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Wissenschaftlicher Ratgeber
02/28/2016

11 kleine Tipps mit großer Wohlfühl-Wirkung

Warum wenige, kleine Veränderungen mehr für das Wohlbefinden bringen als ein großer Wurf.

von Ingrid Teufl

Das Ziel war ambitioniert, die Umsetzung ungewöhnlich: Als David Brailsford 2010 Manager des britischen Profi-Radteams Sky wurde, wollte er die mäßig erfolgreichen Sportler zu Tour-de- France-Gewinnern machen. Statt das Trainingspensum zu steigern, veränderte er nur kleine Dinge: "Alles, was du tust, kannst du um ein Prozent verbessern."

Auf der Suche nach jenem einen Prozent, das sich in jedem Bereich optimieren ließ, blieb kein Detail ausgespart – bis zur Suche nach der besten Creme, um typische Radler-Druckstellen an den Händen zu vermeiden. Die Fahrer sollten sogar die Polster, auf denen sie am besten schlafen, in die Hotels mitnehmen. 2012 gewann einer der Briten das wichtigste Radrennen der Welt.

Für große Wirkung durch kleine Optimierungen muss man kein Sportler sein. Forscher haben viele überraschende Details herausgefunden, die das Leben angenehmer machen, erklärt der deutsche Wissenschaftsjournalist Werner Bartens. Bei Veränderungen denke man meist an umstürzende Neuerungen. "Es ist überraschend, was die Veränderung vieler kleiner Dinge bewirkt." Sein neues Buch "Fühl! Dich! Wohl!" ist daher eine Strategie gegen schlechtes Gewissen. "Viele Menschen laufen vor allem Trends im Namen ihrer Gesundheit hinterher und haben trotzdem das Gefühl, etwas falsch zu machen. Zehn erstaunliche Tipps zum Wohlfühlen:

Üben Sie sich in Selbst-Mitgefühl.

"Die Fähigkeit des Menschen, sich selbst schlecht zu machen, ist erstaunlich", sagt Bartens. Dabei belegen Studien: Wer gut zu sich selbst ist, hält länger durch oder bleibt länger bei einer Sache.

Ein Stift zwischen den Zähnen hebt die Laune.

So einfach fühlt man sich besser: Einen Stift zwischen die Zähne klemmen, die Lippen sollen sich nicht berühren. "Der Mund nimmt die Form an, die er vom Lächeln gewohnt ist." Der Grund: die Nachahmung von Gesichtsausdrücken findet automatisch statt. Offenbar schreibt der Körper dem Geist vor, wie er empfinden soll – nicht umgekehrt.

Lesen Sie nur noch alte Ratgeberbücher.

Mindestens zehn Jahre alt und noch lieferbar – das ist ein hilfreiches Kriterium, ob Ratschläge oder Diäten so gut sind, dass sie auch Trends und Moden überdauern.

Geben Sie (sich) Zeitlimits für Gespräche.

Gespräche gezielt zu begrenzen, gibt ihnen Rahmen und Struktur. Untersuchungen haben gezeigt: Werden für Besprechungen und Konferenzen Zeitlimits vorgegeben, bespricht man Wichtiges zuerst – und beugt zudem der Übermüdung der Kollegen vor.

Sorgen Sie für warme Füße.

Empfindungen und Temperatur hängen zusammen: Wo im Gehirn die Temperatur registriert wird, liegt im Umfeld der Verarbeitung von Gefühlen. Bartens Conclusio: "Wer warme Füße hat, beurteilt andere freundlicher."

Zählen Sie öfter mal Geld.

Geld ist stark genug, um in der Psyche körperliche Schmerzen zu mildern, haben Experimente gezeigt.

Freiwillige, die zuvor Geld gezählt hatten, konnten ihre Finger länger in heißes Wasser tauchen. Sie spürten weniger Schmerz.

Unsichere, zweifelnde Partner garantieren lange Ehen.

Vermeintliche Schwächen können eine lange Partnerschaft fördern: Ein unsicherer Mann und eine sichere Frau sind ein ideales Paar, haben bayrische Frühpädagogen herausgefunden. Vermeidende Männer haben eine Scheu, zu flüchten. Sind unsichere Frauen einmal fest gebunden, trennen sie sich ebenso ungern.

Mensch ärgere dich nicht.

Wieder einmal nicht alles geschafft? Statt sich zu ärgern, sollte man den Zustand akzeptieren. Immerhin hat man im Moment aus der Vielfalt genau das ausgewählt, was am wichtigsten erschien – oder am meisten Spaß machte.

Sitzen Sie weich.

Soziale Experimente haben gezeigt, dass das Berührungsempfinden die Stimmung prägt. "Wer weiche, glatte Gegenstände berührt oder darauf sitzt, ist positiver und freundlicher", sagt Bartens. Er rät daher, bei Beziehungsdiskussionen oder Gehaltsverhandlungen nicht auf unbequemen Designerstühlen zu sitzen.

Lernen Sie Regelmäßigkeit mehr schätzen.

20 Kilometer in zwei Stunden laufen? "Wer immer nur an sein Ziel denkt, wird schnell unzufrieden, weil es noch nicht erreicht ist", sagt Werner Bartens. Befriedigender wirkt, die Regelmäßigkeit auf dem Weg zu schätzen, als das Ziel selbst.

Staunen Sie.

Wer staunen kann, fühlt sich mehr als Teil von etwas Größerem als man selbst – das macht sozialer und hilfsbereiter. In einer Studie fühlten sich die Teilnehmer nach häufigem Staunen über gezeigte Ereignisse nicht mehr so wichtig. Sie waren eher bereit, anderen beizustehen und sich für ein großes Ganzes einzusetzen.

Buchtipp

Wissenschaftsjournalist Werner Bartens hat 333 wissenschaftlich fundierte Möglicheiten zum Wohlfühlen gesammelt. Das Buch (Verlag Droemer, 20,60 €) erscheint am 1. März 2016
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