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Jubiläumskongress
03/06/2017

So wird Aromatherapie in der Medizin eingesetzt

Neue Studien zeigen die vielfältigen Einsatzmöglichkeiten als ergänzende Therapien.

von Ingrid Teufl

Düfte haben großen Einfluss auf die körperliche und seelische Verfassung des Menschen – das ist schon lange bekannt. Zu den bekanntesten Beispielen zählt etwa die entspannende Wirkung von Lavendel. Zunehmend können die uralten Erkenntnisse aus der Volksmedizin mit moderner Wissenschaft nachgewiesen werden. Beim Jubliäumskongress der Österreichischen Gesellschaft für wissenschaftliche Aromatherapie und Aromapflege (ÖGwA) diskutierten am vergangenen Wochenende zahlreiche Experten über aktuelle wissenschaftliche Erkenntnisse.

In der Hand von Fachleuten

Aromatherapie, in Händen von ausgebildeten Ärzten, Pflegepersonal oder Apothekern, sei nämlich viel mehr als etwa ein Lämpchen mit angenehmen Düften aufzustellen. Die ÖGwA setzt sich seit zehn Jahren für die Wissenschaftlichkeit der Methode ein und grenzt sich damit von esoterischen Strömungen ab. "Gerade die psychologische Wirkung von ätherischen Ölen verleitet verschiedene Personengruppen immer wieder dazu, die Aromatherapie in die Esoterik abrutschen zu lassen", sagt Iris Stappen vom Department für Pharmazeutische Chemie an der Universität Wien. Das schade dem Ansehen dieser "im Grunde ernstzunehmenden Methoden."

"Mit der Aromatherapie kann man sehr gut ergänzend behandeln. Die Studien werden in diesem komplementärmedizinischen Bereich immer besser", sagt der Lungenfacharzt Wolfgang Steflitsch, ÖGwA-Vize-Präsident. Er führt Untersuchungen an, die das Potenzial ätherischer Öle zeigen, um etwa Nebenwirkungen bei Tumorerkrankungen zu reduzieren. "Eine begleitende Aromatherapie kann gerade im psychischen und emotionalen Bereich unterstützend wirken. Andere Patienten profitieren von Ölen, um Nebenwirkungen wie Erbrechen zu verringern."

Alltagsdüfte

Auch bekannte Düfte aus dem Alltag zeigen in Untersuchungen ihre aromatherapeutische Wirkung. So profitierten etwa ältere Demenzkranke von Küchendüften wie Majoran und Fenchel: Ihre Erinnerungsfähigkeit verbesserte sich. Dies sei etwa für Krankenhäuser und Pflegeheime wertvoll.

Völlig unbedenklich sind sie nicht, betonen Walter Jäger und Univ.-Prof. Gerhard Buchbauer vom Department für Pharmazeutische Chemie: "Irrtümlicherweise herrscht bei der Mehrheit der Anwender die Ansicht, dass pflanzliche Zubereitungen und somit auch ätherische Öle in jeder Hinsicht sicher und unbedenklich sind, da es sich dabei um vollkommen natürliche Stoffe handelt."

Wechselwirkungen berücksichtigen

Allerdings sind ätherische Öle sogenannte Multikomponentenmischungen. "Daher ist die Wahrscheinlichkeit dass einzelne ihrer Inhaltsstoffe mit Arzneimitteln oder mit sich in Wechselwirkung eintreten können, groß." So können etwa Inhaltsstoffe von Grapefruit ein bestimmtes Enzym in der Leber (CYP3A4), das an vielen Stoffwechselvorgängen beteiligt ist, hemmen. Johanniskraut wiederum kann die Aktivität dieses Enzyms steigern.

Besonders im Blick auf Terpene, die Hauptbestandteile ätherischer Öle, seien noch viele pharmakokinetische Untersuchungen notwendig, betont Jäger. Damit könnten die Anwendungsbereiche der Aromatherapie weiter verbessert werden. So sei etwa noch nicht ausreichend erforscht, wie die Abbauprodukte von Terpenen, die in Blut und Harn feststellbar sind, wirken.