Wissen 05.12.2011

Verhütung: Muss nicht immer die Pille sein

Noch nie gab es so viele Möglichkeiten, um nicht schwanger zu werden. Doch vor allem Jugendliche sind uninformiert.

Drei Viertel aller Jugendlichen verhüten bei ihren ersten sexuellen Erfahrungen mit einem Kondom. Festigt sich die Beziehung, steigen sie meist rasch auf die Pille um.
Ist doch gut, wenn die Jugend heute Verantwortung für sich übernimmt und ungewollte Schwangerschaften verhindert werden, könnte man da meinen. Doch Experten orten jede Menge Unwissen. Etwa, dass die Pille dem Körper eine Schwangerschaft vortäuscht.

"Zur Verhütung gehört auch die umfassende Information über alle Methoden und was im eigenen Körper passiert. Es gibt heute so viele Möglichkeiten. Es gibt für jedes Paar die individuell am besten passende Methode. Aber man muss Bescheid wissen, um die richtige Entscheidung für sich selber zu treffen", sagt die Gynäkologin Claudia Linemayr-Wagner, Präsidentin der Österreichischen Gesellschaft für Familienplanung (ÖGF).

Die Sexualpädagogin Sabine Ziegelwanger, die per eMail und im Chat Jugendliche berät, weiß: "Kondom und Pille sind am bekanntesten und aus jugendlicher Perspektive am vertrauenswürdigsten - deshalb werden sie am häufigsten angewandt. Was diese Hormone im Körper anstellen, um eine Schwangerschaft zu verhindern, ist vielen Jugendlichen - und leider auch Erwachsenen - nicht bekannt."

Arztgespräch

Gerade bei hormonellen Methoden würden andere als die täglich zu schluckende Pille oft besser passen - etwa das Verhütungspflaster oder der Vaginalring. "Hier hat das umfassende Arztgespräch eine große Bedeutung. Es beeinflusst die Wahl des Verhütungsmittels", betont Univ.-Prof. Christian Egartner, MedUni Wien. Das zeige auch die CHOICE-Studie in zwölf EU-Ländern. In Österreich wurden dafür 2250 Frauen zwischen 18 und 40 Jahren befragt, die sich bei ihrem Gynäkologen für eine hormonelle Verhütungsmethode interessierten. So entschieden sich knapp 24 Prozent nach der Beratung für den seit 2005 erhältlichen, aber noch immer vielfach unbekannten Vaginalring anstatt für die Pille - vor der Beratung wollten hingegen nur zehn Prozent diese Methode wählen.

Übrigens, Verhütung ist noch immer Frauensache, betonen die Experten. Ziegelwanger: "Sex geht aber beide etwas an. Gerade bei Jugendlichen müssen wir auch die Vaterschaftsverhütung verstärken."

Kampagne: Verhütung ist vielfältig

Aufklärung Die Österreichische Gesellschaft für Familienplanung (ÖGF) will in spielerischer Weise über das gesamte Spektrum der Verhütungsmethoden informieren. Neben dem Internet setzt die Initiative auch auf Kondom-Verteil-Aktionen in Discos.

Interaktiv Auf www.verhuetung.at werden Vor- und Nachteile einzelner Methoden sowie Tipps und Tricks für Liebe und Sex thematisiert. Ein Flirtguide sowie ein lustiges Verhütungskartenspiel können kostenlos bestellt werden.

( Kurier ) Erstellt am 05.12.2011