Wissen und Gesundheit
23.12.2012

"Es herrscht ein besonderer Geist“

Weihnachten im Spital: Patienten und Mitarbeiter rücken zusammen und feiern gemeinsam.

Krippe und Adventkranz hat Prälat Leopold Kaupeny schon griffbereit. „Weihnachten ist und bleibt eines der entscheidendsten Ereignisse der Menschheitsgeschichte“, sagt der 84-jährige Priester aus der Wiener Brigittenau. Seit 46 Jahren ist er in seiner Pfarre tätig. Heuer verbringt er Weihnachten erstmals nicht mit seiner Gemeinde.

Nach einem Herzinfarkt liegt er im Krankenhaus der Barmherzigen Brüder in Wien. „Man muss das Leben nehmen, wie es ist. Heuer werd’ ich eben in aller Stille feiern. Ich hoffe auf wenig Geschenke“, sagt er und lächelt. Er selbst wurde bereits von seiner Pfarrgemeinde beschenkt – mit dem kleinen Mini-Kripperl auf dem Nachtkasterl. „So sind sie trotzdem bei mir.“

Leibhaftig bei ihm sind am heutigen Heiligen Abend dafür Dutzende Patienten, Pflegemitarbeiter und Ärzte. Der gut eingespielte Pflegebetrieb wird jetzt stimmungsvoller. „Zu Weihnachten herrscht ein besonderer Geist im Haus“, sagt Ignaz Hochholzer. Der Internist und geweihte Priester leitet die Allgemeine Ambulanz.

Trostlos ist es beim Besuch des KURIER keineswegs: Weihnachtliche Deko sowie selbst gebundene Adventkränze und Kerzen schmücken die Abteilungen. Am Nachmittag des Heiligen Abends singt ein Chor, es gibt Punsch und Kekse und natürlich eine Mette. Diplomkrankenschwester Daniela Haselmayer schiebt heute freiwillig Dienst – und das gern. „Die Abläufe sind ja nicht anders als an anderen Tagen. Aber wir versuchen, mehr Gespräche mit den Patienten zu führen.“

„Es ist sehr ruhig, aber auch sehr feierlich“, erzählt Lambert Nouwens, 81. Ein Mal musste er Weihnachten schon im Spital verbringen. Jetzt ist er wie sein Priesterkollege Kaupeny wegen eines Herzinfarktes hier. Zum Hochfest im Spital zu sein ist für ihn kein Problem. „Allein sein muss ja nicht furchtbar sein. Es kann auch sehr beruhigend und erhebend sein. Man hat Zeit zum Nachdenken.“ Statt der Predigt widmet sich der frühere Lehrer selbst verfassten Gedichten, die der gerne rezitiert. „Ich bin dafür nicht undankbar.“

Lieber daheim

Gertrude Marsänger macht hingegen kein Hehl daraus, dass es ihr anders lieber wäre. Die Pensionistin musste überraschend hier bleiben. „Im Spital sind alle wirklich sehr bemüht, und es ist auch heimelig. Aber daheim ist halt doch daheim.“ Ihre Familie wird sie aber am Nachmittag besuchen und später wird nachgefeiert. „Müssen’s halt warten, bis ich wieder da bin“, schmunzelt sie.

Auch Sascha Stevanovic „wäre es lieber, ich wär’ zu Hause. Aber die Gesundheit geht vor. Weihnachten kommt ja wieder.“ Seit der Vorwoche ist der 32-Jährige hier: Diabetes. „Das war überraschend und ein Schock.“ Er muss bleiben, bis er richtig eingestellt ist. Alleine fühlt er sich nicht: Seine Familie besucht ihn oft. Und wenn gerade niemand da ist, erinnert ihn der Weihnachtsteddy an seine Lieben.

Eine Abteilung weiter sitzt eine Herrenrunde im Aufenthaltsraum, der Schmäh rennt. Mitten drin Heinz Schwarzenberger, der sich sichtlich „wie zu Hause“ fühlt. Zum vierten Mal schon verbringt der alleinstehende Mann wegen akuter Wirbelsäulenprobleme die Feiertage im Spital. „Das Ärzte- und Pflegeteam sind hier wie eine Familie. Besonders zu Weihnachten.“

Solches Lob freut jene Mitarbeiter, die arbeiten, wenn die meisten Menschen feiern. Und es gibt viel Solidarität, erzählen Stationsleiterin Sylvia Waldner und Vesna Pap. „Viele mit anderer Religion melden sich freiwillig, damit die Christen frei haben. Und bei ihren Festen nehmen dann wir Rücksicht und übernehmen den Dienst.“