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Wissen
04/09/2019

Schlechte Handschrift der Schüler: Lehrer schlagen Alarm

Ihr Kind schafft es nicht, schön zu schreiben? Jetzt sagen deutsche Volksschulpädagogen, warum es vielen Schülern so geht.

von Daniela Davidovits

Oft unleserlich und zu langsam: Deutsche Lehrer kritisieren die Schreibkompetenzen ihrer Schüler. Laut einer neuen Studie hat mehr als jedes dritte Grundschulkind (37 Prozent) Probleme, eine gut lesbare und flüssige Handschrift zu entwickeln. Lehrer an weiterführenden Schulen sehen sogar bei 43 Prozent der Schüler Mängel.

Aus Sicht der Pädagogen können im Schnitt nur vier von zehn Schülern 30 Minuten und länger beschwerdefrei schreiben - ohne Verkrampfung, Ermüdung oder Unleserlichkeit.

Ursachen hierfür sehen sie in mangelnder Routine, schlechter Motorik und Koordination sowie Konzentrationsproblemen. Auch wird der zu starke Medienkonsum der Schüler von mehr als der Hälfte der Lehrer als problematisch empfunden. Und schließlich fehle es ihnen an Zeit, das Handschreiben mit den Schülern zu üben.

„Wie sollen wir den Kindern das Schreibenlernen beibringen, wenn den Lehrkräften schlicht die Zeit fehlt, sie individuell zu unterstützen?“, kritisierte der Bundesvorsitzende des Verbandes Bildung und Erziehung (VBE), Udo Beckmann. „Wenn Kinder dann noch motorische Defizite aufweisen, weil sie auch zu Hause nicht die notwendige Unterstützung bekommen können, geraten wir an die Grenze des Machbaren.“

Warum das Handschreiben überhaupt so wichtig ist, erläutert Marianela Diaz Meyer, Geschäftsführerin des Schreibmotorik Instituts: „Beim Handschreiben - das belegen auch zahlreiche Studien - geht es um Bildung. Handschreiben unterstützt die Rechtschreibung, das Lesen, das Textverständnis, letztlich die schulischen Leistungen insgesamt.“

Dass Schüler heutzutage allerdings länger als 30 Minuten schreiben sollten, hält Schriftforscherin Hurschler Lichtsteiner zumindest für die Volksschule für fraglich. „Schreiben hat eine wichtige Funktion, aber ist kein Ausdauersport mehr“, sagt sie. Die Handschrift sollte aber durchaus früh automatisiert sein, damit die Kinder den Kopf frei haben für die Planung ihrer Texte.

Aus Sicht der befragten Lehrer können beim Schreibenlernen neben verstärktem Üben zu Hause und in der Schule sowie speziellem Training auch Aktivitäten helfen, die auf den ersten Blick nichts mit dem Schreiben zu tun haben, aber die Feinmotorik trainieren: Malen, Basteln und Kochen.

"Lehrer haben sich schon immer beschwert"

Die Schriftforscherin Sibylle Hurschler Lichtsteiner von der Pädagogischen Hochschule Luzern gibt zu bedenken, dass das Phänomen klagender Lehrer nicht neu ist. „Schon in früheren Jahrhunderten haben sich Lehrer über die handschriftlichen Fähigkeiten ihrer Schüler beschwert“, sagt die Schweizer Wissenschaftlerin. Für eine objektive Einschätzung wäre aus ihrer Sicht eine empirische Studie mit den Schülern nötig.

Auch die emeritierte Grundschuldidaktikerin Angelika Speck-Hamdan von der Ludwig-Maximilians-Universität München hält eine ergänzende Untersuchung mit Schülern für nötig. Die Lehrer-Umfrage sei zwar wichtig, da sie den Finger in die Wunde lege, zeige aber vor allem Vermutungen von Lehrern.

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