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Wissen
08/04/2021

Souvenirs aus erster Hand - von der KURIER-Leserschaft

Der Bericht über eine Ausstellung im Volkskundemuseum inspirierte Leser(innen), ihre Erinnerungen öffentlich zu machen.

von Uwe Mauch

Im Juli 1954 war es am Gratlspitz in den Kitzbüheler Alpen grimmig. Wolfgang Suppan erinnert sich – so als wäre es gestern gewesen: „Es gab so viel Schnee, dass mir meine Mutter die Ärmel aus der Weste trennte und sie mir über die nackten Wadeln gezogen hat. Ich hatte damals eine kurze Lederhose an und fror schrecklich. Aber Not macht erfinderisch.“

Mit der Sommerfrische und seinen Eltern verbindet der Zeitzeuge heute schöne Schwarz-Weiß-Fotos – und ein purpurrotes Käppi mit der goldenen Aufschrift Tirol. „Als Sechsjähriger trug ich es mit großem Stolz.“

Wolfgang Suppan ist einer von zig Leser(innen), die einem Aufruf in der Montag-Ausgabe des KURIER gefolgt sind und ihre persönlichen Erinnerungen in Form von Fotos und kurzen Berichten an die Redaktion gemailt haben.

Nora Witzmann, die im Wiener Volkskundemuseum eine Ausstellung über Souvenirs in der Coronazeit kuratiert hat, freut sich über „all diese herrlichen Berichte der Leserschaft“.

Von wegen Artenschutz

Besonders angetan hat es der Volkskundlerin das Mail von Alois Dorninger, „weil er durchaus selbstkritisch die Frage stellt, was Touristen im Urlaub dürfen und was sie heute besser unterlassen sollten“. Das mitgeschickte Foto zeigt Muscheln sowie einen ausgestopften Igelfisch und einen Baby-Alligator. Dazu notiert Alois Dorninger: „Zwischen 1965 und 1972 war als Mitbringsel noch die echte Natur gefragt. Keiner kümmerte sich um den Artenschutz.“ Die Seesterne konnte man in Lignano am Strand kaufen. „Die waren noch am Leben und lagen tagelang in der Sonne, bis sie trockneten und der Gestank nachließ. Auch wenn ich mich heute dafür schäme, damals war die Zeit eine andere.“

Die Schildkröten, die ihm um 1980 bei der Heimreise von Zadar nach Wien zum Kauf angeboten wurden, hat er nicht mehr gekauft. „Die Jungs standen an der Straße, jeweils drei Schildkröten hingen an einer ausgestreckten Hand, mit den Hinterbeinen nach unten. Das war für mich kein Urlaubsandenken.“

Die meisten Erinnerungen der KURIER-Leser schließen genau dort an, wo die Schau in den Vitrinen des Museums endet. Mit zunehmendem Wohlstand wurde es möglich, im Urlaub fernere Länder zu besuchen.

Noch in schöner Erinnerung ist Regina und Oskar Liebhart ihre Thailand-Rundreise im März 2020. Ein Foto zeigt das Ehepaar im Tempel der Provinzstadt Nan im Norden des Landes: „Wir haben dort eine traditionelle Flagge, eine Tung, gebastelt, die dann ein Mönch gesegnet hat. Diese Reise wird uns immer in Erinnerung bleiben, denn in Österreich war schon Corona-Lockdown, und wir konnten noch wunderschöne Momente erleben und sind gut und gesund nach Hause gekommen.“ Die beiden Flaggen hängen im Haus der Liebharts in Wien und „sollen weiterhin Glück bringen“.

Ein weiteres Kapitel in dieser kleinen Zeitgeschichte des Urlaubens schlägt Ingrid Kerstner auf. Ihr Foto zeigt zwei Mitbringsel von einem frühen Urlaub in Down Under, dazu schreibt sie: „Wir waren im Jahr 1997 das erste Mal in Australien. Didgeridoos waren bei uns noch nicht so bekannt, aber wir waren von diesem Instrument so begeistert, dass wir es unbedingt kaufen mussten – und noch einen Bumerang dazu.“ Mit Happy End: „Mitnehmen war schwierig, aber nach sechs Wochen kam das Didgi unversehrt bei uns mit der Post an.“

Der Hornvogel aus Eisenholz von Manuela Vidakovic-Pittrow erinnert wiederum an eine Reise vor einigen Jahren nach Borneo. "Dort hatten wir Gelegenheit eine Nacht mitten im Dschungel bei den Iban People im Langhaus zu verbringen. Dieses Haus war nur per Motorkanu nach etwa einstündiger Fahrt erreichbar."

Es wurde auch der Tanz des Hornvogels vorgeführt. "Unsere fünfköpfige Touristengruppe durfte/musste natürlich mittanzen, sehr zur Belustigung der Familie und Bewohnerdes Langhauses. Diese Nacht im Dschungel war unbeschreiblich und unvergesslich."

"Die wohlgeformte Lady aus Keramik", berichtet Irmgard Hagmüller, "stammt aus Brasilien". Außerdem besitzt sie einen Kiwi aus Holz aus Neuseeland. Ein Pinguin aus Lapislazuli hat sie aus Chile heim begleitet. "Dazu haben wir Steine vom Gletscher aus Patagonien."

 

Silvia Wolzt nimmt auf die Gondel in der Ausstellung im Volkskundemuseum Bezug: "Mein Lieblingssouvenir ist eine silberne Schatulle aus Venedig. Diese ist sowohl Spieldose als auch Schmuckschatulle zugleich und hat mir meine Großmutter 1964, ich war damals fünf Jahre alt, mitgebracht."

Die Schatulle hat ein kleines Schmuckfach und hat auf der Unterseite eine Art Drehknopf zum Aufziehen des Musikwerkes. "Sie spielt eine kleine Melodie, die ich mir auch heute noch immer wieder gerne anhöre."

Leserin Brunhilde Geist freut sich über die Miniatur des Klosters Voronet in Rumänien: "Sie begleitet mich seit mehr als zwanzig Jahren. Ich hatte eine starke Affinität zu Rumänien und war so beeindruckt von dem Aufenthalt im Kloster Voronet, dass ich mich bis um Mitternacht, dann wurde leider geschlossen, davon nicht lösen konnte. Es ist für auch heute noch einer der spirituellsten Momente, die ich je erlebt habe."

Kurz und prägnant schreibt Erik Steinkellner über sein Lieblingssouvenir: "Ein unvergessliches Geschenk von einem Beduinen bei einem Sonnenuntergang bei den Mandaraseen in Libyen."

Rikky Bohaumilitzky bereitet die "Gallerie" in ihrem Haus in Strasshof viel Freude: "Wir sind früher viel, gerne und weit gereist. Hauptsächlich waren wir in Asien unterwegs, aber auch Afrika und Amerika besuchten wir. Wir brachten von überall Kleinigkeiten mit, die wir in unserem Haus an die Wand hängen konnten. Und so schmücken sie nun das Stiegenhaus zum Keller, und einer der ersten Blicke, wenn man das Haus betritt, fällt auf unsere Gallerie - und das ist uns wichtig, denn wir lieben jedes einzelne Mitbringsel."

Helga Markmann aus Leopoldsdorf im Marchfelde nennt ihre Galerie "Kitschwand". Dazu schreibt sie: "Es sind schöne Erinnerungen an viele Urlaubsreisen in den letzten dreißig Jahren quer durch Europa, von Amsterdam bis Zypern, von Nordnorwegen bis Nordafrika."

Christine Krause aus Erdberg nennt die Wand mit Erinnerungen von jeden bereisten  Land "Erdberghängung". Sie besitzt unter anderem auch eine schöne Masle aus Borneo.

"Das ist ein tibetischer Thanka", mailt Ernst Tremmel. "Er wurde nach meiner Erinnerung 1981 in Kathmandu (Bodnath) gemalt. Der Künstler hat Pflanzenfarben verwendet. Und meine Vorstellung etwas korrigiert, damit die Figuren der Tradition entsprechen."

Herr Tremmel war damals "einige Zeit in Nepal, Indien und Burma unterwegs".

Dieses Foto stellt eine kleine Krippe dar, mit allem, was dazu gehört: Heilige Maria, Josef, Jesuskind, vorne Ochs und Esel. Und es ist ein Souvenir aus Costa Rica, vermerkt Elisabeth Sturm aus der Wildschönau.

Es ist das Lieblingssouvenir ihrer Tochter Maria Mitrovic. Sie studierte Soziale Arbeit ain Innsbruck und war zu Studienzwecken vier Monate lang in Costa Rica.

 

 

Leserin Margot Liwa bringt sich als Reisesouvenirs gerne Weihnachtsschmuck mit: "Sie hängen im Advent an einer Girlande im Vorzimmer. Eines meiner Lieblingsstücke ist das Mitbringsel aus den Everglades bei Miami: Weihnachtsmann und Krokodil auf dem typischen Evergladesgefährt."

Das Objekt stammt von einer Kreuzfahrt, bei der es auch eine Tour  durch die Everglades gab, so Frau Liwa. "Wir sahen zwar kaum Krokodile, aber dafür ein Mutterkrokodil mit ihren Kleinen. Meine anderen Anhänger stammen auch von unseren zahlreichen Reisen, der jüngste Kauf ist aus Venedig, eine Kugel mit einem Weihnachtsmann in einer Gondel."

 

Das Souvenir von Gunda Cuba aus Wien-Liesing ist eine (halbe) Scampi-Schere von ihrem ersten Italien-Urlaub im Jahr 1981. "Ich war damals zwanzig Jahre alt", erinnert sie sich. "Und wir waren nach langer Anreise spät zum Essen dran. Im Restaurant gab es keine Speisekarte. Man hat Scampi empfohlen. Nach dem Essen war ich schockiert, als auf der Rechnung dafür 17.000 italienische Lire verrechnet wurden. Das waren damals umgerechnet rund 240 österreichische Schilling, ein Betrag, der für mich als Studentin ziemlich schmerzhaft war."

Dennoch war es ein toller Urlaub, und sie erinnert sich heute mit einem Lachen daran, "wie man uns ahnungslose Jungurlauber über den Tisch gezogen hat". Für das Foto hat sie die Scampi-Schere zur Rechnung vom Restaurant und einem Bild aus dem Foto-Album gelegt.

Einige Souvenir-Berichte werden am Donnerstag, dem 2. September, ab 18.30 Uhr im Volkskundemuseum Wien von Leser(innen), Kuratorin Nora Witzmann und KURIER-Redakteur Uwe Mauch zum Vortrag gebracht. Anmeldung per Mail: nora.witzmann@volkskundemuseum.at; Kennwort: Souvenir

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