Wissen und Gesundheit
28.09.2017

Tiere reisen auf Plastikmüll durch die Meere

Umweltschützer wollen "Trash Isles" zum UN-Mitglied machen. Eine lustige Idee für ein ernstes Problem.

Der PR-Gag ist gelungen. Das musste auch UN-Generalsekretär Antonio Guterres zugeben: US-Umweltschützer wollen Trash Isles zum Mitglied der Vereinten Nationen machen. Dabei gibt es den Müll-Insel-Staat gar nicht. Land ist auch nicht in Sicht – eine blau-weiß-grüne Flagge, die Währung, das Wappen "Der Ozean braucht uns" und die Briefmarke mit dem Fische-Vögel-Schildkröten-Motiv sind hingegen bereits entworfen. "Die Chancen, dass der Antrag auf Mitgliedschaft angenommen wird, sind praktisch Null", heißt es von Seiten der UNO, es sei aber "ein sehr origineller Weg, um Aufmerksamkeit auf ein Problem zu lenken, das oft übersehen wird".

Trash Isles sind tatsächlich ein wachsendes Problem. Zwischen Japan und Hawaii z.B. hat sich in den vergangenen Jahrzehnten eine riesige schwimmende Müllhalde gebildet. Was der Nordpazifische Wirbel einmal erfasst, kommt nicht mehr aus. "Es ist keine Insel, auf der man gehen kann", berichtet Augenzeuge Gerhard Herndl, Meeresbiologe an der Uni Wien, von seiner Passage. Aber das Aufkommen an Anfall, PET-Flaschen, Sackerln und Einwegverpackung ist dort höher als anderswo: "Es ist viel kleines Plastik dabei, je kleiner desto mehr." Und der mistige Teppich weitet sich aus, Experten schätzen ihn auf die Fläche von Frankreich.

Plastik in Nahrungskette

Insgesamt belastet Plastik die Ozeane rund um den blauen Planeten. Produkte und Abfälle aus dem Rohstoff nehmen zu, der Abbau dauert extrem lange. "Plastik ist ein ästhetisches Problem, wenn es an den Urlaubsstrand gespült wird. Und Plastik wirkt sich auf die Organismen im Meer aus," sagt Herndl. Es wird von Fischen gefressen und gelangt so in die Nahrungskette. In verlorenen Kunststoff-Fangnetzen, die sich im Gegensatz zu den Baumwoll-Vorgängern nicht auflösen, verenden Delfine, Schildkröten und Seevögel.

Als Treibgut übernimmt Plastik noch eine Funktion: Wie das Fachmagazin Science berichtet, setzten nach dem Tsunami 2011 mindestens 289 Tierarten auf "Plastik-Flößen" von Japan nach Amerika über. Bis 2017 untersuchten Forscher 634 Objekte auf blinde Passagiere – und fanden u.a. Seesterne, Fische, Muscheln, Würmer und Algen. Manche hatten sich unterwegs sogar vermehrt.

"Das gibt dem Plastikmüll eine zusätzliche Dimension", sagt Herndl. Doch die Seefahrt schade dem Ökosystem mehr. Ballastwasser, das hier aufgenommen und dort abgelassen wird, verbreite eine unglaubliche Vielzahl an Organismen. Ob sich die japanischen Bioinvasoren in den USA dauerhaft ansiedeln konnten, soll noch geklärt werden.

Auch die Umweltschützer von den Müllinseln wollen dran bleiben: Mehr als 125.000 Sympathisanten haben die Petition bisher unterschrieben. Schauspielerin Judi Dench hat sich als Königin für Trash Isles angeboten, Ehrenbürger ist der ehemalige US-Vizepräsident Al Gore, sein Pass gilt bis 2027. Bis dahin sollte sich der Inselstaat aufgelöst haben.