So unterstützen Pflege-Roboter den medizinischen Alltag

Der Roboter "Pepper" ist in einem belgischen Spital im Einsatz. © Bild: REUTERS/FRANCOIS LENOIR

Roboter könnten Pflegepersonal und Ärzte entlasten. Die Anforderungen sind allerdings hoch.

Pepper“ begleitet Patienten wie Besucher durch die Krankenhausgänge und findet Zimmer. Mehr geht noch nicht, immerhin spricht er 20 Sprachen. Seine Antworten klingen zwar etwas abgehackt und "Pepper" erinnert mit seinem an der Brust montierten Bildschirm nicht unbedingt an einen Menschen. Dennoch ist der 1,40 Meter große Kerl mit Computer-Innenleben seit dem Vorjahr fixer Mitarbeiter im Krankenhaus AZ Damien im belgischen Ostende.

Roboter wie "Pepper" sind – ausgehend vom technikbegeisterten Japan – immer häufiger in Kliniken oder Pflegeeinrichtungen anzutreffen, um das Pflegepersonal zu entlasten. Nebenbei sinken Berührungsängste zu Robotern.

Offen für "Robo-Docs"

Darauf lässt auch eine aktuelle Umfrage der Beratungsgesellschaft PwC schließen. 40 Prozent der Deutschen sind offen, einen "Robo-Doc" für ärztliche Beratung zu konsultieren – sofern die Voraussetzungen stimmen. Das heißt, dass der Computer etwa schneller und effizienter arbeitet. Rund 43 Prozent könnten sich sogar vorstellen, kleinere Eingriffe von Robotern durchführen zu lassen. Grundsätzlich abgelehnt wurde künstliche Intelligenz von rund 25 Prozent der insgesamt 2000 Befragten.

"Es gibt eine große Erwartungshaltung, dass durch den Einsatz von Technik mehr Selbstbestimmung und Unabhängigkeit möglich sind. Die Idee, dass ein Roboter die Selbstständigkeit fördert, ist nachvollziehbar – aber derzeit nur bis zu einem bestimmten Grad umsetzbar", kommentiert Univ.-Prof. Christoph Gisinger die Ergebnisse. Er ist ärztlicher Leiter der Langzeit-Pflegeeinrichtung "Haus der Barmherzigkeit", wo man künstliche Intelligenz nicht nur nutzt, sondern den Einsatz auch wissenschaftlich evaluiert. "Wir wollen wissen, was die Technik in der Pflege leisten kann. Nur, wenn wir offen für Neues sind, können wir erfolgreich in der Betreuung unserer Patienten sein."

Langzeiteinsatz evaluiert

In einem Forschungsprojekt wurde etwa der Langzeiteinsatz des eigenständig handelnden Roboters "Henry" getestet. "Technisch war hier die Botenfunktion erfolgreich: Henry findet alleine Räume, und wir konnten ihn auch als Animateur für unsere Walkinggruppe gut einsetzen." Er kam bei den Bewohnern des Hauses gut an. "Aber aus Sicherheitsgründen ist er nur mit drei km/h unterwegs. Das finden viele Bewohner zu langsam."

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Therapierobbe Paro, Demenz, Therapie, Haus der Barmherzigkeit © Bild: /Haus der Barmherzigkeit
Die Robbe "Paro" wird hingegen therapeutisch eingesetzt, um Demenzpatienten aus ihrer Isolation zu holen. Der menschliche Faktor ist dabei aber wesentlich. "Für einen Effekt ist eine therapeutisches Setting nötig. Es reicht nicht, den Patienten die Robbe wie ein Stofftier in den Arm zu legen."

Flächendeckender Einsatz noch unrealistisch

Woran ein flächendeckender Einsatz von Pflegerobotern derzeit am meisten krankt: Die technischen Möglichkeiten sind nicht mit den Anforderungen in Einklang zu bringen, erklärt Gisinger. "Ein Roboter, der Kranke heben kann, müsste stabil wie ein Kran sein, aber gleichzeitig mobil und schmal. Das sind rein physikalisch und statisch sehr schwierige Herausforderungen."

Nicht zu vernachlässigen ist ebenso der Kostenfaktor. "Es gibt leider auch wirtschaftliche Grenzen, wenn allein die Anschaffung eines Pflegeroboters mindestens das Jahresgehalt eines therapeutisch geschulten Mitarbeiters ausmacht." Wobei wir wieder beim Faktor Mensch wären. Gisinger: "Die Möglichkeiten, Roboter sozusagen als ‚dritte Hand‘ zur Unterstützung einzusetzen, werden zunehmen. Aber dort, wo empathische und psychologische Fähigkeiten nötig sind, kann der menschliche Faktor in den Gesundheitsberufen nicht ersetzt werden."

( kurier.at ) Erstellt am 10.05.2017