Wissen und Gesundheit
18.05.2017

Familienfrieden als Notenturbo

So wirken sich Konflikte zwischen Müttern und Vätern auf die Schulleistung aus.

Wenn zwei sich streiten, leidet der Dritte: Für Kinder ist es eine enorme psychische Belastung, wenn zwischen Vater und Mutter dauernd die Fetzen fliegen. Und es hat Folgen für ihre Lernleistung.

Klingt logisch. Wie sehr Familienstress und Schulleistung tatsächlich zusammenhängen, hat jetzt Psychologin Judith Gradl-Obermair im Auftrag des Nachhilfeinstituts Lernquadrat untersucht, indem sie knapp 700 junge Menschen befragte. Die Psychologin begleitet Familien in Trennungsphasen und kennt daher die Probleme von Scheidungskindern nicht nur aus der Theorie.

Scheidungen sind in Österreich fast schon Normalität: Jedes dritte Paar trennt sich, "bevor der Tod sie scheidet". Mitbetroffen sind jährlich 20.000 Kinder.

Streit stresst

Wie sehr solche Konfliktsituationen Kinder belasten, zeigt die Umfrage: "21 Prozent der Jugendlichen, die keine guten Noten nach Hause bringen, geben an, dass sich ihre Eltern oft streiten, während es bei 23 Prozent der guten Schüler zu Hause friedlich zugeht", sagt die Psychologin (Grafik). Wobei manche junge Menschen auf die Scheidung mit noch mehr Leistung reagieren: Sie wollen Mutter und Vater nicht zusätzlich belasten und strengen sich an. Auf diese Kinder muss man ein Auge haben, denn sie laufen am ehesten Gefahr, in ein Burn-out zu geraten.

"Ein Scheidungskind zu sein, ist heute zum Glück kein Stigma mehr. Das nimmt etwas Druck vom Kind", sagt die Psychologin. Dennoch bedeutet die Trennung eine Krise: "In den ersten zwei Jahren leiden Kinder besonders. Kommt es zum Rosenkrieg, verschärft sich die Situation. Die Folge: Drei Viertel der Scheidungskinder haben Schlafschwierigkeiten und in der Folge Schulprobleme."

Besonders in der Pubertät kann ein Teufelskreis in Gang gesetzt werden. "In dieser Lebensphase reagieren sie auf Kritik noch sensibler, während positive Botschaften nur sehr schwer bei ihnen ankommen. Gerade jetzt, da sie einen Halt durch Erwachsene brauchen, bekommen sie diesen nicht, weil die Eltern in Krisenzeiten meist so mit sich selbst beschäftigt sind, dass sie keine Zeit für den Nachwuchs haben."

Hilfe suchen

Was sollten Eltern, zwischen denen es ständig kriselt, tun, – sei es, dass sie sich häufig anschreien, sei es, dass sie sich anschweigen. "Wer sich für eine Trennung entscheidet, sollte die Phase möglichst kurz halten, um den Stress fürs Kind zu minimieren", rät die Psychologin.

Da das Lernen häufig ein Konfliktpotenzial zwischen Eltern und Kind ist, sei es klug, dieses auszulagern: "Das muss nicht unbedingt eine professionelle Nachhilfe sein. Manchmal reicht die Oma oder der Nachbar", sagt Lernquadrat-Grüner Konrad Zimmermann.

Ganz besonders gelte das für Kinder, die nicht in einer traditionellen Familie wohnen: Mit dem Stiefvater oder der alleinerziehenden Mutter klappt das Lernen oft weniger, wie die Umfrage zeigt.

Eltern könnten hingegen eine andere Form der Lernhilfe leisten: "Versuchen Sie, nicht schlecht über Ihren Partner zu denken. Denn selbst, wenn Sie nichts über ihn sagen, spürt Ihre Tochter bzw. Ihr Sohn, was Sie fühlen. Das stresst das Kind, was wiederum zu mangelnder Konzentration und Schulversagen führen kann", rät Judith Gradl-Obermair.