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12/05/2011

Strategien gegen das Vergessen

Weltalzheimertag: Ein "hirngesunder" Lebensstil, bessere Früherkennung: Es gibt gute Strategien für Patienten und Angehörige.

von Ernst Mauritz

Eine Jubelmeldung haben wir nicht", sagt der Neurologe Prim. Andreas Winkler, ärztlicher Direktor der Klinik Pirawarth, anlässlich des Welt-Alzheimertages am Mittwoch. Trotzdem gibt es mehrere Strategien, die Lebenssituation von (zukünftigen) Patienten und Angehörigen zu verbessern. 110.000 Menschen in Österreich sind derzeit von einer Demenz betroffen, "diese Zahl verdoppelt sich alle 20 Jahre". Grund dafür ist die steigende Lebenserwartung.

Lebensstil

Die Studie sorgte vor Kurzem auf dem Welt-Alzheimerkongress für Aufsehen: Demnach sind sieben Risikofaktoren rund der Hälfte aller Alzheimer-Erkrankungen zuordenbar: Bluthochdruck und Fettsucht (Adipositas) im mittleren Lebensalter, Diabetes, Rauchen, Depression, geistige und körperliche Inaktivität, niedriger Schulabschluss.

Bessere Früherkennung

Nur bei rund 20 bis 50 Prozent der Betroffenen in Industriestaaten wird die Diagnose Demenz frühzeitig gestellt. Dabei hat eine frühe Diagnose viele Vorteile, betont Winkler: "Andere, behandelbare Ursachen werden ausgeschlossen. Eine frühere medikamentöse Therapie ist effektiver als eine spätere; Angehörige können frühzeitig geschult werden - das alles verbessert die Lebensqualität deutlich."

Neue Medikamente

"Bei vielen neuen Präparaten, die schon in der letzten Phase vor der Zulassung waren, haben sich die Hoffnungen leider zerschlagen", sagt Winkler. Derzeit sind drei Antikörper gegen Alzheimer in der letzten Studienphase. Mit der Zulassung des ersten ist frühestens 2013 zu rechnen. "Wir erhoffen uns eine deutliche stärkere Wirkung - also eine deutlichere Krankheitsverzögerung - als mit den derzeit verfügbaren Präparaten." Diese können die Krankheitssymptome um eineinhalb bis zwei Jahre verzögern. Heilung ist aber nicht zu erwarten.

Impfung

Das Wiener Biotech-Unternehmen Affiris testet in den kommenden zwei Jahren einen Impfstoff an 420 Probanden in sechs Staaten . Die Substanz regt die Bildung schützender Antikörper an, die die schädlichen Plaques (Ablagerungen krankhaft veränderter Eiweiße) im Hirn erkennen und abbauen. In einer ersten kleinen Studie blieben die kognitiven Fähigkeiten jener Patienten stabil, die frühzeitig behandelt wurden und eine noch vergleichsweise gute Gehirnfunktion aufwiesen, sagt Forschungschef Univ.-Prof. Achim Schneeberger. Auch ein zweiter Alzheimer-Impfstoff wird entwickelt.

Angehörigenschulung

Die Schulung von Angehörigen ist genauso effizient wie die derzeitige medikamentöse Therapie und kann die Aufnahme z.B. in ein Pflegeheim im gleichen Ausmaß verzögern, sagt Antonia Croy, Präsidentin der Selbsthilfeorganisation Alzheimer Angehörige Austria. "80 Prozent aller Demenzpatienten werden zu Hause betreut. 80 % aller Pflegenden sind Frauen, 50 % sind älter als 50 Jahre. "Die Pflege in der Familie muss besser unterstützt werden - um die Lebensqualität von Patienten und Angehörigen zu erhöhen."

(Tag der Offenen Tür bei Affiris am 21.9. von 15 bis 19 Uhr, Karl-Farkas-Gasse 22, 1030 Wien )

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