Wissen und Gesundheit
02.12.2015

Anti-Diabetesmittel könnte bald offizielle Anti-Aging-Pille sein

Verlangsamt Metformin das Altern und verlängert es das Leben? 2016 startet ein Test in den USA.

Wer 1870 geboren wurde, hatte eine mittlere Lebenserwartung von rund 35 Jahren. 100 Jahre später, 1970, war es bereits das Doppelte, rund 70 Jahre. Derzeit sind es an die 80 Jahre (Mittelwert von Frauen und Männern) – und vielleicht steigt die Lebenserwartung bald auf 110 bis 120 Jahre: Das ist zumindest die Hoffnung von US-Forschern. Möglich machen soll das der Wirkstoff Metformin, der in Europa bereits seit 1957 als Antidiabetikum in Verwendung ist. Er könnte in Zukunft als erste, für diesen Zweck offiziell zugelassene "Anti-Aging-Tablette" zum Einsatz gekommen.

Denn die US-Arzneimittelbehörde FDA hat jetzt ein große Studie mit Metformin genehmigt, die 2016 starten soll. 3000 Personen im Alter von 70 bis 80 Jahren, die bereits an Krebs, Herzkrankheiten oder Demenz leiden bzw. ein erhöhtes Risiko dafür haben, werden daran teilnehmen. Das Ziel: Zu untersuchen, ob die Lebenserwartung tatsächlich verlängert werden kann – und der Verlauf bereits bestehender Erkrankungen gebremst bzw. günstig beeinflusst wird.

Es ist das erste Mal, dass die FDA eine Studie genehmigt, deren Ziel nicht unmittelbar die Verhinderung, Behandlung oder Heilung einer Erkrankung ist – sondern die Verlangsamung des Alterungsprozesses.

Schutzeffekte

Bereits in früheren Studien hat sich gezeigt, dass Metformin gewisse Schutzeffekte hat: So erkrankten Diabetiker seltener an Lungenkrebs, wenn sie Metformin verordnet bekamen. Die Substanz hilft auch, Herz-Kreislauf-Krankheiten vorzubeugen. "Metformin hemmt Entzündungen und die Entstehung von Tumoren, fördert die Balance des Stoffwechsels und hat auch einen Anti-Aging-Effekt", sagt der Innsbrucker Alternsforscher Georg Wick. Denn die Substanz imitiert jene Prozesse in den Zellen, die sonst nur durch Fasten und Kalorienreduktion ausgelöst werden. Im Tierversuch konnten lebensverlängernde Effekte bereits nachgewiesen werden.

Prof. Helmut Schatz von der Deutschen Gesellschaft für Endokrinologie rät aber davon ab, ohne Vorliegen offizieller Empfehlungen vorbeugend Metformin einzunehmen. Einerseits gebe es Hinweise, dass manchmal ein Vitamin-B-12-Mangel und kognitive Einschränkungen auftreten können. Andererseits bleibe bei "Medikamenten gegen das Altern" immer die Frage nach den Langzeit-Nebenwirkungen: "Diese kann man erst nach vielen Jahren und Jahrzehnten erkennen." Schatz hat deshalb vorerst nur einen Anti-Aging-Tipp, der sich für die Weihnachtszeit allerdings nur begrenzt eignet: "Am einfachsten ist es, weniger zu essen."