Weniger Stress mit Shaolin Kung-Fu

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Serie "Vorsätze 2012", Teil 2: Ein junger Grazer findet mit Shaolin Kung-Fu zu vollkommener innerer Gelassenheit. Und schöpft daraus Kraft für den Alltag.

Ha!“ Immer wieder tönt der Kung-Fu-Kampfschrei aus gut zwei Dutzend Kehlen. Das Bild dazu ist spektakulär: Zwei Dutzend orange gekleidete Glatzköpfe tummeln sich in der Trainingshalle des Shaolin-Tempels in Wien-Landstraße. Sie kreuzen Schwerter, rasseln mit Ketten und wirbeln in akrobatischen Sprüngen durch die Luft – die Vorbereitungen für die Shaolin-Show hat begonnen.

Mittendrin ist der 25-jährige Florian Kramer. Der gebürtige Grazer ist in Aussehen und Können kaum von den Mönchen der berühmten Kampfsportschule zu unterscheiden. „Das ist etwas Besonderes. Sie sind eine Klasse für sich“, sagt er. „Aber Florian kann mit ihnen schon mithalten“, lobt Wolfgang Gall, Betreiber des Wiener Shaolintempels seinen „Meisterschüler“.

Trotz seines Alters ist Florian ein alter Hase in Sachen Kampfsport. Er blickt auf 15 Jahre Training zurück, seit zehn Jahren widmet er sich intensiv dem Shaolin Kung-Fu. „Es gibt nichts Vergleichbares für mich. Es hat mich richtig hingezogen.“

Mentales Training

Shaolin versammeln sich um den Altmeister.
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Was viele falsch verstehen: „Im Kung-Fu steht nicht körperliche Bewegung im Vordergrund. Das ist nicht mit Kampfsportkursen im Fitnesscenter vergleichbar.“ Bedeutender sei die Philosophie dahinter. Doch die erschließe sich einem erst mit der Zeit. „Körperlich ist Shaolin-Kung-Fu wesentlich fordernder als andere Techniken. Aber entscheidend ist der mentale und spirituelle Effekt. Man kann da viel aus sich herausholen. Auch ich wollte anfangs nur trainieren. Dass ich mich geistig weiterentwickle und selbst besser kennenlerne, wusste ich nicht. Man merkt, wie sich das Leben positiv verändert.“

Doch von nichts kommt beim Kung-Fu gar nichts. Konsequenz und kontinuierliches Training gehören dazu. Man brauche anfangs gar nicht an seine Grenzen zu gehen, meint Florian. Sich etwa längere Zeit nur auf den Atem zu konzentrieren, sei für Anfänger gar nicht einfach. Wer sich dennoch darauf einlässt, könne durch diese Art des Trainings persönliche Ruhepole schaffen. „Solche Übungen helfen mir im Alltag. So komm’ ich besser vom Trubel runter.“

Gelassen und entspannt wirkt der junge Mann, der im Sozialbereich arbeitet, tatsächlich. Doch wie bei echten Shaolin-Mönchen sollte man sich vom ersten Eindruck nicht täuschen lassen und keinen Streit vom Zaun brechen. „Auch wenn ich Aggression nicht anziehe: Ich kann mich verteidigen. Aber vorher habe ich hundert andere Möglichkeiten, ein Problem zu lösen.“ Denn in der Ruhe liegt die Kraft.

Interview: „Wichtigkeit vor Dringlichkeit“

Ein guter Tag beginnt mit einer guten Meditation, findet Fechter.
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Herbert Fechter ist in Österreich eine bekannte Größe im Entertainment-Business. Er managte Musiker und gilt als erfolgreicher Produzent von Bühnenshows. Mit der Kunst der Shaolin-Mönche beschäftigt er sich seit 16 Jahren, aber nicht nur beruflich – Meditation wurde zu einem wichtigen Teil seines Lebens.

KURIER: Sie gelten als Fan der asiatischen Philosophie. Lässt Sie sich in unseren Alltag integrieren?

Herbert Fechter: Es gibt viele Wege, man braucht dafür ja nicht nach Asien zu gehen. Es geht um die Essenz einer Philosophie. Ich meditiere seit 30 Jahren täglich 20 Minuten nach dem Aufstehen. Mittlerweile kann ich das in fast jeder Situation. Und es nicht zu tun, ist so, wie sich die Zähne nicht zu putzen. Während der Meditation merke ich auch meine Tagesverfassung. Schweife ich gedanklich ab, weiß ich, dass ich an diesem Tag wohl keine vollkommene innere Ruhe finden werde.

Was fasziniert Sie an den Shaolin-Mönchen? Ihre Körperbeherrschung?

Wir können viel von ihrer Einstellung zum Leben und zu den Mitmenschen lernen. Sie pflegen noch sehr viele Werte, die wir im Westen vergessen haben. Mir gefällt besonders der andere Zeitbegriff.

Wie unterscheidet sich der von unserem?

Die Shaolin-Mönche setzen Wichtigkeit vor Dringlichkeit. Wir machen es umgekehrt. Ein deutliches Beispiel, das mich sehr geprägt hat: Als meine Mutter starb, war ich bei einem dringenden beruflichen Termin. Wichtiger wäre es aber gewesen, bei meiner Mutter zu sein.

Workshop: Meditation als Weg zu entspanntem Sein

Voll im Training: Die besten „Shami“ (7- bis 11-jährige Jungmönche) dürfen mit auf die Show-Tour.
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Im Rahmen der Shaolin-Shows in der Wiener Stadthalle (5. bis 8. Jänner) gibt es heuer erstmals auch Workshops mit den Meistern des Shaolin Kung-Fu. Sie unterweisen Interessierte am 7. und 8. Jänner in Meditation, Qigong und Acht-Schätze-Qigong (40 bis 120 Euro, Karten nur im Vorverkauf bei den Kassen der Stadthalle).

Der KURIER verlost zwei Tickets: Zur Teilnahme senden Sie bis 4. Jänner ein eMail an: lebensart@kurier.at

Geschichte Shaolin Kung-Fu ist eng mit dem Kloster Shaolin in China verbunden. Dieser Tempel liegt am Fuß von Chinas heiligstem Berg Song Shan. Hier erfand der Mönch Bodhidharma um 527 n. Ch. Kung-Fu als neue Kampftechnik, die im Tempel gelehrt wurde. Der Name Shaolin wurde in neuerer Zeit im Westen zum Markenzeichen. Dutzende Kung-Fu-Schulen entstanden in der Nähe des Klosters. Auch außerhalb Chinas entstanden im späten 20. Jahrhundert Shaolin-Tempel. Die Mönche versuchen seit einigen Jahren, den Namen Shaolin zu schützen und erlauben „offizielle“ Dependancen in aller Welt, in Wien-Landstraße den „Shaolin Tempel Austria“.

Buchtipp

Herbert Fechter, Das Geheimnis von Shaolin. Mit der Weisheit der Mönche Körper, Geist und Seele stärken. ( Südwest-Verlag, 20,60 Euro)

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Erstellt am 01.01.2012