Das Nandu-Männchen zieht die Küken allein auf.

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Wissen
06/08/2019

Welchen Aufwand alleinerziehende Tierväter treiben

Im Reich der wilden Tiere sind Single-Väter die Ausnahme. Sie bauen Nester, tragen Eier aus und bringen Junge zu Welt.

Männchen, die Nester bauen und Küken füttern; Männchen, die mit Babybauch schwimmen; Männchen, die Fröschchen aus dem Mund gebären. Es liegt in der Natur: Was sich bewährt, überlebt.

„Alleinerziehende Väter sind spannende Ausnahmen im Tierreich“, sagt Peter Sziemer. Der Zoologe, der freiberuflich für das Naturhistorische Museum Wien arbeitet, kennt die Launen der Brutpflege. Zum Vatertag am 9. Juni beschreibt er sie - auch bei einer Spezialführung vor Ort.

„Alleinerziehende Väter findet man in erster Linie unter den Vögeln und Amphibien und bei manchen Fischen“, sagt Sziemer. Den Nandu aus Südamerika nennt er einen „Promi“. Der riesige Laufvogel kann in Sachen Fortpflanzung nicht genug bekommen: Er gräbt eine Nestmulde, paart sich mit mehreren Weibchen und verteidigt bis zu 80 Eier vor Feinden. Nachdem die Küken – abgemacht – gleichzeitig schlüpfen, kümmert sich Vater Hahn noch sechs Monate alleine um seine Jung-Schar.

Nestbau

Der Kiwi Neuseelands setzt nicht auf Masse, sondern Klasse. Das Weibchen legt – im Vergleich zu seinen Körpermaßen – das größte Vogelei ins Nest, das der Papa in spe zuvor mit Moosen und Gräsern ausgepolstert hat. „Bei dem monogamen Paar gilt das Motto der Damen: Schatzi, ich hab jetzt was gemacht, den Rest erledigst du“, scherzt der Experte.

Auch Buschhuhn und Thermometerhuhn setzen auf Halbe-Halbe. Die Väter bringen sich beim aufwendigen Nestbau, wie beim wochenlangen Warmhalten der Eier ein. Der Thermometerhahn etwa, der mit seinem Schnabel täglich die Temperatur in seinem Do-it-yourself-Bruthügel prüft, ist so das ganze Jahr im Alleingang mit der Sorge um den Nachwuchs beschäftigt. Die Henne produziert – anstrengend genug – etwa 35 Eier am Stück.

„Das Seepferdchen ist als alleinerziehender Vater sehr bekannt“, schwenkt Sziemer ins Wasser und betont: „Das Männchen wird nicht schwanger, es trägt nur die Eier aus.“ Dem Schauspiel geht ein Balztanz voraus, schließlich spritzt die See„stute“ die Eier in die Bruttasche des See„hengstes“. Zwölf Tage später tauchen die Jungfische in die Untiefen der Meere ab.

 

„In der Natur gibt es immer mehrere Lösungen, die sich entwickeln“, sagt der Museumspädagoge. Sie können nicht kompliziert genug sein – solange sie einen Vorteil für den Arterhalt bringen, wird am Konzept festgehalten. Das zeigt auch die Geburtshelferkröte. Der Frosch-Mann wickelt sich die an Land gelegten und besamten Ei-Schnüre um die Hinterbeine. Wenn er etwa einen Monat später merkt, dass die Kaulquappen schlüpfen wollen, trägt er sie ins Wasser. Die Frosch-Frau lässt sich erst bei den nächsten Paarungsrufen wieder blicken.

Geburt

Eine andere Überlebensstrategie verfolgt der alleinerziehende Darwin Nasenfrosch. Der Südamerikaner trägt die Embryonen angewachsen in seinem Kehlsack aus. Die Verwandlung zum Frosch erfolgt in Vaters Mund. Etwa 15 Jungtiere hüpfen auf diese Weise munter ins Laub – eine amphibische Lebendgeburt.

„Alleinerziehende Väter sind relativ selten, sonst sind es eher nur die Weibchen oder beide“, fasst Sziemer zusammen. Das heißt aber nicht, dass die Natur Männchen nur als Samenspender vorgesehen hat. „Gerade bei den Säugetieren, die in Gruppen leben, haben die Männchen wichtige Aufgaben. Sie sind zum Beispiel Spielgefährten und Beschützer.“ Und Vorbild.