öffentliches Trommeln sollte im 17. Jahrhundert Freiwillige zum Kriegsdienst locken. Heute bezeichnet die Phrase das Werben für ein Produkt oder ein Ereignis.
ins Fadenkreuz nehmen Als Fadenkreuz verstand man die Markierung zweier aufeinanderstehender dünner Striche an der Linse von optischen Geräten; dies diente dazu, ein Ziel genau zu erfassen. Wer heute im Fadenkreuz der Medien steht, muss sich auf Kritik einstellen.
Rohrkrepierer Heute eine Umschreibung für ein vorzeitig misslungenes Projekt; im Ersten Weltkrieg die Bezeichnung für ein Sprenggeschoß, das schon im Lauf des Geschützes explodiert.
auf Tuchfühlung gehen Erstmals 1909 dokumentiert; gemeint sind Soldaten, die so dicht nebeneinander stehen, dass das Tuch der Uniform das des Nebenmannes berührt. Heute ist damit ebenfalls die (körperliche) Kontaktaufnahme gemeint – wenn auch in den meisten Fällen ohne Tuch.
baff sein Wer baff ist, ist überrascht, sprachlos, sichtlich verwirrt – so, als würde er neben sich einen unerwarteten Knall hören. Die Bezeichnung, erstmals verwendet im 17. Jahrhundert, ist eine Schallnachahmung des Schusses („paff!“).

Alle Begriffe finden Sie unter https://wortschaetze.uni-graz.at