Matt Stonie, Gewinner des jährlichen Nathan's Famous Hot Dog Eating Contest in Brooklyn, New York.

© REUTERS/ANDREW KELLY

Wettkampfesser
07/17/2015

68 Hotdogs in zehn Minuten: Das passiert im Magen

Wettessen haben in den USA Tradition. Die gesundheitlichen Folgen stehen dabei im Hintergrund.

von Elisabeth Gerstendorfer

Dieses Jahr "reichten" 62 Hotdogs für einen Gewinn. Der Amerikaner Matt „Megatoad“ Stonie ist Sieger des traditionellen Hotdog-Wettessens in Brooklyn, New York. Der Rekord liegt gar bei 68 Wurstbrötchen in zehn Minuten. Bei ähnlichen Wettbewerben werden innerhalb kürzester Zeit mehr als 100 Burger, 200 Chicken Wings oder ganze Truthähne verschlungen. Welche gesundheitlichen Folgen das für die Teilnehmer hat, ist kaum untersucht. Einzelfallberichte zeigen aber, dass die Wettbewerbe mitunter lebensgefährlich sind. „Werden derartig große Nahrungsmengen innerhalb kurzer Zeit gegessen, kommt es zu einer übermäßigen Dehnung des Magens. Wenn man das immer wieder macht, wie die Teilnehmer dieser Wettbewerbe, funktioniert die Magenmuskulatur nur mehr schlecht“, sagt Univ.-Prof. Harald Vogelsang, Gastroenterologe an der MedUni Wien. Der Grund: Die Muskelfasern sind ausgeleiert, können nicht mehr ineinander greifen oder reißen - der Mageninhalt bleibt auch bei kleineren Mengen länger im Magen liegen und gelangt nicht mehr gut in den Darm.

Große Mengen Fett

Theoretisch kann der Magen durch den Druck der großen Nahrungsmenge sogar reißen. Gefäße im Bauchraum können abgedrückt werden. In Einzelfällen mussten Wettkampfesser operiert werden, um abgedrückte Gefäße wieder freizulegen. Vogelsang: „Die Wettessen können auch Folgen für das Herz-Kreislauf-System haben und z.B. Herzrhythmusstörungen auslösen. Die großen Mengen Fett führen zu einem Anfluten der Fettmengen im Blut – in einem Fall wurde berichtet, dass es zu einer Entzündung der Bauchspeicheldrüse kam, auch ein Todesfall ist dokumentiert.“ Vogelsang sieht Ähnlichkeiten zum Überessen bei Bulimiepatienten, die ebenfalls große Nahrungsmengen auf einmal essen und diese anschließend erbrechen. Auch bei den Esswettbewerben werden die Speisen wahrscheinlich nicht lange im Magen behalten, meint Vogelsang.

Training

Die Wettessen, meist initiiert von Fastfood-Ketten, haben in den USA Tradition. In den vergangenen Jahren erlebten sie einen regelrechten Boom – zehntausende Fans schauen zu, wenn die Teilnehmer auf der Bühne scharfe Chilis hinunterwürgen, das Fernsehen überträgt live. Schön anzuschauen ist das meist nicht. Dennoch: Manche Wettesser sind richtige Stars – und trainieren hart für den Bewerb. Der amerikanische Wettkampfesser Joey Chestnut, achtfacher Titelverteidiger des eingangs erwähnten Hotdog-Wettessens in New York und Rekordhalter mit 68 Stück, dehnt seinen Magen, indem er bis zu vier Liter Wasser oder Milch auf einmal trinkt. Sein Name taucht bei einigen Weltrekorden in diesem Zusammenhang auf, etwa knapp fünf Kilo Macaroni mit Käse in sieben Minuten, 45 Stück Pizza beim Welt-Pizza-Essen oder 380 beim Schrimp-Wan-Tan-Wettessen.

Chronische Dehnung

Andere trainieren ihre Kiefermuskulatur mit mehreren Streifen Kaugummi oder tasten sich mit langsamen Steigerungen an die großen Nahrungsmengen heran. „Im Sinne des Wettbewerbs ist das wahrscheinlich sinnvoll, die chronische Dehnung des Magens führt aber dazu, dass sich die Muskulatur überdehnen und nicht mehr funktionieren kann. Der Magen kann sich nicht mehr gut entleeren“, meint Vogelsang.

In Österreich sind derartige Wettbewerbe derzeit sehr selten. Harald Vogelsang hofft, dass das auch so bleibt: „Ich empfehle nicht, an solchen Wettessen teilzunehmen, vor allem nicht wiederholt. Gerade die chronische Dehnung des Magens ist ein großes Problem, weil man nicht abschätzen kann, wie und ob der Magen langfristig funktioniert.“

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