Bei Krankheit bekommt Sex eine andere Bedeutung.

© APA/dpa/Friso Gentsch

Sexuelle Gesundheit
06/10/2016

Wie man ohne Tabus über Sex redet

Patienten wollen von Ärzten ernst genommen werden. Dafür ist die richtige Gesprächskultur wichtig.

von Ingrid Teufl

Sex ist ein wichtiger Teil des Lebens, seine Bedeutung für Wohlbefinden sowie körperliche und seelische Gesundheit ist wissenschaftlich gut belegt. Sogar die WHO definierte in den 2000er-Jahren, dass sexuelle Gesundheit ein wichtiger Teil der Gesamtgesundheit ist. Beeinflusst jedoch eine Krankheit die Sexualität, ändert sich die Wertigkeit. Aber über Dysfunktion, Lustlosigkeit oder Schmerzen zu reden, ist noch immer ein großes Tabu – für die Betroffenen, aber auch für die Ärzte.

Wie die Sprachlosigkeit auf beiden Seiten aufgebrochen werden kann, war gestern, Freitag, Thema einer Tagung im Gesundheitsministerium.

Ein Drittel in Österreich ist chronisch krank

Ein Drittel der Österreicher ist laut Statistik Austria chronisch krank. Viele Krankheiten wie Diabetes, Depressionen, Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder Krebs beeinflussen das Sexualleben der Patienten enorm. "Wir können in Ausbildung und Praxis nicht mehr länger daran vorbeigehen. Diese Erkrankungen haben starke Auswirkungen", sagt Sexualmedizinerin Elia Bragagna. Dazu zählen etwa erektile Dysfunktionen oder Vagina-Trockenheit durch Durchblutungsstörungen, Libido-Verlust bei Depressionen oder Schmerzen infolge von Entzündungen durch Strahlen- oder Chemotherapien.

Das kann auch auf die Beziehung abfärben. "Wenn es vor der Erkrankung ein aktives Sex-Leben gab, fehlt für beide Partner ein wichtiger Teil", sagt Lucia Ucsnik. Die Chirurgin und Sexualmedizinerin arbeitet viel mit Krebspatienten. Ein Tumor belastet emotional und durch die Operationen verändert sich möglicherweise der Körper. "Er kann anders ausschauen oder man hat durch die Erkrankung einfach das Vertrauen in ihn verloren."

Gespräch ist wichtige Säule

Sexualität ist eine Säule für das körperliche und seelische Wohlbefinden, betont Uwe Hartmann, Leiter des Sexualmedizinischen Zentrums Hannover. "Sexualität stillt auch ein Grundbedürfnis nach Nähe und Sicherheit." Fühle man sich nicht gut, habe man weniger Lust auf Sex und die körperlichen und seelischen Bedürfnisse bleiben ungestillt – ein negativer Kreislauf beginnt. Versagensängste können etwa zu Sprachlosigkeit und Vermeidungsverhalten führen. "Dann entzieht die Sexualität, die ja eigentlich etwas Schönes ist, stärken sollte, der Beziehung ihre Kraft. Als Sexualmediziner sind wir gefordert, das Thema positiv zu besetzen."

Gerade in der Onkologie ist es wichtig, dass mögliche Probleme im gesamten Krankheitsverlauf hindurch angesprochen werden. Sexuelle Gesundheit ist eine multiprofessionelle Angelegenheit. Ucsnik: "Idealerweise sollten alle betroffenen Fachbereiche zusammenarbeiten. Ich erlebe die Patienten durchaus dankbar, wenn man sie vorbereitet."

Schwieriges Thema

Das Sprechen über Sex und medizinische Themen ist nicht einfach. Die Patienten selbst drucksen oft herum oder machen nur Andeutungen. Manche fallen hingegen gleich mit der Tür ins Haus und überfordern damit wiederum ihren Arzt.

Doch auch viele Ärzte fühlen sich auf diesem Terrain nicht trittfest (siehe Grafik). Worauf es ankommt, erklärt Marlene Sator. Sie hat im Auftrag des Sozialministeriums Grundlagen erarbeitet hat, um die Gesprächsqualität im Gesundheitswesen zu verbessern. Vor allem gehe es nicht um "nett sein", sondern um eine "gute Gesprächsführung". Gerade bei Tabuthemen rund um die sexuelle Gesundheit und Probleme sei das "ein ganz zentrales, diagnostisches und therapeutisches Werkzeug".

Setting Ein geeigneter Rahmen (nicht am Gang, ohne fremde Zuhörer) schafft Vertrauen. Der Arzt sollte Akzeptanz für die Anliegen des Patienten signalisieren, für das Gespräch selbst empfiehlt sich eine Struktur (Zeiteinteilung, Orientierung, Zusammenfassung).

Positive Auswirkungen Fühlt sich ein Patient mit seinen Problemen angenommen, verbessert das seine Zufriedenheit. Die Einbeziehung des Patienten, etwa bei der gemeinsamen Erarbeitung von Therapiezielen, erhöht Wohlbefinden und Therapietreue.

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