Schule 2.0: Digitales Lernen wird zum Unterrichtsfach

Flipped Classroom
Foto: KURIER/Franz Gruber Lehrer Joe Buchner mitSchülerinnen und Schülern digital vernetzt

Tablets und Laptops gehören immer mehr zum Lernalltag. Wie das den Unterricht verändert.

Der Umgang mit digitalen Medien gehört in 169 Pilotschulen ab sofort zum Regelunterricht. Ab Herbst 2018 soll dies dann in allen Klassenzimmern Realität werden – so der Plan (siehe unten).

In der AHS Polgarstraße in Wien-Donaustadt sind Tablets und Handys schon lange Teil des Schulalltags: Bereits in den ersten beiden Klassen lernen die Schüler, wie sie das Internet fürs Lernen nutzen können. Zudem werden digitale Medien in verschiedenen Fächern eingesetzt.

Flipped Classroom Foto: KURIER/Franz Gruber Simon und Randle

Verantwortlich dafür ist der junge Lehrer Joe Buchner, der es durch den Einsatz von digitalen Medien schafft, die Aufmerksamkeit der Jugendlichen auf den Stoff zu lenken, wie seine Schüler Simon und Randle bestätigen. Auf ihrem Stundenplan steht Geschichte – für viele 13-Jährige ein langweiliges Fach, schließlich gibt es meist Spannenderes als die Heldentaten früherer Kaiser und Könige.

Jeder ein Thema

Zu Beginn der digitalen Stunde werden Gruppen gebildet, die sich jeweils auf ein Thema aus dem (analogen) Geschichtsbuch einigen. Einige setzen sich etwa mit Ludwig XIV. auseinander und referieren die erarbeiteten Infos in die Handy-Kamera, um so einen Kurzfilm über das Leben des Sonnenkönigs zu produzieren. Simon und Randle haben sich Napoleon als Thema ausgesucht. Stolz zeigen sie ihrem Lehrer Joe Buchner das Ergebnis. "Wer sich selbst ein Thema erarbeitetet, merkt es sich besser", sagt Buchner. "Die Clips verwende ich außerdem später für den Unterricht", erklärt der Fan des "Flipped Classroom"-Konzeptes – des "umgedrehten Klassenzimmers".

Was das ist, erklärt Stefan Schmid von der virtuellen Pädagogischen Hochschule: "Die Ursprungsidee war , dass der Stoff den Schülern via Videoclips außerhalb des Unterrichts vermittelt wird und das Üben in der Schule stattfindet. Heute versteht man darunter generell die Einbeziehung digitaler Medien."

Bevor es in der Polgarstraße losgeht, erläutert Joe Buchner, wie man Inhalte digital aufbereitet: "Da gibt es viele Methoden. Ganz einfach ist die Lege- und Zeigtechnik: Schüler schreiben einen kurzen Text auf kleine Papierzettel und legen ihn auf ein dazu passendes Bild, das auf dem Tablet gezeigt wird. Das filmen sie mit dem Handy ab und machen ein Video daraus. Wer will, kann etwas dazu erklären – Screencast nennen das die Profis."

Dabei lernen die Buben und Mädchen nicht nur das Stoffgebiet, sondern auch, was wichtig ist, wenn man Dateien ins Netz stellt: "Ich habe ihnen gezeigt, welche Fotos aus dem Internet sie verwenden dürfen, damit sie das Urheberrecht nicht verletzen." Das klingt sehr kompliziert, werden viele Lehrer und Eltern denken. Ist es aber nicht, erklärt Buchner: "Klar ist es etwas unruhiger und lauter in der Klasse. Doch das macht mir nichts aus." Denn am Ende hat er zufriedene Schüler wie Simon und Randle: "Es macht mehr Spaß und man lernt mehr, als wenn der Lehrer eine ganze Stunde nur erzählt."

Keine Zeit zum Spielen

Wer neugierig geworden ist, bekommt die nötigen Tools kostenlos in der Virtuellen Pädagogischen Hochschule, erklärt Schmid, der einst selbst an einer Handelsschule unterrichtete: "Wenn ich jetzt in Schulen bin, sind Lehrer anfangs manchmal skeptisch gegenüber dieser Form des Unterrichts. Doch sobald ich ihnen zeige, wie einfach das funktioniert, sind sie am Ende begeistert und wollen mir ihre Ergebnisse gerne zeigen." Auch die Schülerinnen und Schüler sind konzentrierter. Wer in einer Schulstunde alle Stationen aus Napoleons Leben nachlesen und vortragen will, hat keine Zeit zum Handyspielen.

Lehrplan

Ab  diesem Schuljahr gibt es an 169 Pilotschulen die verpflichtende Übung „Digitale Grundbildung“, ab dem Schuljahr 2018/19  solle diese dann fixer Bestandteil des  Unterrichts an allen Schulen sein, heißt es aus dem Bildungsministerium.  
Im Umfang von zwei bis vier Wochenstunden lernen die Schüler innerhalb von vier Jahren Informations-, Daten- und Medienkompetenz, Office- Anwendungen  und den sicheren Umgang mit persönlichen Daten. Die Kompetenzen werden in der  achten Schulstufe mit dem „digi.check“ überprüft.

(Kurier) Erstellt am
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