Wissen 31.01.2012

Welt-Krebs-Tag: Länger leben mit der Krankheit

In den vergangenen zehn Jahren ist die Überlebensdauer bei vielen Tumorleiden deutlich angestiegen.

Es ist eine hoffnungsvolle Aussage des Krebsspezialisten Univ.-Prof. Christoph Zielinski von der MedUni Wien: „Wir können Krebs im fortgeschrittenen Stadium zwar nicht heilen, aber wir können ihn immer öfter zu einer chronischen Langzeiterkrankung machen.“ Das sagte der Mediziner am Dienstag anlässlich des bevorstehenden Welt-Krebs-Tages (4. 2.). An diesem Tag organisiert die von Zielinski und anderen Proponenten gegründete Initiative „Leben mit Krebs“ im Wiener Rathaus den „Wiener Krebstag“.

Österreich liege derzeit unter den Top-5-Ländern mit den längsten Überlebensraten bei Krebs. „Ein Beispiel: Vor zehn Jahren haben Patientinnen mit fortgeschrittenem Brustkrebs im Durchschnitt 22 Monate gelebt. Heute leben sie fast drei Mal so lang.“ (siehe Grafik).

Möglich sei dies nur, wenn die Patienten im Rahmen von klinischen Studien Zugang zu den neuesten Medikamenten haben. Österreich müsse sich künftig auf diesem Gebiet noch mehr anstrengen und bundesländerübergreifende Exzellenzzentren schaffen, die auf die modernsten Therapien spezialisiert sind: Denn es gebe die Tendenz, dass Pharmafirmen große Studien mit vielen Patienten immer öfter nur in wenigen großen Staaten durchführen.

Das lange Überleben vieler Patienten stelle die Gesellschaft insgesamt vor neue Herausforderungen: „Hier ist eine neue Solidarität mit den Kranken einzufordern“, sagt Zielinski. So sei es notwendig, dass die Patienten stärker als bisher die Möglichkeit bekommen, weiterhin arbeiten gehen zu können: „ Eine Frühpensionierung bedeutet oft ein Leben unter der Armutsgrenze.“

Die Österreichische Krebshilfe hat aus ihrem Soforthilfe-Fonds in den vergangenen Jahren jeweils rund eine Million Euro finanzielle Unterstützung zur Verfügung gestellt. Geschäftsführerin Doris Kiefhaber: „2011 waren es bereits 1,5 Millionen Euro.“

Laut Zielinski machen die indirekten Kosten – Fehlzeiten im Beruf, frühzeitige Pensionierung – den Großteil der Gesamtkosten von Krebserkrankungen aus. Hingegen würden die Ausgaben für Krebsmedikamente oft überschätzt: „Von den gesamten Gesundheitsausgaben in Österreich kommt auf die Arzneimittel gegen bösartige Erkrankungen lediglich ein Anteil von 1,1 Prozent.“

Vorsorge

grafik
© Bild: KURIER/Dr.Andrejs Liepins

30 bis 40 Prozent der Todesfälle könnten durch bewussten Lebensstil und Früherkennungsuntersuchungen vermieden werden, heißt es bei der Österreichischen Krebshilfe. „Nicht rauchen, das Vermeiden von Übergewicht und mehr Bewegung sind die wichtigsten Lebensstilmaßnahmen“, sagt Univ.-Prof. Paul Sevelda, Präsident der Krebshilfe. Allerdings: „Umfragen aus den Jahren 1994 und 2011 haben gezeigt, dass der Anteil der Menschen, die sich (abgesehen vom Notwendigsten, Anm.) überhaupt nicht bewegen, von 38 auf 44 Prozent zugenommen hat.“

Ein positiver Schritt sei das ab 2013 geplante, organisierte österreichweite Brustkrebs-Screening-Programm. Im Rahmen dieses Programms sollen alle Frauen zwischen 45 und 69 Jahren im Zwei-Jahres-Abstand zur Mammografie eingeladen werden.

Informationen und Fortbildungsmöglichkeiten für Patienten zu ihrer Erkrankung gibt es auf der Online-Plattform www.leben-mit-krebs.at. Univ.-Prof. Gabriele Kornek, Präsidentin der Initiative: „Patienten können online Vorträge betrachten und dann Fragen online beantworten.“ Je besser Patienten und Angehörige informiert seien, desto besser „können die behandelnden Ärzte gemeinsam mit den Patienten die weiteren Schritte planen und umsetzen“.

Info: Krebstag am Samstag im Rathaus

Vorträge Unter dem Motto „Leben mit Krebs – Das muss ich wissen, das kann ich tun“ organisiert die Initiative „Leben mit Krebs“ Samstag, 4.2., im Wiener Rathaus ein umfassendes Vortragsprogramm zu Themen wie Prävention und Früherkennung von Krebserkrankungen sowie neue Therapien und Rehabilitation. Zusätzlich informieren namhafte Experten über wichtige Begleitmaßnahmen wie Ernährung und Bewegung bei Krebs.

Zeit und Ort 4.2., Festsaal Wr. Rathaus, Lichtenfelsg. 2, 1010 Wien, 11-17 Uhr. Eintritt frei. Genaues Programm: www.leben-mit-krebs.at

( Kurier ) Erstellt am 31.01.2012