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Wissen und Gesundheit
12/05/2011

Salzige Luft für das Wohlbefinden

Um Salz auch hierzulande als Medizin zu nutzen, wird das spezielle Klima am Meer oder im Heilstollen in Räumen imitiert.

von Ingrid Teufl

Zu Beginn kam Herr P. immer eine halbe Stunde zu früh zu seinem Behandlungstermin. "Damit ich es rechtzeitig in den zweiten Stock schaffe. Ich musste beim Stiegensteigen immer Pausen einlegen." Der Niederösterreicher leidet an einer Lungenkrankheit, wegen der seine Lungenfunktion schwer eingeschränkt ist. Schon nach wenigen Aufenthalten im mit Salzluft angereicherten Behandlungsraum konnte er endlich wieder aufatmen: "Meine Kurzatmigkeit ist viel besser geworden, ich bin belastbarer." Mittlerweile kommt er überpünktlich. "Die halbe Stunde Fleißaufgabe kann ich mir jetzt sparen."

Sein Lungenfacharzt, Christoph Wildner (Wien, Mödling), setzt auf Salzluftinhalationen: "Als sinnvolle, natürliche Ergänzung zum medizinischen Angebot." Er verwendet ein Druckluftverfahren, das mit Trockensalz arbeitet und das einzigartige Mikroklima am Meer oder in Salz(Heil)Stollen nachempfindet.

Was dort von selbst passiert, muss hierzulande technisch imitiert werden. Die Idee, mithilfe von Trockensalzinhalation die Atemwege zu kurieren, ist nicht neu. Vereinfacht gesagt, werden die Salzpartikel in einem geschlossenen System aus Druck und Fliehkraft so klein zerrieben, dass sie sich als unsichtbarer Nebel im Raum verteilen. Erst in dieser Form können sie auch bis in die kleinsten Lungenverästelungen vordringen und dort ihre entzündungshemmende und schleimlösende Wirkung entfalten. Wesentlich ist, die normale Feuchtigkeit aus der Raumluft zu entfernen und die Salzkonzentration mit 15 bis 20 mg/m³ konstant zu halten (im Toten Meer liegt die Konzentration bei 30 mg). Wildner: "Die therapeutischen Eigenschaften gehen sonst verloren." Bisher eingesetzte Systeme hätten zwar das Salz zerkleinert. "Eine präzise Regulierung des optimalen Salzgehalts und der Luftfeuchtigkeit bei gleichzeitigem Luftaustausch war jedoch nicht möglich."

Atemwegserkrankungen nehmen zu, ebenso wie Allergien. "Ein hoher Prozentsatz der Allergiker hat früher oder später mit Asthma zu tun", sagt Wildner. "Es gibt Hinweise, dass gewisse Allergene heute aggressiver sind als vor einigen Jahren." Aber auch Umweltbelastungen, etwa Feinstaub, machen uns zu schaffen.

Auf der Haut

Die Erfolge der Salzbehandlungen verblüffen auch Wildner immer wieder. "Oft bessern sich die Beschwerden in kürzester Zeit." Das gelte auch für Hauterkrankungen wie Neurodermitis, Schuppenflechte, Akne. "Hier steht die entzündungshemmende Wirkung des Salzes im Vordergrund." Doch einerlei, ob für Atemwege oder Haut: Ein Mal ist bei der Salzinhalation kein Mal. Wildner: "Für einen nachhaltigen Effekt sind mehrere Sitzungen nötig."

Info: Negative Ionen wirken ausgleichend

Entstehung Ein polnischer Arzt stellte im 19. Jahrhundert fest, dass Minenarbeiter in Salzstollen seltener an Atemwegserkrankungen litten.
Daraus entwickelten sich Kuren in Heilstollen, meist in stillgelegten Salzbergwerken.

Wirkung Salz (NaCl) besteht aus positiv geladenen Natrium- und negativ geladenen Chloridionen. Hoch lösliches Salz reichert die Luft mit negativen Ionen an, die ausgleichend und entspannend wirken. In der Luft sind durch Elektrogeräte, Verkehr etc. oft mehr positive Ionen, somit ist ein Ungleichgewicht vorhanden.