Lettering: Training für eine schöne Handschrift

. © Bild: Daneshmandi Laila

Wie ich lernen wollte, schöner zu schreiben, und wieder in der Volksschule gelandet bin.

Unlängst wurde ich nach dem Ausfüllen eines Formulars gefragt, ob ich Ärztin bin. An sich wäre das ja ein Kompliment – nur ging es dabei um meine Handschrift. Eine Studie aus den USA hat ergeben, dass dort jährlich 7000 Menschen sterben, weil Ärzte so unleserliche Rezepte ausstellen, dass Medikamente falsch ausgegeben oder falsch dosiert werden.

Solche gravierenden Folgen hat meine Handschrift zum Glück nicht – den Verdacht der Ärzte-Krax’n will ich trotzdem nicht auf mir sitzen lassen und besorge mir ein paar Lettering-Hefte, die neuerdings einen regelrechten Boom erfahren. Mithilfe von Übungsheften lernen degenerierte Computerhände wie meine (wieder) schön zu schreiben.

Das erfordert vor allem Zeit und Geduld, betont die Autorin Katja Haas in ihrer Anleitung. Neben der Theorie, was Serifen (die kleinen Striche als Abschluss von Buchstaben), Majuskel und Minuskel (Groß- und Kleinbuchstaben) sind, gibt es Tipps für die passenden Stifte und Papierwaren.

Bevor meine Schriftstücke zu einem ansehnlichen Kunstwerk werden, muss ich aber wie beim Sport meine Hände aufwärmen: Das geht am besten mit Zierzeilen – in der Volksschule habe ich sie geliebt! Katja Haas hat Übungsseiten vorbereitet, auf denen ich mich mit Schnörkseln, Strichen und Schlaufen warmschreiben kann. Nach der ersten Seite muss ich schon meine Hand ausschütteln. Schöne Linien bringe ich nur langsam zusammen und sie strengen nicht nur die Hand, sondern fordern auch Konzentration.

Lettering, Bodyblog…
Lettering, Bodyblog © Bild: Daneshmandi Laila

Auf den nächsten Seiten lerne ich das ganze Alphabet neu und erkenne, wie sehr meine Schrift über die Jahre verroht ist, um schneller zu schreiben. Mein erster Satz in dem alle Buchstaben des Alphabets vorkommen (siehe Foto), zeigt: Wer sich vom Arzt wieder zum Volksschüler entwickeln will, muss auch viel üben.

Fazit:

Für Schrift-Ästheten und alle, die schön geschwungene Lettern zu schätzen wissen. Im Computer-Zeitalter ist Handgeschriebenes nicht nur persönlicher, es trainiert auch Hände und Hirn.

laila.daneshmandi@kurier.at

( kurier.at ) Erstellt am 10.02.2018