Wissen und Gesundheit
12.03.2012

Schönheits-OPs: Jetzt wird viel mehr hinterfragt

Risiken werden unterschätzt, verkürzte Werbebotschaften vergrößern die Kluft zwischen Wunsch und Realität.

Der kürzlich aufgeflogene Skandal um fehlerhafte Brust-Implantate hat viele wachgerüttelt: „Die Menschen sind mit einem Schlag qualitätsbewusster geworden und hinterfragen mehr“, sagt der ästhetische Chirurg Wolfgang Metka.

Ein reinigendes Gewitter für die Branche also? „Die ästhetische Chirurgie hat leider einen negativen Touch bekommen. Solange es unrealistische Werbung gibt, werden Realität und Wunsch auseinanderklaffen. Für Laien ist das sehr schwer durchschaubar. Es gibt schon mehr Brustchirurgen als Brüste.“ Dazu kommen günstige Angebote. „Es ist schwer zu vermitteln, dass Qualität ihren Preis hat. Und, dass bei Billigangeboten irgendwo gespart wird. Ob beim Material, beim Anästhesisten oder der Spitalsausstattung.“

 

Schönheitsmarkt

Auch Univ.-Prof. Maria Deutinger, Leiterin der Abteilung für plastische und ästhetische Chirurgie in der Wiener Rudolfstiftung, ist mit verunsicherten Patientinnen konfrontiert. „Den meisten ist gar nicht bewusst, dass es hier um einen Schönheitsmarkt geht. Da wird mit verkürzter Rhetorik geworben, da steht Marketing dahinter.“ Metka bekommt immer wieder Anfragen anderer Ärzte: „Bringen Sie mir die Fettabsaugung bei, damit retten Sie mich vor dem Konkurs.“

Das vom Gesundheitsministerium geplante Gesetz mit genauen Richtlinien über Patientenaufklärung, Qualitätssicherung und Werbeeindämmung begrüßen beide Experten. Deutinger: „Bei Schönheitsoperationen muss die Aufklärung noch detaillierter und umfassender sein als bei anderen Operationen.“ Pamela Rendi-Wagner vom Gesundheitsministerium ergänzt: „Es gibt keinen chirurgischen Eingriff mit Null-Risiko. Besonders junge Frauen denken nicht an Nebenwirkungen. Das wird Teil des neuen Gesetzes sein.“

Für Metka ist auch die Ausbildung der Operateure wesentlich. „Man ist besser, wenn man auf einen Bereich spezialisiert ist.“ Er fordert, anatomische und künstlerische Aspekte in der Ausbildung besser zu berücksichtigen: „Für Chirurgen ist Tasten, Greifen und Modellieren wichtig. Wir müssen über anatomische Einzelheiten genau Bescheid wissen. Das fehlt vielfach.“

„Das Ideal ist Gleichmacherei“

Wir Frauen von heute sind durch Werbung, Mode und Starmodels viel stärker mit Schönheitsidealen konfrontiert als früher. „Schönheit setzt Normen. Wir laufen ihnen nach – und fühlen uns mies“, sagt die Wiener Frauengesundheitsbeauftragte Univ.-Prof. Beate Wimmer-Puchinger. Sie kritisiert den Schönheitsboom als bedenklichen Ausdruck unserer Gesellschaft. „Der Weg führt weg von der Individualität zu einem künstlichen Gesamtbild. Eine Persönlichkeit macht ja mehr aus und sollte nicht nur auf die Äußerlichkeiten reduziert werden.“

Für die Fotografin Edith Walzl „braucht es gar nicht viel“, um innere Schönheit zu zeigen. „Das Ideal heute ist Gleichmacherei. Schön ist, wer mit sich im Reinen ist und das ausstrahlt. Schönheit ist die Wirkung eines Menschen.“ In einer Porträtserie fotografierte sie Frauen ungeschminkt. „Die Porträtierten waren beeindruckt. Die Idee kam mir durch eine Kundin, deren Falten ich viel interessanter fand, weil sie viel mehr zu erzählen hatten.“