Wissen
22.06.2017

Warum Vögel bei Artgenossen babysitten

Bei rund jeder fünften Art verzichten einige Individuen auf Fortpflanzung, um anderen bei der Brutpflege zu helfen.

Kein eigener Nachwuchs, aber den Artgenossen beim Brüten und Aufziehen der Jungtiere helfen: Dieses Phänomen des "kooperativen Brütens" ist unter Vögeln weit verbreitet. Michael Griesser von der Universität Zürich hat gemeinsam mit internationalen Kollegen Daten von rund 3000 Vogelarten ausgewertet und so herausgefunden, wie sich das Verhalten entwickelt hat.

Schwierige Lebensumstände

Am Anfang stand demnach das Zusammenleben in Familiengruppen, wie die Wissenschaftler im Fachblatt " PLOS Biology" berichten. Über die Gründe für kooperatives Brüten waren sich Forschende bisher uneins. Frühere Studien hatten zwei Faktoren identifiziert, die dabei eine Rolle spielen: Das Verhalten tritt demnach dann auf, wenn die Jungtiere nur schwer ein eigenes Territorium finden und wenn sie unvorhersehbar wechselhaften Umweltbedingungen ausgesetzt sind.

Familienbande

Den Fokus auf die Rolle der Familienverbände legten die Wissenschaftler um Griesser, weil kooperativ brütende Vogelarten immer auch in Familien zusammenleben. Es gibt jedoch auch Vogelarten mit Familienverbänden, die aber nicht als Babysitter für Artgenossen einspringen.

Die Datenanalyse ergab, dass kooperativ brütende Vögel von Vorfahren abstammten, die bereits in Familien zusammenlebten, aber ihre Jungen nicht gemeinsam aufzogen. Daraus folgern die Forscher, dass sich das Phänomen in zwei Stufen entwickelte.

Territorium & Umweltbedingungen

Zunächst schlossen sich Vögel wegen begrenztem Platz in einem relativ überfüllten Territorium zu Familienverbänden zusammen. Erst im zweiten Schritt brachten wechselhafte Umweltbedingungen die Vögel dazu, die Chancen einer erfolgreichen Aufzucht von Jungen durch kooperative Brutpflege zu erhöhen.

Südliche Hemisphäre

Dieses Modell erkläre auch die geografische Verteilung der Vogelarten, die gemeinsam ihre Jungtiere aufziehen, hieß es in der Mitteilung. Diese Arten kommen gehäuft in Australien, Südafrika und im nördlichen Südamerika vor. "Diese Länder und Regionen waren dramatischen klimatischen Veränderungen ausgesetzt, was die Evolution der kooperativen Brutpflege begünstigte", fasst Griesser zusammen.