Morgens operiert, abends zu Hause: Prim. Klaus (re.) bei einer Gallenblasen-OP.

© /BHS Wien

Tagesklinik
04/28/2014

Wenn Gallensteine schmerzen

In einem Wiener Spital wird ein Teil der Patienten bereits am OP-Tag entlassen.

von Ernst Mauritz

Probleme mit den Gallensteinen sind eine der häufigsten Erkrankungen: 10 bis 20 Prozent der Österreicher tragen solche Steine in sich, Frauen zwei bis drei Mal so häufig wie Männer. "Bei jedem Dritten verursachen sie Beschwerden", sagt Prim. Univ.-Prof. Alexander Klaus, Vorstand der Chirurgie im Krankenhaus der Barmherzigen Schwestern in Wien.

Eine Entfernung der Gallenblase, heute die Standardtherapie, ist notwendig, wenn es – häufig nach fettem Essen – zu kurzen, aber krampfartigen Oberbauchschmerzen kommt oder eine Entzündung der Gallenblase Dauerschmerz auslöst. Ohne Beschwerden wird ein Eingriff nur empfohlen, wenn jüngere Patienten (um die 40 Jahre) sehr große Steine haben – "sie sind ein Risikofaktor für Gallenblasenkrebs".

Bei den Barmherzigen Schwestern wird die Gallenblase meist über einen einzigen kleinen Schnitt im Nabelbereich entfernt, sagt Klaus, Vorreiter der narbenfreien Chirurgie: "Das ist schmerzärmer und auch ästhetischer."

Seit kurzem werden Gallenblasen in dem Spital auch tagesklinisch operiert: Die Patienten werden am Morgen ambulant aufgenommen und am Nachmittag bereits entlassen. "Der Vorteil ist, dass sie sich in ihrem gewohnten Umfeld erholen können."

Allerdings ist nicht jeder Patient dafür geeignet: Bestehende Grunderkrankungen spielen bei der Auswahl durch das behandelnde Ärzteteams ebenso eine Rolle wie das Vorhandensein einer kompetenten Begleitperson.

Doch auch seitens des Spitals sind zahlreiche Voraussetzungen notwendig: "Die Narkose muss so durchgeführt werden, dass der Patient rasch wieder fit ist", sagt Prim. Johann Blasl, Vorstand der Anästhesie und medizinischer Leiter der Tagesklinik. "Dabei setzen wir stark auf gezielte Regionalanästhesie" – etwa zur Schmerzblockade in der Bauchdecke.

Die Kommunikation zwischen Operateur, Anästhesist und dem Pflegepersonal (es klärt die Patienten auch vor dem Nachhausegehen auf) müsse exzellent funktionieren, so Blasl. Auch die OP müsse technisch einwandfrei verlaufen. "Dann können wir den Patienten schmerzfrei in die Aufwachphase bringen und schmerzfrei entlassen." Gleichzeitig haben die Patienten aber die Sicherheit, rund um die Uhr anrufen und im Notfall jederzeit ins Spital kommen zu können. "Es ist immer ein Anästhesist anwesend, der alle Techniken zur Betreuung dieser Patienten beherrscht."

Zufrieden

Wiederaufnahmen, etwa wegen starker Schmerzen, sind aber sehr selten. Blasl: "Wir haben 500 tageschirurgische Schulteroperationen ausgewertet – mit 330 derartigen Eingriffen pro Jahr sind wir europaweit führend. 93 Prozent der Patienten waren zufrieden, nur 2,6 Prozent wurden nachträglich aufgenommen." Lediglich die Hälfte hatte gravierende Probleme wie starke Schmerzen.

Rund 25 Prozent des Risikos für Gallensteine sind genetisch bedingt, sagt der Gastroenterologe und Hepatologe Univ.-Doz. Gerd Bodlaj. Weitere Risikofaktoren sind durch den Lebensstil beeinflussbar – etwa starkes Übergewicht, eine kalorienreiche, ballaststoffarme Ernährung sowie Bewegungsmangel. 90 Prozent der Gallenblasensteine sind aus Cholesterin – die Leber gibt zu viel davon in die Galle ab.

Klaus: "99 Prozent der Patienten spüren nach der Entfernung der Gallenblase keinen Unterschied zu vorher."

eine Newsletter Anmeldung Platzhalter.

Wir würden hier gerne eine Newsletter Anmeldung zeigen. Leider haben Sie uns hierfür keine Zustimmung gegeben. Wenn Sie diesen anzeigen wollen, stimmen sie bitte Piano Software Inc. zu.