Übergewicht bei Kindern: Das sagt ein Experte

Die Daten des Eddy-Projekts werden wissenschaftlich ausgewertet. © Bild: Kurier/Juerg Christandl

Der renommierte Ernährungsmediziner Kurt Widhalm warnt und will Eltern und Industrie in die Pflicht nehmen.

Übergewicht bei Kindern wird immer noch verharmlost. Ein schwerer Fehler, wie Univ.-Prof. Kurt Widhalm vom Österreichischen Institut für Ernährungsmedizin meint: „Besonders der hohe Anteil an fettleibigen Kindern und Jugendlichen sollte ein Alarmzeichen für die Gesundheitspolitik sein.“

Univ.-Prof. Dr. Kurt Widhalm
Projekt gegen Dickleibigkeit an der Volksschule Haebergasse in Wien am 14.06.2017. © Bild: Kurier/Juerg Christandl
Denn Adipositas habe schwere gesundheitliche Schäden zur Folge, die viel zu wenig im Fokus stünden: „Altersdiabetes ist bei fettleibigen Kindern fast schon eine automatische Folgeerkrankung. Das wirkt sich auf die Hormone, auf den Stoffwechsel und auf die Gelenke aus. Auch die psychischen Probleme sind beträchtlich.“

Wildhalm wurde deshalb selbst aktiv und rief das Projekt „Eddy“ ins Leben.

Wie das Projekt genau abläuft und welche Initiativen es sonst noch gibt, lesen Sie bitte hier.

Worum es genau ging

Die Idee hinter dem Projekt Eddy: Kinder sollen durch Experten angeleitet werden, sich mehr zu bewegen und sich gesund zu ernähren. Das Ganze soll zudem wissenschaftlich begleitet und ausgewertet werden, um zu sehen, wie erfolgreich die Maßnahmen sind.

„Wir haben alle Kinder am Anfang und während des Projekts gemessen“, erläutert Widhalm. „Dabei ging es nicht um den Bodymassindex, sondern um die Proportion von Fettgewebe zu Muskulatur. Diese ist nämlich entscheidend.“ Nach eineinhalb Jahren wurde ein deutlicher Muskulaturzuwachs gemessen.

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Projekt gegen Dickleibigkeit an der Volksschule Haebergasse in Wien am 14.06.2017. © Bild: Kurier/Juerg Christandl
Wer der Fettleibigkeit den Kampf ansagen will, der müsse auch die Eltern und die Industrie in die Pflicht nehmen: „Leider erlebe ich Kinder, die nach den großen Ferien viel zugenommen haben, weil sie zu viel gegessen und sich zu wenig bewegt haben. Da muss man die Eltern in die Pflicht nehmen. Und sie sollen aufhören, Lehrer und Gemeinden zu verklagen, wenn dem Kind etwas auf dem Spielplatz passiert. Ein gebrochenes Bein ist nicht so schlimm wie eine Fettleber.“

Von der Lebensmittelindustrie fordert er, dass sie mehr in die Forschung investiert: „Kinder brauchen schmackhafte und gesunde Ernährung. Die Industrie kann sich da nicht ihrer Verantwortung entziehen“, macht der Mediziner klar.

( kurier.at ) Erstellt am 19.06.2017